Klinik Report, 23.06.2010
 

Bei Fehlern der Klinik gibt es keine Aufwandspauschale

Bei Fehlern der Klinik gibt es keine Aufwandspauschale

Eine Aufwandspauschale wird nur fällig, wenn die Kasse eine Prüfung "ohne berechtigten Anlass" eingeleitet hat.

© Stefan Rajewski / fotolia.com

KASSEL (mwo). Die 2007 eingeführte Aufwandspauschale im Fall einer Prüfung von Klinikrechnungen hat der GKV-Senat des Bundessozialgerichts jetzt unter die Lupe genommen und ihren Anwendungsbereich eng ausgelegt.

Die Aufwandspauschale von zunächst 100 und heute 300 Euro wurde zum April 2007 mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz eingeführt. Sie sollte den Prüfeifer der Kassen auf sinnvolle Fälle begrenzen und den Kliniken den Aufwand ausgleichen, der ihnen durch ein nicht gerechtfertigtes Prüfverlangen entsteht. Laut Gesetz steht das Geld den Kliniken zu, wenn eine von der Kasse veranlasste Prüfung durch den Medizinischen Dienst (MDK) "nicht zu einer Minderung des Abrechnungsbetrags führt".

Darauf stützte sich vor dem BSG ein Krankenhaus in Rheinland-Pfalz. Im Streitfall hatte eine Abklärung durch den MDK ergeben, dass das Krankenhaus 2007 die Hauptdiagnose in ihrer Abrechnung falsch kodiert hatte. Die Korrektur führte allerdings nicht zu einer Änderung des Rechnungsbetrags. Daher meinte das Krankenhaus, die Aufwandspauschale von damals 100 Euro stehe ihm zu. Wie nun das BSG entschied, ist das Gesetz jedoch so nicht gemeint. Eine reine "Wortlautinterpretation" greife zu kurz.Schließlich gehe die Prüfung hier unstreitig auf einen Fehler der Klinik zurück, dessen Korrektur auch durchaus zu einer Minderung der Rechnung hätte führen können. Solche Fälle, in denen das Krankenhaus selbst Anlass zur Prüfung gegeben habe, habe der Gesetzgeber nicht gemeint. Die Aufwandspauschale werde daher nur fällig, wenn die Kasse eine Prüfung "ohne berechtigten Anlass oder gar missbräuchlich" eingeleitet habe.

In einem weiteren Fall stritt eine andere Klinik in Rheinland-Pfalz mit der Krankenkasse über eine Behandlung im März 2007. Das Krankenhaus stellte die Rechnung im April, ihre Prüfung führte zu keinerlei Beanstandungen. Wie das BSG entschied, muss trotzdem die Kasse auch hier die Aufwandspauschale nicht zahlen, weil die Behandlung noch vor Inkrafttreten des Gesetzes stattfand. Es gelte das "Leistungsfallprinzip". Die Aufwandspauschale könnten Kliniken nur für Rechnungen über eine Behandlung beanspruchen, die nach dem 31. März 2007 begonnen hat und damit"vollständig" in die Zeit ab Inkrafttreten des Gesetzes fällt.

Az.: B 1 KR 1/10 R (Fehlkodierung)
Az.: B 1 KR 29/09 R (Zeitraum)

Lesen Sie dazu auch:
Krankenhausrechnungen in der Kritik

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

"Super Mario" hält Senioren geistig fit

3D-Computerspiele trainieren die räumliche Orientierung älterer Menschen - und schützen einer Studie zufolge vor Demenz. mehr »

Bei PKV und GKV sind viele Optionen möglich

16.30 hEine Bürgerversicherung "pur" wird es mit der Union nicht geben. Für Veränderungen im Versicherungssystem zeigen sich CDU/CSU aber offen. mehr »

Mehr Qualität beim Ultraschall nötig

Bei Diagnosen im Bauchraum erreicht ein nicht ausreichend qualifizierter Arzt nur eine geringe Treffsicherheit. Anlass für die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin für klare Qualitätsregelungen zu plädieren. mehr »