Ärzte Zeitung, 12.05.2014

Geldanlage

Übernahmeschlachten wecken Kursfantasien

Zahlreiche Pharma- und Elektronikkonzerne wollen wieder Mitbewerber aufkaufen. Anleger können von dem Trend profitieren.

Von Richard Haimann

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Bis eine Firmenübernahme klappt, müssen viele Hebel in Bewegung gesetzt werden.

© freshidea/fotolia.com

NEU-ISENBURG. Unternehmen liefern sich wieder massive Übernahmeschlachten an den Börsen. Anleger können davon profitieren - wenn sie die richtigen Aktien auswählen.

106 Milliarden US-Dollar bietet der amerikanische Pharmakonzern Pfizer für den britischen Wettbewerber AstraZeneca. Der kanadische Arzneimittelhersteller Valeant will für 47 Milliarden US-Dollar den Botox®-Produzenten Allergan in den USA aufkaufen. Um den französischen Elektronikkonzern Alstom buhlen Siemens und der US-Mitbewerber General Electric.

Fünfeinhalb Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise sind die Kriegskassen vieler Konzerne wieder gut gefüllt. "Unternehmen weltweit haben ihre Gewinne in den vergangenen Jahren erfolgreich behauptet", sagt Paras Anand, Chefstratege für europäische Aktien bei der Investmentgesellschaft Fidelity.

"Jetzt haben sie überschüssige Liquidität in ihren Bilanzen." Dieses Geld wollten sie nun nutzen, um Mitbewerber zu übernehmen und so ihre Marktanteile auszubauen.

Die aktuellen Übernahmeschlachten seien erst der Beginn eines neuen Trends, meint Anand. "Die Zahl der strategischen Übernahmen und Fusionen wird noch weiter zunehmen." Vor allem US-Konzerne und chinesische Unternehmen dürften versuchen, "europäische Unternehmen zu schlucken", um deren Technologie und Kunden zu gewinnen.

Bieterwettstreit lässt Kurse steigen

In der Regel lassen Übernahmeschlachten die Börsenkurse der Konzerne steigen, die aufgekauft werden sollen. Die Alstom-Aktie gewann seit Beginn des Bieterwettstreits Ende März mehr als 40 Prozent. Hingegen fiel die Siemens-Notierung um fünf Prozent.

Die Aktie von General Electric legte gegen den Trend an den US-Börsen seither kaum zu. "Kurzfristig orientierte Börsianer setzen darauf, dass die Interessenten einander zu überbieten versuchen. Daher kaufen sie die Aktien der Übernahmekandidaten und treiben deren Kurs damit in die Höhe", erläutert Dieter Thomaschowski, Inhaber des Analysehauses Thomaschowski Research & Advisory.

"Hingegen stoßen sie die Papiere der Kaufinteressenten ab, weil sie fürchten, dass diese am Ende einen zu hohen Preis zahlen."

Für Privatanleger, die - wie Ärzte - keine Zeit haben, täglich das Börsengeschehen zu verfolgen, ist es deshalb nicht sinnvoll in einer laufenden Übernahmeschlacht noch auf die Aktie der Kaufkandidaten zu setzen.

"Wenn der Deal durch ist, können deren Kurse schnell wieder fallen", sagt Thomaschowski. Sinnvoll könne es stattdessen sein, anschließend in die Aktie jenes Konzerns zu investieren, der im Bieterverfahren unterlag. Denn deren Börsenkurs erhole sich anschließend in der Regel langsam, aber stetig.

Deutsche Bank-Analyst Martin Wilkie hingegen empfiehlt schon jetzt, bei der gefallenen Siemens-Aktie zuzugreifen, obwohl noch nicht klar ist, ob die Münchner bei Alstom zum Zuge kommen oder nicht.

Börsianer-Lob für Spartentausch

"Das Interesse des Energiekonzerns an seinem Konkurrenten ist ein klares Zeichen, dass Siemens sein Energiegeschäft ausbauen will." Langfristig werde der Konzern damit seinen Ertrag steigern können.

Stratege Anand wiederum sieht bei Aktien jener Konzerne Chancen, deren Geschäftsmodelle nicht leicht zu replizieren sind. An ihnen dürften Aufkäufer aus China und den USA besonders interessiert sein. Zudem könne sich der Einstieg in Aktien von Unternehmen lohnen, die durch den Kauf oder Verkauf von Teilbereichen ihr Geschäftsfeld stärker fokussieren.

Ein Beispiel dafür sei Novartis, sagt der Fidelity-Stratege: "Der Schweizer Pharmahersteller hat gerade seine Impfstoffsparte gegen das Krebsmittelgeschäft von GlaxoSmithKline getauscht und den Geschäftsbereich Tiergesundheit an den US-Mitbewerber Eli Lilly verkauft."

Börsianer feierten den Deal: Die Novartis-Aktie legte seither trotz der Ukraine-Krise um mehr als drei Prozent zu. Die Börsennotierung von Eli Lilly blieb stabil, der Kurs von GlaxoSmithKline gab nur minimal nach.

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