Ärzte Zeitung, 05.06.2018

E-Health

Neue Gesundheitsakte bringt GKV und PKV zusammen

Rund 25 Millionen Kassen- und Privatversicherte können künftig eine neuartige E-Gesundheitsakte nutzen. Das neue Projekt sieht vor, dass die Versicherten all ihre Daten und Dokumente mittels App selbst verwalten können.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Neue Gesundheitsakte bringt GKV und PKV zusammen

Eine Gesundheitsakte mit dem Potenzial einer persönlichen Gesundheitsassistentin wollen jetzt DAK, Allianz und Co anbieten.

© lucadp / stock.adobe.com

BERLIN. Das hat schon Wucht: Auf bis zu 25 Millionen Menschen in Deutschland zielt die Gesundheitsakte, die Krankenkassen und Krankenversicherungen unter Führung von DAK-Gesundheit und Allianz künftig ihren Versicherten anbieten wollen.

Die Akte war auf GKV-Seite von dem krankenkassennahen IT-Dienstleister Bitmarck Ende 2017 ausgeschrieben worden. Am 8. Mai erhielt das Unternehmen Vivy den Zuschlag.

Damit können Versicherte von DAK, IKK Classic, Bahn-BKK und anderen Kassen, die mit Bitmarck-Programmen arbeiten, künftig die mobile Gesundheitsakte nutzen. Die jeweilige Krankenkasse bezahlt dafür.

Mehr als Dokumentenspeicher

Die Gesundheitsakte, die jetzt in Berlin von Vivy-Gründer Christian Rebernik vorgestellt wurde, bietet – in einem Rechenzentrum in Frankfurt – zum einen die Möglichkeit, Dokumente aller Art zu speichern.

Diese Dokumente kann der Patient selbst einstellen, sie sollen aber auch von Ärzten per Fax und über die neue Patientenschnittstelle von KV-Connect zur Verfügung gestellt werden können.

Die Gesundheitsakte kann außerdem den Barcode des bundeseinheitlichen Medikationsplans sowie von Medikamentenschachteln auslesen und ein entsprechendes Medikationsverzeichnis erstellen.

Patientenseitig gibt es Funktionen, die bei der Interpretation von Laborwerten unterstützen und Sensordaten aus Wearables sowie unterschiedliche Fragebögen nutzen, mit dem Ziel, den Patienten einen elektronischen Gesundheits-Check anzubieten.

"Wir wollen die Versicherten unterstützen und geben Ihnen Feedback zu Lebensstil, Ernährung, Bewegung, Schlaf und geistiger Leistungsfähigkeit", so Rebernik.

Er betonte auch, dass alle Tools für Barrierefreiheit unterstützt würden, die iOS und Android anbieten. "Die größte Chance, die mit unserer Gesundheitsakte verbunden ist, ist eine Veränderung der Rolle des Patienten", betonte DAK-Gesundheit-Vorstand Andreas Storm. "Wir wollen den mündigen Patienten, der in der Lage ist, sich selbst zu managen."

Ein Alleinstellungsmerkmal der neuen Akte ist die Einbindung der PKV. Neben der Allianz sind Barmenia, Gothaer und Süddeutsche dabei. Die Dachgesellschaft Allianz SE ist als Investor mit 70 Prozent an Vivy beteiligt.

Kooperationen in viele Richtungen

Die Vorstandsvorsitzende der Allianz PKV, Dr. Birgit König, betonte, dass die große Zielgruppe es für Leistungserbringer attraktiv mache, mit Vivy zu arbeiten. Ähnlich wie bei der (sehr ähnlichen) Akte der Techniker Krankenkasse soll es Kooperationen geben.

Als Partner genannt wurden unter anderem die IT-Anbieter Samedi und DocCirrhus sowie Median, Sana, Meoclinic und Amedes. Zur Art und Umfang der Zusammenarbeit äußerte sich Rebernik aber nur schwammig.

Ebenfalls offen ist, wie sich die DAK-/Allianz-/Bitmarck-Akte zu der E-Patientenakte nach Paragraf 291a Sozialgesetzbuch V verhält, deren erster Entwurf von der gematik gerade vorgelegt wurde. Hier laufen derzeit Gespräche unter Moderation des Bundesgesundheitsministeriums.

Davon, die Vivy-Akte in eine Akte nach Paragraf 291a umzuwandeln, hält Bitmarck-Geschäftsführer Andreas Strausfeld allerdings wenig: "Uns schwebt eher eine Anbindung an das elektronische Patientenfach vor", so Strausfeld auf Nachfrage der "Ärzte Zeitung". Das deckt sich mit den Vorstellungen der TK.

Die Gematik-Spezifikation gibt so etwas in ihrer derzeitigen Form jedoch nicht her. Alternativ könnten die Inhalte der 291a-Akte und damit des Patientenfachs von Patienten, die das möchten, manuell heruntergeladen und dann in die Gesundheitsakten der Kassen eingestellt werden.

Das wäre mit dem gematik-Entwurf kompatibel, sofern der Patient sich ein Kartenlesegerät zulegt. Ohne Lesegerät geht es nur, wenn die Politik einige Rahmenbedingungen ändert.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Miteinander wär' besser

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