Ärzte Zeitung online, 07.05.2018

Kapitalanlage

Zinsanstieg zehrt an Mischfonds mit hohem Anleihe-Anteil

Mischfonds investieren außer in Aktien auch in Anleihen. Die erleiden jedoch bei steigenden Zinsen Kursverluste. Wer sich jetzt für Mischfonds interessiert, sollte deshalb auf einen überproportional hohen Aktienanteil achten.

Von Richard Haimann

Zinsanstieg zehrt an Mischfonds mit hohem Anleihe-Anteil

Die Mischung macht‘s. Bei hohem Anleihe-Anteil sind Mischfonds derzeit eher weniger wertstabil.

© phadventure / Fotolia

NEU-ISENBURG. Mischfonds werden gern als "Rund-um-sorglos-Investment" angepriesen. Denn sie investieren das Kapital ihrer Anleger sowohl in Aktien als auch in Anleihen. Doch diese Mischung könnte sich derzeit als riskant erweisen. Denn die Zinsen steigen wieder. "Das bedeutet Kursverluste für Anleihen und ist somit negativ für deren Wertentwicklung", sagt Johannes Hirsch, Geschäftsführer der Hamburger Vermögensverwaltung antea. "Anleger sollten deshalb Fonds meiden, die besonders viele Anleihen im Portfolio halten."

Beim Kauf von Anleihen leihen Investoren einem Staat oder einem Unternehmen über einen vereinbarten Zeitraum Geld und erhalten dafür Jahr für Jahr einen festen Zinssatz. Dabei können die Investoren die erworbenen Schuldverschreibungen jederzeit an den Börsen verkaufen.

Dort schwanken allerdings die Kurse dieser Papiere mit der Zinsentwicklung: Fallen die Zinsen am Kapitalmarkt, steigt der Wert älterer Anleihen, die höhere Zinsen ausschütten. Steigen hingegen die Zinsen am Markt, sinkt der Wert älterer Anleihen, die ihren Investoren geringere Zinsen zahlen. Gegenwärtig ist Letzteres der Fall.

Zwar hat die Europäische Zentralbank seit Ende der Finanzkrise den Leitzins bei null Prozent belassen. Die US-Notenbank hat jedoch ihre Leitzinsen bereits wieder auf 1,5 Prozent angehoben. Um ihr Geld nicht in die USA zu tragen, verlangen Investoren deshalb auch in der Eurozone höhere Renditen, wenn sie Regierungen oder Unternehmen Kapital leihen.

Negativzins schon wieder passé

Beispielhaft zeigt dies die Entwicklung bei zehnjährigen deutschen Bundesanleihen: Im Sommer 2016 konnte die Bundesregierung diese Schuldverschreibungen noch zu einem Zins von minus 0,028 Prozent begeben. Investoren zahlten damals Geld, um ihr Kapital in sicheren Bundespapieren parken zu können.

Heute hingegen muss Berlin Investoren bereits wieder einen Jahreszins von immerhin 0,57 Prozent zahlen, um sich Kapital für eine Dekade leihen zu können. In der Folge sind die Börsenkurse der in Mitte 2016 ausgegebenen Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit seither um rund drei Prozent gesunken.

Auf den ersten Blick erscheint es unsinnig, dass Investoren überhaupt eine Anleihe mit Negativzins erwerben. Doch Schuldverschreibungen werden immer zum vollen Nennwert von 100 Euro pro Anteil zurückgezahlt. Da die im Sommer 2026 fälligen Bundesanleihen zurzeit nur rund 97 Euro kosten, verdienen Investoren also drei Euro pro Anteil, wenn sie die Papiere für die nächsten acht Jahre halten.

Mischfonds allerdings können nicht immer Anleihen bis zu deren Fälligkeit halten. Ziehen Anleger Geld ab, müssen manche Manager anteilig Aktien und Anleihen verkaufen, was zu Verlusten führen kann. "Oftmals verfügen Mischfonds aber über Kapitalreserven", sagt Stephan Witt, Kapitalmarktstratege bei der Berliner Vermögensverwaltung Finum Private Finance.

Dieses Geld können die Fondsmanager nutzen, um ausstiegswillige Anleger auszuzahlen. Andernfalls können sie damit auch in neu emittierte Anleihen mit höheren Renditen investieren.

Anleger, die fürchten, dass die Zinsen weiter steigen und spiegelbildlich die Kurse älterer Anleihen weiter fallen werden, sollten "Mischfonds wählen, die zu mehr als 70 Prozent in Aktien investiert sind", rät Witt. In diesem Fall könnten die Dividenden und etwaige Kursgewinne bei Aktien die potenziellen Kursverluste der Anleihen mehr als ausgleichen.

Risiko online recherchieren

Wie hoch die maximale Aktien- und Anleihequote eines Mischfonds ausfallen kann, ist im Factsheet zu lesen, das auf Internetseiten wie Finanzen.net und Onvista.de heruntergeladen werden kann.

Frank Wieser, Geschäftsführer der Düsseldorfer Vermögensverwaltung PMP, rät zudem, im Factsheet auf die Duration zu blicken. "Diese Kennzahl zeigt, über welchen durchschnittlichen Zeitraum der Fondsmanager Kapital in Anleihen gebunden hat."

Je kürzer die Duration, desto geringer ist das Risiko von Kursverlusten, weil die Anleihenanteile am Ende der Laufzeit ja zu je 100 Euro zurückgezahlt werden. "Bei einer Duration von bis zu drei ist das Risiko gering", sagt Wieser. "Eine Duration von zehn und mehr hingegen deutet auf extrem lange Laufzeiten und entsprechende Gefahren von Kursverlusten hin."

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