Ärzte Zeitung online, 15.08.2017
 

Tipps für die Abrechnung

Honorarbremse Sprachverwirrung

Konsultationspauschale oder Konsiliarpauschale, Ordinationsgebühr oder Versichertenpauschale? Sind Sie sattelfest im Vokabular des EBM? Nützlich wäre es – denn das entscheidet mit über Ihr Honorar!

Honorarbremse Sprachverwirrung

Haken dran? Wer die richtigen EBM-Nummer abrechnet, verschenkt kein Geld.

© Peshkova / Fotolia

Mit jeder Änderung des 1987 eingeführten EBM wächst bei Ärzten die babylonische Sprachverwirrung. Denn oft verschwinden Begriffe, an die wir uns als Vertragsärzte gerade gewöhnt hatten, andere tauchen mit geänderter Bedeutung wieder auf.

Wer nicht in die Falle gehen und Honorar verlieren will, muss gelegentlich Vokabeln lernen, auch wenn die Schule längst hinter uns liegt.

Beispiel Ordinationsgebühr: Noch heute wird der Begriff in so mancher Praxis verwendet. Ordination im ursprünglichen Sinne bedeutet die Einführung in ein kirchliches Amt (Weihe zum Diakon, Priester, Bischof). Synonym wird Ordination in der Arztpraxis auch für Sprechstunde, Verordnung oder auch für die Rezeption verwendet.

Die Ordinationsgebühr im EBM gibt es schon lange nicht mehr. An die Stelle dieses Begriffes sind die Versichertenpauschale (hausärztlicher Versorgungsbereich) und die Grundpauschale (fachärztlicher Versorgungsbereich) getreten.

Hier handelt es sich um eine Honorarpauschale mit ganz bestimmten Leistungsinhalten, aber auch klar definierten Rahmenbedingungen. So ist zum Beispiel in der Grundpauschale wie auch in der Versichertenpauschale der Befundbericht nach GO-Nr. 01600 bzw. der Arztbrief nach GO-Nr. 01601 enthalten.

Zielauftrag mit Potenzial

Damit kann in dem Arztfall, in dem die Versichertenpauschale bzw. die Grundpauschale berechnet wurde, weder der Befundbericht noch der Arztbrief abgerechnet werden. Wenn nun Ihre Praxis von einer anderen Praxis einen Patienten per Überweisung mit Zielauftrag zugewiesen bekommt und der Patient in dem Behandlungsfall (Quartal) schon bei Ihnen war, ist die Versichertenpauschale bzw. die Grundpauschale schon abgerechnet.

Für den Zielauftrag steht Ihnen dann aber, neben der Berechnung der reinen Auftragsleistung auch noch die Berechnung der Konsultationspauschale nach GOP 01436 zu. Achten Sie auf die Begrifflichkeiten! Die Konsultationspauschale ist eben nicht die Versichertenpauschale oder die Grundpauschale. Sie ist aber auch nicht die Konsiliarpauschale.

Konsilarpauschale oder -komplex?

Die seinerzeit in den EBM 2000plus aufgenommenen Komplexgebühren hießen Ordinations-, Konsultations- und Konsiliarkomplexe. Diese wurden jedoch nicht in die seit 1. Januar 2008 gültige Fassung des EBM übernommen.

Seitdem wird zwischen Versichertenpauschalen für den hausärztlichen Versorgungsbereich, Grund- und Zusatzpauschalen für Fachärzte sowie Konsiliarpauschalen für bestimmte Fachgruppen unterschieden, die vorwiegend zur Durchführung von Auftragsleistungen beauftragt werden. Die Konsiliarpauschalen sind mit den Grundpauschalen anderer Fachbereiche zu vergleichen. Sie gelten auch nur für die entsprechenden Fachkapitel im EBM:

» 17: Nuklearmedizinische GOP

» 19: Pathologische GOP

» 24: Radiologische GOP

» 25: Strahlentherapeutische GOP

Die Konsultationspauschale

Im Gegensatz dazu ist die Konsultationspauschale zu sehen. Sie steht schon im Singular und signalisiert damit eine eigenständige Leistungsposition des EBM. Die Konsultationspauschale ist im Grunde von jedem Arzt abzurechnen, der eine Auftragsleistung zu erbringen hat.

Dazu müssen Sie sich die Rahmenbedingungen der Konsultationspauschale genau ansehen. Dort heißt es in der ersten Anmerkung: "Die Gebührenordnungsposition 01436 kann nicht neben Versicherten-, Grund- und/oder Konsiliarpauschalen berechnet werden."

Sie erinnern sich an die Ausschlussregelungen im EBM: "Nicht neben…" ist im eigentlichen Wortsinn zu verstehen und bedeutet wirklich nicht daneben, will heißen nicht in derselben Sitzung.

Sie haben nun schon früher in einer anderen Sitzung die Versicherten- bzw. Grundpauschale abgerechnet. Damit können Sie bei dem Patienten, der Ihnen per Zielauftrag zugewiesen wurde – selbst wenn es Ihr eigener Patient ist – die Konsultationspauschale zusätzlich zu der Gebühr für die Auftragsleistung abrechnen.

Arztbrief nicht ausgeschlossen!

Das hat auch Folgen für die Abrechnung: Da der Arztbrief oder Befundbericht nicht zum Leistungsinhalt der Konsultationspauschale gehören, dürfen Sie in diesem Fall auch die Gebühren nach den GO-Nrn. 01600 oder 01601 zusätzlich berechnen.

Nun kann es ja sein, dass ein Patient Ihrer Praxis zum ersten Mal in diesem Quartal mit einem Zielauftrag zu Ihnen kommt. Diesen erledigen Sie dann und rechnen dafür beispielsweise die GO-Nrn. für den Zielauftrag, die Konsultationspauschale nach GO-Nr. 01436 und den Brief nach GO-Nr. 01601 ab.

Kommt der Patient danach nochmals als Ihr eigener Patient in Ihre Praxis, können Sie dann die Versicherten- bzw. Grundpauschale berechnen.

Für die Berechnung der Konsultationspauschale ist übrigens, ebenso wie für die Berechnung der Versichertenpauschale und der Grundpauschale ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt gefordert. Das bedeutet, dass mindestens zwei persönliche APK in dem Quartal stattgefunden haben müssen, für die dann die Versichertenpauschale/Grundpauschale und die Konsultationspauschale berechnet wurden.

Und was lässt sich jetzt aus dieser Geschichte in den Abrechnungsalltag mitnehmen? Wer sich durch neue Begrifflichkeiten nicht verwirren lässt, hat beim Honorar die besten Karten.

Abrechnungsbeispiel: Eine Allgemeinarztpraxis bekommt von einem Neurologen einen 73-jährigen Patienten zugewiesen (per Zielauftrag) ein Langzeit-EKG durchzuführen. Dies wird dann mittels Konsultationspauschale nach GOP 01436, sowie der GOP 03322 für das Langzeit-EKG abgerechnet. Hinzu kommen noch der Arztbrief nach GOP 01601 und die Kosten für das Porto nach GO-Nr. 40120.

Etwa drei Wochen später kommt der Patient wegen eines Magen-Darm-Infektes in die Praxis. Das ist nun die erste kurativ-ambulante Inanspruchnahme in dem betreffenden Quartal. Hier wird der "Originalschein" angelegt, und es wird die Versichertenpauschale abgerechnet.

Dr. Dr. Peter Schlüter ist niedergelassener Allgemeinarzt in Hemsbach an der Bergstraße. Seit mehr als 20 Jahren hält er Abrechnungsseminare für niedergelassene Ärzte.

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