Ärzte Zeitung online, 25.08.2017
 

Kindergeld anlegen

ETF als Polster für den Nachwuchs?

Mit der richtigen Anlage können Eltern aus der staatlichen Förderung Vermögen für ihren Nachwuchs schaffen. Bei der Auswahl sollten sie aber genau rechnen.

Von Richard Haimann

ETF als Polster für den Nachwuchs?

Als finanzielle Starthilfe wählen Eltern oft das Bausparen und vergessen den Blick auf Alternativen.

© kathrinm - stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Die Bundesregierung unterstützt Familien großzügig mit dem Kindergeld: Seit Beginn dieses Jahres gibt es für jeden Sprössling monatlich mindestens 192 Euro, für das dritte Kind sind es 198 Euro und für jedes weitere sogar 223 Euro. Ärzte mit ausreichendem Einkommen können die staatliche Leistung daher nutzen, um Vermögen für ihren Nachwuchs aufzubauen.

In sehr vielen Fällen wählen die Eltern dabei Bausparverträge, um ihren Kindern den Weg zur eigenen Immobilie zu ebnen. "Das ist jedoch nicht immer ein sinnvolles Investment, weil die Renditen viel zu niedrig sind", meint Günter Vornholz, Professor für Ökonomie an der EBZ Business School in Bochum.

Bausparverträge bestehen aus einer Anspar- und einer späteren Darlehensphase. Dabei wird nach der Sparphase der Gesamtbetrag ausgezahlt, wobei der noch nicht angesparte Teil des Betrags als Darlehen gewährt wird. Allerdings betragen die Zinssätze in der Darlehensphase häufig drei und mehr Prozent. "Sie liegen damit deutlich über dem Niveau heutiger klassischer Hypothekendarlehen", sagt Vornholz.

Abschlussgebühr ist fällig

Zwar muss angespartes Vermögen aus Bausparverträgen nicht zwangsläufig zum Immobilienerwerb verwendet werden. "Die Kinder können später auf das Darlehen verzichten und sich das angesparte Geld für andere Zwecke, etwa zur Finanzierung des Studiums auszahlen lassen", erklärt Max Herbst, Inhaber der Frankfurter Finanzberatung FMH.

Doch dann seien Bausparverträge erst recht kaum rentabel, da in der Ansparphase nur Zinsen von rund 0,25 Prozent gezahlt werden. "Dies ist zu wenig, um Vermögen aufzubauen", sagt Herbst. Zumal bei Unterzeichnung des Bausparvertrags eine Abschlussgebühr von einem Prozent der gesamten Bausparsumme fällig wird.

Würden monatlich die 192 Euro Kindergeld 20 Jahre in einen Bausparvertrag über insgesamt 50.000 Euro mit einem Sparzins von 0,25 Prozent investiert, bestehe am Ende ein Guthaben von 47.254,90 Euro, kalkuliert Herbst. "Davon stammen 46.080 Euro aus den Einzahlungen und nur 1174,90 Euro aus erhaltenen Zinsen."

Dem geringen Zinsertrag stehe die Abschlussgebühr von einem Prozent der Bausparsumme gegenüber. Bei 50.000 Euro sind dies 500 Euro. "Unter dem Strich beträgt die Gesamtrendite deshalb nur 674,90 Euro", rechnet Herbst vor.

"Deutlich höhere Erträge lassen sich hingegen erzielen, wenn das Kindergeld in einen ETF-Sparplan fließt", meint Herbst. Das Kürzel ETF steht für Exchange Traded Funds – börsengehandelte Indexfonds, die passiv einen Aktienindex nachbilden. Dadurch fallen keine Ausgabeaufschläge und nur geringe Verwaltungsgebühren an.

"Mit ETF können langfristig Renditen von vier und mehr Prozent pro Jahr erzielt werden", sagt Herbst. Damit schlagen die Indexfonds Bausparverträge deutlich. Selbst wenn das Kindergeld 20 Jahre lang in einen Exchange Traded Fund investiert würde, der nur auf eine durchschnittlichen Rendite von drei Prozent käme, beliefe sich der Gesamtgewinn auf 16.835,35 Euro – das 25-Fache des Bausparertrags.

Option für den Ruhestand

Ließen die Kinder nach diesen 20 Jahren das im ETF angesparte Kindergeld bis zu Beginn ihrer eigenen Rente im Indexfonds ruhen, könnten sie ihrem eigenen Ruhestand sorgenfrei entgegensehen, sagt André Kunze, geschäftsführender Gesellschafter der Prometheus Vermögensmanagement in Langenfeld. "Bei einer Durchschnittsrendite von drei Prozent beliefe sich die Gesamtsumme dann auf 252.409 Euro."

Damit könnten die Kinder ihre eigene Rente 20 Jahre lang jeden Monat um 1051 Euro aufstocken, rechnet Kunze vor. Erzielt der ETF eine Durchschnittsrendite von vier Prozent, betrage die spätere monatliche Zusatzrente im Alter sogar 1845 Euro pro Monat.

"Für diese Kindergeldrente ist nur Disziplin nötig", sagt Kunze. "Die Kinder müssen das Geld so lange im Fonds liegen lassen, bis sie selbst in Rente gehen."

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