Ärzte Zeitung, 30.06.2008

ANLAGE-KOLUMNE

Reale Erträge statt Inflationsangst

Die Kreditkrise entlässt die Märkte nicht aus ihrem Griff. Angesichts der schwächelnden Konjunktur und gleichzeitig rapide steigender Verbraucherpreise wird die Sicherung realer Erträge immer wichtiger: Anlagen, die vor Inflation schützen, sollten im Depot nicht fehlen.

Von Gottfried Urban

Dem Dax ist vorerst wieder die Puste ausgegangen. Die fortgesetzte Schwäche des US-Konsums und die spürbare Verlangsamung der Konjunktur im Euroraum hinterlässt ihre Spuren - in der Gewinnentwicklung der Firmen wie auch in der Stimmung der Anleger.

Zugleich steckt die Europäische Zentralbank (EZB) in einem Dilemma: Aus Rücksicht auf die Konjunktur würde sie die Leitzinsen wohl nur zu gerne senken. Indes, die Geldentwertung beschleunigte sich im Mai auf 3,6 Prozent. EZB-Präsident Trichet deutete sogar eine Zinserhöhung an. Ein zweifelhaftes Mittel: Denn Schuld am Preisschub sind Energie- und Nahrungsmittelpreise. Diese lassen sich aber nur begrenzt mit Zinserhöhungen bekämpfen, da ja vor allem die Nachfrage aus den Schwellenländern die Preise treibt.

Nach langer Zeit keimt neuerdings die Inflation rund um den Globus wieder auf - und schmälert die realen Erträge: Werden heute 10 000 Euro unverzinst angelegt, so blieben bei einer konstanten Inflationsrate von drei Prozent nach zehn Jahren 7602 Euro übrig - in heutiger Kaufkraft. Anders ausgedrückt: Die ersten drei Prozent des jährlichen Ertrags verschlingt die Inflation. Lang laufende Bundes- oder auch US-Anleihen bieten mit 4,6 und 4,25 Prozent bei zehn Jahren Laufzeit magere reale Renditen. Nach Steuern erleiden Anleger vielfach einen Vermögensverlust.

Insofern wird es immer wichtiger, die reale Rendite zu sichern. Dazu stehen inzwischen mehrere Instrumente zur Verfügung. Multi-Asset-Klassen-Fonds, die auf reale Werte wie Immobilien, Rohstoffe und Aktien setzen, sollten einen wesentlichen Teil in der Altersvorsorge ausmachen. Reale Investments passen sich der Preisentwicklung weitgehend an und sind eine hervorragende Diversifikation. Laut einer Umfrage planen viele Institutionelle, ihre Engagements gerade hier zu erhöhen.

Inflationssicherheit ist vor allem bei der Ruhestandsplanung ein Thema. Beispielhaft seien hier gute offene Immobilienfonds genannt, die auch in den nächsten Jahren steuerlich begünstigt etwa vier bis fünf Prozent erzielen. Sie bieten über die Mietindexierung und die Investition in Grund und Boden einen hervorragenden Inflationsschutz. Sie stabilisieren das Depot und eignen sich auch für Entnahmepläne. Anleger sollten sich nicht täuschen lassen, mit Zinspapieren wird man in der Nachsteuerbetrachtung die nächsten Jahrzehnte keinen Inflationsausgleich erzielen können. Besonders wichtig ist es deshalb, in der langfristigen Geldanlage mit realen Anlagewerten zu arbeiten.

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