Ärzte Zeitung, 02.12.2009

Karstadt-Pleite tangiert auch Fonds-Anleger

Die Krise der Warenhäuser könnte Anlegern geschlossener Shoppingcenter-Fonds in den kommenden Jahren die Renditen verhageln. Das ist das Fazit neuer Studien.

Von Richard Haimann

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Manche Karstadt-Filialen werden geschlossen. Für den einen oder anderen geschlossenen Immobilienfonds bedeutet das Mietausfälle.

Foto: imago

NEU-ISENBURG. Zwei Drittel der rund 200 Karstadt- und Kaufhof-Warenhäuser werden nach Einschätzung des Handelsexperten Jörg Funder in den kommenden fünf Jahren schließen müssen. Nur in Städten mit mehr als 200 000 Einwohnern könnten sich die Warenhäuser künftig noch gegen Billiganbieter und Spezialisten behaupten, sagt der Professor der Fachhochschule Worms.

Trifft die Prognose zu, müssen sich Anleger geschlossener Shoppingcenter-Fonds auf Mietausfälle und teure Umbaumaßnahmen einstellen. Geschlossene Fonds sind neben der zur Otto-Familie gehörenden ECE und der Multi Development Germany, eine Tochter der niederländischen Multi Corporation, die größten Eigentümer von Einkaufszentren in Deutschland.

Warenhäuser wie Karstadt spielen als Ankermieter eine entscheidende Rolle für die Attraktivität eines Einkaufszentrums, sagt Werner Altenschmidt von der auf Einzelhandelsimmobilien spezialisierten Beratungsgesellschaft Kemper's Jones Lang LaSalle (KJLL). "In der Regel erfordert der Wegfall eines Warenhauses eine umfangreiche Neukonzeptionierung der Fläche", zeigt Altenschmidt jetzt in einer Studie auf.

Die bislang von einem Warenhaus angemieteten Bereiche in einem Shoppingcenter müssten umgebaut und in kleinere Verkaufsflächen aufgeteilt werden, um neue Mieter zu finden. Mit einer Durchschnittsgröße von 10 500 Quadratmetern seien die von Karstadt in Einkaufszentren angemieteten Flächen selbst für Elektronikmärkte zu groß, um komplett neu vermietet werden zu können, sagt Altenschmidt. Die von der zum Metro-Konzern gehörenden Kaufhof-Kette angemieteten Flächen sind mit durchschnittlich 13 000 Quadratmetern sogar noch größer.

Altenschmidts Einschätzung bestätigt ECE-Sprecher Christian Stamerjohanns. Das Hamburger Elbe-Einkaufszentrum der ECE ist von der Karstadt-Pleite betroffen. Der Standort gehört zu jenen sechs Warenhäusern, die Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg 2010 schließen will. Bei elf weiteren Häusern läuft noch die Prüfung.

Karsten Burbach von der Beratungsgesellschaft CB Richard Ellis (CBRE) kalkuliert bei Centerumbauten mit Kosten von bis zu 1000 Euro je Quadratmeter: "Laden- und Passantenflächen sowie Anlieferungsmöglichkeiten und die Fluchtwege für Notfälle müssen neu aufgeteilt und gestaltet, die Haustechnik getrennt werden." Bei der genannten durchschnittlichen Karstadt-Fläche würden damit Investitionskosten von bis 10,5 Millionen Euro in einem Center anfallen. Geschlossene Immobilienfonds müssten in diesem Fall zusätzliche Kredite aufnehmen oder ihre Anleger um Nachschüsse angehen, um die Umbauten zu finanzieren. Zudem würden sich die Mieteinahmen während der Umbauphase deutlich verringern, da Mieter wie Karstadt bislang bis zu 30 Prozent der Flächen in einem Einkaufszentrum in Beschlag nehmen.

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