Ärzte Zeitung, 07.11.2008

Aktien bieten jetzt Potenzial für risikobereite Anleger

In Kürze greift die Abgeltungssteuer. Doch noch bleibt Zeit, sich darauf vorzubereiten. Dabei könnte sich die Finanzkrise als günstiger Zeitpunkt für den langfristigen Vermögensaufbau entpuppen. Die "Ärzte Zeitung" zeigt in einer Serie, auf was zu achten ist. Thema heute: Wie man sich mit Aktien und Fonds dauerhaft die Steuerfreiheit sichert.

Von Jürgen Lutz

Aktien und Investmentfonds gelten als die Verlierer der Abgeltungssteuer. Das trifft auf den größten Teil der Anleger zu, der beide Anlagearten zum langfristigen Vermögensaufbau nutzt. In der Tat steht künftig schlechter da, wer diese Papiere mehr als ein Jahr im Depot hält. Denn: Ab dem 1. Januar 2009 fällt beim Verkauf von Wertpapieren die 25-prozentige Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer an, sofern der Freibetrag von 801 Euro pro Person ausgeschöpft ist - egal, wie lange die Papiere im Depot liegen. Auf Kursgewinne von Aktien, Anleihen und Fonds zahlen Anleger dann mindestens 26,38 Prozent Steuern. Bislang sind Kursgewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei.

Sollten Anleger also Aktien meiden? Scheinbar spricht einiges dafür: So hat die Finanzkrise deutlich gezeigt, dass diese Papiere schnell und erheblich an Wert verlieren können. Wenn auf Kursgewinne auch noch Steuern anfallen, reduziert sich der Anreiz, Aktien zu kaufen, weiter. Zudem hat sich die Situation bei den Dividenden verschlechtert: Diese müssen ab 2009 komplett versteuert werden und nicht, wie bisher, nur zur Hälfte.

Oliver Voigt von der Wiesbadener Vermögensverwaltung Habbel, Pohlig und Partner hält den generellen Verzicht auf Aktien dennoch nicht für sinnvoll: "Nach den Zahlen des Deutschen Aktieninstituts bringen Aktien auf lange Sicht die besten Renditen", sagt Voigt. In der Tat macht das Rendite-Dreieck des Aktieninstituts deutlich: In jedem beliebigen 30-Jahres-Zeitraum zwischen 1948 und 2008 erzielten Dax-Aktien zumindest eine jährliche Durchschnittsrendite von 6,4 Prozent. Die höchste jährliche Durchschnittsrendite in diesen 30-Jahres-Phasen belief sich auf 14,5 Prozent. Damit wurden aus 100 000 Euro schlimmstenfalls 643 000 Euro - und im besten Fall 5,8 Millionen.

Auf lange Sicht bringen Aktien Rendite

Je kürzer der Zeitraum, desto größer die Schwankungen und desto größer die Gefahr, dass die Rendite nicht befriedigend oder sogar negativ ausfällt. So brachte es der Dax in jedem 20-Jahres-Zeitraum in den vergangenen 60 Jahren wenigstens auf eine jährliche Durchschnittsrendite von 0,9 Prozent und bestenfalls auf durchschnittlich 21 Prozent pro Jahr. Aber: Wer nur fünf Jahre dabei blieb, konnte jährlich bis zu 9,4 Prozent verlieren.

Voigt ist sich daher sicher: Anleger, die noch Jahrzehnte für die Vermögensbildung vor sich haben, sollten auf Aktien nicht verzichten. Für ein Investment, entsprechend der eigenen Risikobereitschaft, spricht zudem, dass der Gesetzgeber für Aktien und Fonds einen Bestandsschutz ausgesprochen hat: Wer Aktien oder Fonds vor dem 1. Januar 2009 erwirbt, kann die Kursgewinne beim Verkauf der Papiere steuerfrei einstreichen, wenn die Papiere mindestens ein Jahr lang im Depot lagen.

"Das Gesetz ermöglicht es 2008 zum letzten Mal, sich dauerhaft die Steuerfreiheit auf Kursgewinne zu sichern", sagt Rolf Kazmaier von der Vermögensverwaltung Stuttgart. Besonders lohnend werde ein Investment, das 15, 20 oder 25 Jahre lang nicht verkauft wird. Denn dann arbeiten zwei mächtige Kräfte für den Anleger: Je länger die Anlagedauer, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktien eine ordentliche Rendite erwirtschaften. Und: Es fallen keine Steuern an, die den Ertrag schmälern würden.

Doch welche Produkte eignen sich, um dieses Ziel zu erreichen: Aktien, Aktienfonds oder Dachfonds? Einzelne Aktien könnten die großen Verlierer der Abgeltungssteuer sein. Denn "es ist wahrscheinlicher, dass man mit einer einzelnen Aktie eine Niete zieht als mit einem gut diversifizierten Fonds - was Fonds vermutlich interessanter macht", sagt Helmut Knestel von der Vermögensverwaltung German Capital Management AG. Das gilt zumindest für Anleger, die sich nicht permanent mit dem Thema beschäftigen wollen.

Geeigneter erscheinen deshalb Aktienfonds. Hier müssen Anleger die Wahl treffen zwischen Fonds mit aktiver Vermögensverwaltung oder Indexfonds, die ein Aktienbarometer wie Dax oder Euro Stoxx 50 eins zu eins abbilden. Indexfonds haben geringere Verwaltungskosten und oft eine höhere Rendite als aktiv verwaltete Produkte. Im Gegenzug verzichten Anleger, die einen Indexfonds kaufen, auf die Chance, besser abzuschneiden als der Index.Wer auf Fonds mit aktivem Management schwört, hat die Wahl zwischen Dachfonds und Multi-Asset-Fonds. Die größere Anlagefreiheit haben Multi-Asset-Fonds, denn sie können, anders als Dachfonds, in alle Anlageklassen investieren.Zum anderen dürfen sie nicht nur Einzelfonds, sondern auch Einzelaktien und Zertifikate erwerben. Die Risikostreuung ist bei einem solchen auch Super-Fonds genannten Produkt effektiver als bei einem reinen Aktien-Dachfonds, denn er kann auch komplett aus den Märkten aussteigen, wenn sich keine Chancen bieten.

Fondsmanager ist der Schlüssel zum Erfolg

Ob der Anleger von den Möglichkeiten profitieren kann, hängt vom Fondsmanager ab. Der muss auf der Klaviatur der Anlage-Instrumente virtuos spielen können, um auf der Rendite-Seite zu punkten. Anleger, die sich für einen Multi-Asset-Fonds oder einen Dach-Fonds entscheiden, sollten darauf achten, dass die Gebühren zwei Prozent nicht übersteigen. Zudem raten Verbraucherschützer zum Blick ins Portfolio der Fonds: Je mehr Gesellschaften mit ihren Produkten vertreten sind, desto unabhängiger ist der Fonds.

Megatrends in der Anlage

Wer sein Geld richtig langfristig anlegen möchte, sollte in Trends investieren, die nicht in ein paar Jahren von einer anderen Modeerscheinung abgelöst werden - das meint Wolfgang Krappe, Vorstand der Frankfurter Vermögensberatung Capitell AG. Solche Megatrends sind nach Ansicht von Krappe:

Demografie, Teil 1:

In aufstrebenden Ländern wie China oder Indien wächst die Bevölkerung kräftig - und mit ihr der Hunger nach Rohstoffen aller Art. Zudem schafft die Globalisierung Wohlstand in den Schwellenländern und damit den Wunsch nach mehr Konsum.

Demografie, Teil 2:

In Europa altert die Bevölkerung. Das bedeutet eine deutlich steigende Nachfrage in den Bereichen Gesundheit, Wellness, Wohnen und Freizeit.

Infrastruktur:

Durch die Industrialisierung der Schwellenländer wird es beim Bau von Straßen, Flughäfen, Schulen, Krankenhäusern oder Kanälen für die Wasserversorgung große Nachfrage geben.

Energie/Klimawandel:

Auch im Trend liegen Erzeugung von Biotreibstoff und von Strom aus erneuerbaren und umweltfreundlichen Energien wie Wind und Sonne.

Fonds

Fonds sind Sondervermögen. Sie müssen vom Vermögen der Investmentgesellschaft getrennt gehalten werden und haften nicht für deren Schulden. Das bedeutet: Es gibt kein Emittenten-Risiko. Dies gilt für aktiv verwaltete Fonds und für viele Indexfonds. Bei Indexfonds fallen keine zu versteuernden Dividenden, sondern nur Kursgewinne (steuerfrei beim Kauf im Jahr 2008) an. Nachteil: Der Fonds weist ein Emittenten-Risiko auf.

Fragen zur Abgeltungssteuer?

Wen kurz vor Jahreswechsel noch Fragen zur Anlagestrategie umtreiben, dem stehen zwei Experten unserer kostenlosen Hotline zur Seite. Der Service ist offen für alle registrierten Mitglieder medizinischer Fachkreise. Klicken Sie sich weiter zu den "Foren":

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