Ärzte Zeitung online, 05.01.2018

Neues Jahr, neue Ziffern

Mehr Abrechnungsoptionen für Ärzte

Ärzte haben zum Jahreswechsel mehr Spielraum im EBM erhalten. Auch bei Formularen gibt es Neues.

Von Anke Thomas

Mehr Abrechnungsoptionen für Ärzte

Mit dem neuen Jahr haben sich für die hausärztliche Arbeit einige Neuerungen ergeben – auch finanziell interessante.

© VRD /stockadobe.com

BERLIN. Die magere Erhöhung des Punktwertes im EBM – also des Preises für einen Leistungspunkt – von 10,53 auf 10,6543 Cent (plus 1,18 Prozent) hat viele Ärzte enttäuscht. Zu Recht, denn wurde zum Beispiel ein Gespräch nach GOP 03230 in 2017 noch mit 9,48 Euro vergütet, erhalten Ärzte in diesem Jahr gerade einmal elf Cent mehr (9,59 Euro) für diese Zuwendung.

Eine für Hausärzte interessante neue Leistung dürfte das Ultraschallscreening Bauchaortenaneurysmen sein. Das Aufklärungsgespräch, das mit knapp 6,07 Euro vergütet wird, dürfen Haus- und bestimmte Facharztgruppen auch ohne Genehmigung ihrer KV durchführen. Allerdings kommen nur männliche Patienten ab 65 Jahre für das Screening infrage. Für die Durchführung des entsprechenden Ultraschalls ist eine KV-Genehmigung erforderlich.

Neu gefasst wurde die LA- und HPA-Antikörperdiagnostik: Gynäkologen und Urologen dürfen seit 1. Januar Botoxbehandlungen bei Blasenfunktionsstörungen abrechnen. Auch bei der Hörgeräteversorgung gibt es Neues. Um das Ergebnis einer Hörhilfe zu testen, hat der Gemeinsame Bundesausschuss den Freiburger Einsilbertest im Störschall in die Hilfsmittelrichtlinie aufgenommen. Weil die Hörgeräteversorgung damit aufwändiger wird, wurde die Vergütung für die entsprechenden GOP teils deutlich erhöht.

Neue Regelungen für schwangere Mitarbeiterinnen

Das neue Mutterschutzgesetz (MuschuG) greift ebenfalls seit Anfang des Jahres. Wichtig für Praxen: Das Gesetz gilt auch für Studentinnen, wenn sie zum Beispiel ein Pflichtpraktikum ableisten. Grundsätzlich verpflichtet das Gesetz Arbeitgeber außerdem, eine Gefährdungsbeurteilung für die einzelnen Arbeitsplätze vorzunehmen. Durfte eine schwangere oder stillende Frau bislang nicht zwischen 20 und 6 Uhr beschäftigt werden, ist jetzt eine Tätigkeit bis 22 Uhr möglich. Zudem sind künftig Sonn- und Feiertagsarbeit erlaubt. Voraussetzung ist jedoch, dass die Frau dies ausdrücklich wünscht, eine behördliche Genehmigung vorliegt und die Schwangere nicht alleine arbeitet.

525 Mio. Euro mehr Honorar erhalten die rund 165.000 Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten in diesem Jahr.

Krankenversicherte können in diesem Jahr - sicher auch dank der stark angestiegenen Anzahl von sozialversicherungsbeschäftigten Arbeitnehmern - von sinkenden Beitragssätzen profitieren. Denn das Bundesgesundheitsministerium hat den durchschnittlichen Zusatzbeitrag in der Gesetzlichen Krankenversicherung von 1,1 um 0,1 auf jetzt ein Prozent abgesenkt. Allerdings entscheidet eine gesetzliche Krankenkasse selbst über die Höhe des Zusatzbeitrages bzw. eine eventuelle Absenkung.

Für Praxen ebenfalls von Belang: Der Vordruck Muster 18 (Ergotherapie) im Heilmittelbereich wurde um die Verordnungsmöglichkeit der Ernährungstherapie ergänzt.

Auch bei der AU-Bescheinigung wird es kleinere Änderungen geben, die für krankgeschriebene Arbeitnehmer wichtig sind. Diese müssen ihre Krankenkasse unverzüglich über ihre Arbeitsunfähigkeit informieren. Die alten Vordrucke sollen laut aktueller Vordruckvereinbarung aber zunächst aufgebraucht werden.

Lesen Sie dazu auch:
EBM-Änderungen: Das gilt seit 1. Januar

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