Ärzte Zeitung, 08.09.2008

Anlagenkolumne

Bei extremen Stimmungen ist höchste Vorsicht angesagt

Wer an der Börse gegen den Trend gewinnen will, hat meist schlechte Karten. Es gibt aber auch Ausnahmen von dieser Regel.

Von Jens Ehrhardt

Eine der wichtigsten Börsenregeln lautet: "Folge dem Trend". Antizyklisches Handeln ist dagegen nur an den Extrem- oder Wendepunkten zu empfehlen. Das Gegenteil aller anderen Anleger zu tun ist meist nur in Phasen gefragt, die durch extreme Stimmungsbilder geprägt sind. Größter Optimismus unter den Anlegern ist meist der Vorbote einer Wende nach unten. Höchster Pessimismus bildet dagegen oft eine solide Basis für eine Erholung der Aktienkurse.

Solange keine extremen Stimmungsbilder zu beobachten sind, setzen Anleger in aller Regel besser auf bestehende Trends an den Börsen. Sie dauern oft länger an, als von den meisten Investoren erwartet.

Eine Methode, auf starke Trends zu setzen, ist die Aktienauswahl nach der "relativen Stärke". Relativ stark bedeutet dabei, dass sich der Kurs einer Aktie über einen längeren Beobachtungszeitraum konstant besser entwickelt als ein vergleichbarer (Branchen-)Index.

Das Prinzip beruht unter anderem auf dem Vertrauen in die Effizienz der Märkte, wonach alle Informationen sich bereits dann auf die Kurse auswirken, wenn sie noch nicht für alle Marktteilnehmer sichtbar sind. So werden die fundamentalen Tatsachen, die einen Kursanstieg rechtfertigen (zum Beispiel steigende Auftragseingänge eines Unternehmens), häufig nachgeliefert.

Stimmen die Nachfragetrends für die Produkte eines Unternehmens, so schlägt sich dies nach und nach auch in steigenden Gewinnen und Aktienkursen nieder. Zunächst lösen nur vereinzelte Anleger, oft auch Insider, die relative Stärke einer Aktie aus, bevor mehr und mehr Anleger auf den fahrenden Zug aufspringen.

Zumeist sind diese relativ starken Aktien fundamental nicht besonders günstig bewertet, weshalb es einer gewissen Überwindung bedarf, sie zu kaufen. Ein zentrales Warnsignal für diese Aktienkategorie ist das Nachlassen der Dynamik, mit der sich die Aktien besser bewegt, als der Vergleichsindex.

Um die Risiken dieser Strategie zu begrenzen, setzt man Stop-Loss-Marken, die bei einem Rückgang der Kurse einen automatischen Verkauf der Aktien auslösen. Bei steigenden Kursen ist es ratsam, diese Stop-Loss-Marken regelmäßig nachzuziehen, zum Beispiel auf ein Niveau fünf Prozent unterhalb des jeweils aktuellen Aktienkurses. In jedem Fall sollte man bei dieser Strategie bei fallenden Kursen konsequent verkaufen.

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