Ärzte Zeitung online, 28.11.2013

Brustkrebs

Unauffälliger Befund ist kein Behandlungsfehler

Kein positiver Befund und wenige Monate später trotzdem Brustkrebs. Dieses Schicksal ereilte eine Patientin - woraufhin sie ihren Frauenarzt verklagte. Jetzt hat ein Gericht zu seinen Gunsten entschieden.

Keine weiteren Tests nach unauffälligen Befunden

Stellt ein Gynäkologe bei einer Tastuntersuchung der Brust mit Blick auf ein potenzielles Mammakarzinom keine Auffälligkeiten fest, so muss er laut OLG Hamm keine weiteren Untersuchungen veranlassen.

© Klaus Rose

KÖLN. Es ist kein Behandlungsfehler, wenn ein Frauenarzt nach unauffälligen Tast- und Sonografiebefunden keine weiteren Untersuchungen veranlasst - selbst wenn bei der Patientin schon wenige Monate später ein größeres Mammakarzinom mit Lymphknotenmetastasen diagnostiziert wird. Das hat das Oberlandesgericht Hamm (OLG) in einem rechtskräftigen Urteil entschieden.

Eine knapp 40-jährige Frau war im Juli und im November 2007 bei einem Frauenarzt zu Früherkennungsuntersuchungen. Beim zweiten Termin machte der Gynäkologe eine Sonografie der Brust mit einem Ultraschallgerät, das mit einem Sektorschallkopf ausgestattet war. Dabei stellte er keine Auffälligkeit fest.

Im März 2008 fand der Arzt durch Abtasten eine auffällige Verhärtung der rechten Brust. Bei der Frau wurde ein ausgedehntes Mammakarzinom festgestellt. Nach einer Chemotherapie wurde eine Mastektomie durchgeführt, die Frau wurde postoperativ bestrahlt.

Die Patientin verklagte den Gynäkologen auf Schadenersatz. Sie warf ihm vor, die Erkrankung zu spät erkannt zu haben. Sowohl das Landgericht als auch das OLG wiesen die Klage zurück, weil kein Behandlungsfehler festzustellen war.

Sachverständiger entlastet Gynäkologen

Nach den Ausführungen des Sachverständigen lasse sich nicht mit der erforderlichen Sicherheit feststellen, dass bereits bei den Untersuchungen 2007 ein erkennbares Karzinom vorlag, urteilten die OLG-Richter.

Nach dem Tastbefund habe keine Indikation für eine weitere Befundung vorgelegen. Zudem sei sie keine Risikopatientin gewesen. "Die in ihrer Familie vorgekommenen Krebserkrankungen, ihre frühe Menarche und der Umstand, dass die Klägerin Raucherin war, haben das Risiko für eine Brustkrebserkrankung nach Einschätzung des Sachverständigen nicht entscheidend erhöht", heißt es in dem Urteil.

Nach Einschätzung des Gerichts kann dem Arzt auch kein Befundungsfehler vorgeworfen werden, weil er die Sonografie fehlerhaft durchgeführt hätte. Die Untersuchung mit einem Schallkopf sei zwar etwas umständlicher; das sei aber je nach Erfahrung und Gewohnheit des Arztes unerheblich.

Unabhängig von der Frage eines möglichen Behandlungsfehlers gab es für das OLG keinen Beweis dafür, dass der Krankheitsverlauf weniger gravierend verlaufen wäre, wenn die Brustkrebserkrankung schon 2007 erkannt worden wäre.

Az.: 26 U 88/12

[29.11.2013, 10:43:40]
Rudolf Hege 
Es gibt keine "sichere" Früherkennung
Es gibt leider einen weit verbreiteten Irrtum: Den der unfehlbaren Medizin oder auch "Machbarkeitswahn", also die Annahme, dass mit der richtigen Früherkennung, dem richtigen Therapeuten oder der richtigen Therapie jede Krankheit hätte verhütet oder geheilt werden können.

Es gibt aber weder eine absolut sichere Früherkennung, noch absolut sichere Vorsorgemaßnahmen, noch immer erfolgreiche Therapien.

Alles was Früherkennung, Vorsorge und auch Therapie erreichen kann ist eine Verringerung von Krankheiten. Konkret: Es sterben weniger Menschen an einer bestimmten Krankheit oder es leben mehr Menschen länger.

Aber auch die beste Früherkennung und die besten Therapien verhindern nicht, dass wir letztlich sterben. Das sollte man sich immer mal klar machen - auch wenn es uns nicht gefällt.

Leider vermitteln Medien (und auch Therapeuten) oft das Gegenteil - und wecken damit Erwartungen, die sie enttäuschen müssen. zum Beitrag »
[28.11.2013, 23:39:37]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Kommentare sind dazu da,
seine freie Meinung zu äußern, und wenn möglich, mit nachvollziehbaren Argumenten zu untermauern. Aber nicht, um sich unqualifiziert "auszukotzen".

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[28.11.2013, 07:45:23]
Bernd Serr 
Hohn
Ich wünsche jedem Sachverständigen und dem Richter ein Prostatkarzinom,
daß Ihr Urologe übersieht!!  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »