Ärzte Zeitung online, 25.05.2017
 

Gesundheitswirtschaft

Ministerielle Warnung vor zu viel Ökonomie

ROSTOCK. Die Gesundheitswirtschaft in Deutschland glänzt mit Wachstumszahlen. Insbesondere das Gastgeberland der 13. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft, Mecklenburg-Vorpommern, profitiert davon. Dessen Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) freut sich zwar über die Entwicklung, warnte auf der Rostocker Konferenz aber auch vor einer zu einseitigen ökonomischen Ausrichtung des Gesundheitswesens.

"Das Gesundheitswesen darf nicht nur Effizienz- und Wachstumskriterien unterworfen werden. Wir brauchen Maß und Mitte", sagte Glawe am Mittwoch. Zuvor hatte er auf die volkswirtschaftliche Bedeutung hingewiesen, die die Branche für Deutschland, speziell aber für sein Bundesland inzwischen erlangt hat. An der Ostsee sind 150.000 Menschen im Gesundheitswesen und in der Gesundheitswirtschaft beschäftigt, 20 Prozent aller Erwerbstätigen in Mecklenburg-Vorpommern. Dies ist nach seinen Angaben der bundesweit höchste Anteil. Im Durchschnitt liege dieser Anteil in Deutschland bei 12,5 Prozent. Die Bruttowertschöpfung der Branche liege im Nordosten bei 15 Prozent, bundesweit bei zwölf Prozent.

Zum Problem könnte speziell für Mecklenburg-Vorpommern der hohe Fachkräftebedarf werden. Bei einem parallel zu beobachtenden Rückgang an Erwerbspotenzial suchen Gesundheitseinrichtungen und Unternehmen nach Beschäftigten, die steigende Anforderungen erfüllen sollen. "Sie müssen immer komplexere und wissensbasierte Aufgaben erfüllen", so Glawe.

In diesem Zusammenhang verwies der Minister auch auf die Digitalisierung, die in diesem Jahr im Mittelpunkt der zweitägigen Konferenz steht. Ein "Leuchtturmprojekt" in der Digitalisierung starten die Unimedizin Rostock und Siemens Healthcare mit einer digitalen Plattform, in die in der ersten Stufe bis Sommer 40.000 Patienten der Rostocker Uniklinik-Abteilungen eingebunden werden sollen. Damit sollen Brüche zwischen den derzeit noch 80 verschiedenen Systemen der einzelnen Kliniken und angebundenen MVZ überwunden werden. Perspektivisch ist auch die Einbindung der einweisenden Praxen vorgesehen. Vorbild ist die digitale Lösung in Österreich. (di)

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