Ärzte Zeitung online, 22.05.2017
 

Anlagenkolumne

ETF ja, aber nicht mit dem Tunnelblick!

Von Jens Ehrhardt

Börsengehandelte Indexfonds (ETF) erfreuen sich bei privaten Anlegern zunehmender Beliebtheit. In den vergangenen zwanzig Jahren ist der Marktanteil von ETF in den USA von unter einem auf etwa 30 Prozent gestiegen. Dieser Trend hat sich seit der Finanzkrise ab 2009 noch beschleunigt. Beim passiven Investieren über ETF bildet der Fondsmanager die Entwicklung eines ganzen Marktes so ab, dass der Anleger in einem Wertpapier die Wertentwicklung des Indexes erhält.

Passive Investoren unterstellen, dass unterm Strich viele Unternehmen im Index sind, die sich gut entwickeln und insbesondere große Marktführer ihre Position verteidigen. Das funktioniert aber nur, wenn es auch genug aktive Investoren und Analysten gibt, die sich mit den Unternehmen beschäftigen. Denn sie überprüfen Unternehmen vor Ort, sammeln Marktdaten, analysieren sie und sorgen für eine korrekte Preisfindung. Aktive Investoren ermitteln so die produktivsten, innovativsten und aussichtsreichsten Firmen, um diese zu finanzieren. Die Aktienindizes, insbesondere an der US-Börse, sind fast ununterbrochen gestiegen – ein Umfeld, wie gemacht für ETF, die jederzeit zu 100 Prozent investiert sind und per definitionem dem Trend folgen. Die Indizes investieren das Vermögen oft nach der Marktkapitalisierung von Unternehmen. Deswegen wird in große Unternehmen unabhängig von den Geschäftsaussichten oder der Bewertung mehr Geld investiert als in kleine.

Das führt auf längere Sicht zu einer enormen Konzentration der Gelder. Das eigentliche Ziel, eine breite Diversifizierung mittels Indexfonds zu erreichen, wird unter Umständen so konterkariert. Gewollt oder nicht, ETF-Investoren verhalten sich überwiegend pro-zyklisch. Das geht meist solange gut, wie der Aufwärtstrend anhält, ist aber im Grunde ein Fahren mit Blick in den Rückspiegel. Privatanleger sollten dies stets bedenken.

Der unabhängige Fondsmanager Dr. Jens Ehrhardt erreicht mit seinen Fonds immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

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