Ärzte Zeitung, 24.10.2011

Anlagen-Kolumne

Vogel-Strauß-Prinzip ist für Anleger weiter nicht angesagt

Schulden, Schulden, Schulden: Wohin Anleger derzeit auch blicken, sie sehen kaum Hoffnungsschimmer für ihr Depot. Der einzige Ausweg bleibt die Diversifizierung.

Von Gottfried Urban

Vogel-Strauß-Prinzip ist für Anleger weiter nicht angesagt

Die durchschnittliche Schuldenquote der Euroländer liegt bei knapp 88 % der Wirtschaftsleistung. Indes, auch wenn einzelne Länder ins Straucheln geraten, eine breite staatliche Insolvenzwelle scheint schwer vorstellbar. Die Politik wird alle Tricks ausreizen, um den Crash abzuwenden.

Es ist noch nicht einmal drei Monate her, dass die größte Volkswirtschaft der Welt vor dem Abgrund zu stehen schien, denn Anfang August drohte den USA die Zahlungsunfähigkeit.

In letzter Minute haben sich Republikaner und Demokraten im Kongress auf einen Kompromiss geeignet und die Schuldenobergrenze für den Bundeshaushalt angehoben, was eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA zur Folge hatte. Passiert ist nichts.

Man hätte eine Flucht aus US-Staatsanleihen erwartet. Doch das Gegenteil ist der Fall. Investoren aus der ganzen Welt sehen in US-Bonds weiter den sicheren Hafen.

Das ist durchaus rational: Denn was für einzelne systemrelevante Banken gilt, trifft auch für die großen Volkswirtschaften zu - sie sind "too big to fail". Es ist kaum vorstellbar, dass die größte Wirtschaftsmacht der Welt insolvent wird.

Zur Not wird die US-Notenbank so viele Dollar drucken, wie die US-Regierung zur Begleichung ihrer Rechnungen benötigt. Das wissen auch die Investoren.

Ähnlich liegt der Fall auch in Euroland. Unter dem Einfluss der Finanzkrise und auf massiven Druck der Politik ist die Europäische Notenbank zu einer "Bad Bank" mutiert. Längst geht es nicht mehr um Preisstabilität, sondern um das Überleben des Finanzsystems.

Dass Sparappelle in einer Demokratie nicht populär sind, kann man gerade in der ältesten Demokratie der Welt besichtigen - der Druck auf Athens Straße schwillt Tag für Tag an. Da scheint jedes Mittel legitim. Der "Rettungsschirm" ist nicht groß genug?

Egal, dann wird er eben "gehebelt". Heute, inmitten der größten Finanzkrise, die die Menschheit bislang gesehen hat, liegen die US-Zinsen bei 2 %  - trotz einer Verschuldungsquote von über 100 %.

Was bedeutet das für die Anleger? Der Zins wird auf lange Zeit niedrig bleiben, und die Inflation wird das Zinsniveau dauerhaft übersteigen. Bei den meisten Staatspapieren dürfte unter dem Strich sogar ein negativer Realzins stehen.

Wem das zu wenig ist, der muss bereit sein, höhere Risiken in Kauf zu nehmen. Der einzig sinnvolle Weg besteht in Sachinvestitionen - in eine breite Mischung aus Immobilien, Grund und Boden, Wald, Gold und Aktien.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wenn Einsamkeit krank macht

Ein Alterspsychotherapeut warnt: Ältere Männer sind besonders häufig suizidgefährdet. Einsamkeit ist ein Grund dafür. mehr »

Diabetes-Experten sind besorgt

Schon bald könnten mehr Lebensmittel "schlechten Zucker" enthalten. Für die Industrie wird der Einsatz von Isoglukose profitabler. mehr »

PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

Wird es mit der neuen GOÄ erschwert, Privatpatienten neue Leistungen anzubieten? Vom PKV-Verband kommt dazu ein klares Dementi. mehr »