Ärzte Zeitung online, 11.12.2017

Kapitalanlage

Ist der starke Euro Gift für die Aktienkurse?

Experten erwarten 2018 ein unruhiges Börsenjahr durch die Dollar-Schwäche – Qualitätsaktien bieten Anlegern Schutz bei Turbulenzen.

Von Richard Haimann,

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Steigt der Euro-Kurs, verteuert das Exporte.

© Solaris / Fotolia

NEU-ISENBURG. Die meisten Anleger vertrauen bei ihren Investmententscheidungen vor allem auf die Prognosen der Analysten zur künftigen Kursentwicklung von Aktien und Anleihen. Das zeigen Studien immer wieder. Vernachlässigt wird hingegen die Entwicklung des Wechselkurses vom Euro zum US-Dollar. Das sei ein großer Fehler, so Stephan Albrech, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie. "Der US-Dollar findet zu wenig Beachtung, obwohl er entscheidenden Einfluss auf die anderen Anlageklassen hat."

Ein wesentlicher Grund, weshalb es für in europäische Aktien investierte Anleger sinnvoll ist, auf die Entwicklung des Euro-Kurses zu achten: Die großen europäischen Konzerne erzielen einen erheblichen Teil ihrer Umsätze und Gewinne in Ländern außerhalb der europäischen Gemeinschaftswährung.

Steigt der Euro gegen den Dollar, verteuert dies die Exporte in die USA und andere Staaten mit Währungen, deren Kurse an den Dollar gekoppelt sind. Dies schmälert Absatz und Ertrag der europäischen Unternehmen. Das schlägt sich langfristig in der Kursentwicklung des deutschen Leitindexes Dax und des wichtigsten europäischen Indexes, des Euro Stoxx 50, nieder. "In vergangenen Phasen der Euro-Stärke kamen beide Indizes unter dem Strich kaum vorwärts", sagt Albrech.

Zyklisches Auf und Ab

In der Vergangenheit bewegte sich der Wechselkurs von Euro und Dollar in einem zyklischen Auf und Ab von jeweils acht Jahren. Jetzt scheint einmal mehr eine Phase der Euro-Stärke begonnen zu haben. Gegenüber dem US-Dollar ist die Gemeinschaftswährung in den vergangenen zwölf Monaten bereits um rund elf Prozent gestiegen. Dies hat zuletzt zu Kursrückgängen bei europäischen Aktien geführt. Der Dax hat von seinem bisherigen Allzeithoch von 13.478 Punkten Anfang November in der Spitze mehr als vier Prozent verloren. Steigt der Euro in den nächsten Jahren weiter, dürften "Portfolios mit europäischen Aktien kaum Freude machen", erklärt Albrech.

Frank Wieser, Geschäftsführer der Düsseldorfer PMP Vermögensmanagement, rechnet für 2018 ebenfalls "mit einem durchwachsenen Börsenjahr". Allein schon, weil die Aktienkurse in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. Dies könnte manche Investoren dazu verleiten, im kommenden Jahr Gewinne mitzunehmen. Dies könnte zu vorübergehenden Kursrückgängen führen. "Die Schwankungen an den Aktienmärkten werden zunehmen", sagt Wieser. Er rät deshalb, auf "qualitativ hochwertige Aktien" zu setzen. Dazu zählen große Konzerne wie Danone, Henkel und Unilever, die Lebensmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs produzieren.

Ebenfalls Gerhard Rosenbauer, Geschäftsführer der Münchner Vermögensverwaltung Avana Invest, empfiehlt, zu Aktien solcher werthaltiger Unternehmen zu greifen. "Sie werden sicherlich im Fall einer etwaigen Börsenkorrektur auch etwas im Kurs nachgeben – aber hinter ihnen stehen keine Bewertungsblasen." Deshalb würden deren Notierungen bei einer anschließenden Erholung der Aktienmärkte vergleichsweise schnell wieder zulegen.

Gold als Option

Anleger, die wegen des steigenden Euro-Kurses nervös sind, könnten zudem stärker in Gold investieren, meint Albrech. "In der Vergangenheit legte der Kurs in Phasen eines schwachen Dollars immer spürbar zu." Da Gold international in der US-Währung gehandelt werde, habe ein schwächerer Dollar regelmäßig zu einem höheren Dollar-Preis des Edelmetalls geführt. "Anleger aus dem Euro-Raum haben davon erst etwas, wenn der Goldpreis stärker steigt, als der Euro gegenüber dem Dollar zulegt", schränkt Albrech ein. "Dies war in der Vergangenheit aber meist der Fall."

Allerdings ist nicht sicher, dass die Euro-Stärke anhalten wird oder die Aktienmärkte im kommenden Jahr tatsächlich stärker als bisher schwanken werden. "Aktuell laufen die Börsen wegen der weltweit robusten Konjunktur sehr gut", sagt Lothar Koch, Leiter Portfoliomanagement bei der Düsseldorfer Vermögensverwaltung GSAM + Spee. "Daher ist die Wahrscheinlichkeit eines Rückschlags an den Börsen nicht gestiegen."

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