Ärzte Zeitung online, 13.03.2018

Kapitalanlage

Die Davids schlagen die Goliaths

Anleger konzentrieren sich häufig auf die Schwergewichte im Dax – doch kleinere Unternehmen können teils mit höheren Kursgewinnen glänzen.

Von Richard Haimann

Die Davids schlagen die Goliaths

Viele hoch spezialisierte, mittelständische Unternehmen versprechen hohe Gewinne.

© Matthias Buehner / Fotolia

NEU-ISENBURG. Er gilt als das Thermometer der deutschen Börsenlandschaft schlechthin: Der Deutsche Aktienindex Dax misst stetig die Fieberkurve der Kursentwicklung der 30 Wirtschaftskonzerne mit der höchsten Marktkapitalisierung im Land. Wenn Anleger breit gestreut auf die Wertentwicklung hiesiger Aktien setzen wollen, greifen sie häufig zu Indexfonds, die passiv die Kursentwicklung des Dax nachvollziehen. Doch Hubert Thaler, Vorstand der Starnberger Top Vermögen, glaubt nicht, dass diese Strategie künftig noch hohe Erträge bringt.

Zwar stelle der Software-Konzern SAP mit einem Anteil von fast zehn Prozent den größten Einzelwert im Index. Ansonsten seien aber fast nur altehrwürdige Unternehmen im Dax zu finden. "Siemens wurde bereits 1847 gegründet, der Chemie- und Pharmakonzern Bayer 1863, die Allianz 1890", sagt der Vorstand der Vermögensverwaltung. "Diese Traditionsunternehmen haben in der Vergangenheit zwar heftige Krisenzeiten gut überstanden." Deshalb böten sich Indexfonds auf den Dax durchaus als Basisinvestment an. Da diese ETF die Kursentwicklung passiv nachvollziehen und Fondsanteile nur über die Börse erhältlich sind, fallen zudem nur geringe Verwaltungsgebühren und keine Ausgabeaufschläge an.

Hohe Investitionen belasten

Doch um künftig überdurchschnittliche Renditen zu erzielen müssten Anleger weitere Werte in ihr Depot nehmen, sagt Thaler. "Echte bahnbrechende Neuerungen kommen eher von jungen Unternehmen." Diese versprächen hohes Wachstum und rasant steigende Gewinne. Die Dax-Konzerne könnten dies allein ob ihrer schieren Größe nicht schaffen. Aufgrund der immer kürzeren Innovationszyklen seien sie vielmehr gezwungen, "künftig erheblich höhere Investitionen als in der Vergangenheit" vorzunehmen, so Thaler. Diese Ausgaben würden aber die Gewinne schmälern. Deshalb sei es wenig wahrscheinlich, dass der Dax wie seit 2013 weiterhin um rund neun Prozent pro Jahr steigen wird, sagt der Vorstand. "Realistischer für die Kalkulation sind künftig eher fünf Prozent im Jahr." Dabei müssten Anleger zudem berücksichtigen, dass der Dax als Performance-Index berechnet wird, bei dem die Dividenden rechnerisch gleich wieder in die Aktien investiert werden. "Die realen Kurszuwächse ohne Dividenden dürften künftig daher nur bei rund 2,5 Prozent pro Jahr liegen", sagt Thaler.

Small-Cap-Dax als Alternative

Allerdings ist es für Anleger schwer, in der Flut der vielen in Europa und den USA an die Börse strebenden jungen Unternehmen jene auszumachen, deren Aktienkurse rasante Höhenflüge verzeichnen werden. Nicht jedes neue Technologieunternehmen wird eine Erfolgsstory wie Apple, die Google-Holding Alphabet oder Facebook. Uwe Eilers, Geschäftsführer der FV Frankfurter Vermögen, rät deshalb zu Aktien aus dem SDax. Dieser Small-Cap-Dax spiegelt die Entwicklung der Aktienkurse der 50 größten der kleinen börsengelisteten deutschen Unternehmen wider. "Zum deutschen Mittelstand zählen viele hoch spezialisierte Unternehmen, die globale Marktführer sind", sagt Eilers. Das verschafft diesen Davids hohe Gewinne und treibt ihre Aktienkurse stärker als die der Goliaths. In den vergangenen zehn Jahren gewann der SDax 157 Prozent, der Dax hingegen nur 83 Prozent. Wie beim Dax können Anleger auch beim SDax über ETF günstig an der Kursentwicklung der Indexunternehmen partizipieren.

Anleger, die primär attraktive Dividenden erzielen wollen, sollten hingegen zu Titeln greifen, die seit Jahrzehnten einen Teil ihrer Gewinne ausschütten, sagt Adrian Roestel, Stratege bei der Münchner Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen. "Der US-Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble zahlt seit 125 Jahren eine Dividende, der deutsche Pharmakonzern Fresenius seit 25 Jahren." Eine solche Historie zeige, dass das "Geschäftsmodell stabil funktioniert und das Unternehmen langfristig erfolgreich ist", sagt Roestel. Zwar gibt es auch ETF auf Dividendenindices. Allerdings sollten Anleger bei der Auswahl darauf achten, dass die Dividenden auch einberechnet werden, sagt Roestel. "Bei einigen ETF ist dies nicht der Fall" – Ausschüttungen werden nicht gezahlt.

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