Ärzte Zeitung online, 30.11.2018

Anlage

Breite Streuung gibt die größte Sicherheit

Mit Put-Optionsscheinen und Stopp-Loss-Orders können Anleger in diesen unruhigen Börsenzeiten ihr Depot gegen fallende Kurse absichern – Experten empfehlen jedoch vor allem, auf Qualitätstitel zu setzen.

Von Richard Haimann

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Kühlen Kopf bewahren, wenn die Kurse fallen. Anlageprofis versichern ihr Depot mit Put-Optionen.

© Dan Race / Fotolia

NEU-ISENBURG. 2018 war ein turbulentes Börsenjahr – und 2019 dürfte nicht viel anders laufen. „Auf den Aktienmärkten lastet weiterhin der Handelskonflikt zwischen den USA und China“, sagt Bernd Junginger, Berater der Stuttgarter Vermögensverwaltung SVA.

Darüber hinaus sorge die „Ausweitung der hohen Staatsverschuldung in Italien für Unsicherheit“, so Stephan Witt, Stratege der Berliner Vermögensberatung Finum Private Finance. Hinzu kommen noch politische Konflikte im Nahen Osten sowie zwischen der Ukraine und Russland.

Für etliche Anleger stellt sich da die Frage, ob sie nun Kasse machen und ihre Aktien verkaufen sollen. Schließlich sind die Börsen in den vergangenen Jahren sehr gut gelaufen. Der deutsche Leitindex Dax ist seit 2008 um 170 Prozent gestiegen, sein US-Pendant, der Dow Jones, hat in dieser Zeit gar 200 Prozent gewonnen. Doch Experten raten von einem Totalverkauf ab und empfehlen stattdessen, auf Absicherungsstrategien zu setzen.

Dax an nur 30 Tagen verzehnfacht

Wer nicht investiert sei, laufe Gefahr, Chancen zu verpassen, sagt Helge Müller, Chefstratege beim Schweizer Vermögensverwalter Genève Invest. Dies zeige eine Analyse der Kursentwicklung des Dax von 1988 bis 2017. „In dieser Zeit hat sich der Dax zwar insgesamt mehr als verzehnfacht“, sagt Müller. „Werden jedoch die 30 besten Tagen aus der Betrachtung herausgenommen, sinkt die Kursperformance gegen Null.“

Dies liegt daran, dass an sämtlichen anderen Tagen mit Kursgewinnen diese lediglich genügten, um die Kursverluste an den Tagen mit negativer Performance wieder wettzumachen. „Die eigentliche Performance des Dax hat an nur 30 Tagen stattgefunden“, sagt Müller. Weil niemand vorab wissen könne, an welchen Tagen die Aktienkurse steigen und an welchen sie fallen, sei es für Anleger besser, investiert zu bleiben.

Zur Absicherung ihres Depots können Anleger zu Put-Optionsscheinen greifen, sagt Uwe Eilers, Geschäftsführer der Anlageberatungsgesellschaft FV Frankfurter Vermögen. Die Kurse dieser Optionsscheine steigen, wenn die Notierungen der ihnen zugrunde liegenden Indices fallen. Allerdings verlieren die Papiere an Wert, wenn die Index-Notierungen zulegen.

Zudem ist die Laufzeit dieser Puts begrenzt. „Zur langfristigen Absicherung gegen einen starken Einbruch an den Aktienmärkten sollten Anleger Put-Optionen mit langen Laufzeiten von mindestens neun Monaten wählen“, so Eilers. Steigen die Indices weiter, verfallen die Optionsscheine am Ende ihrer Laufzeit wertlos. Die dafür gezahlten Kosten müssten Anleger deshalb wie eine Versicherungsprämie für den Werterhalt ihres Depots verstehen.

Eine andere Absicherungsmöglichkeit sind sogenannte Stopp-Loss-Orders auf einzelne Aktien. In diesem Fall werden die Papiere automatisch abgestoßen, wenn ihr Kurs unter den in der Order festgelegten Wert sinkt. Dabei werden bei steigenden Kursen die Stopp-Loss-Orders immer wieder höher gesetzt, um bereits erzielte Kursgewinne abzusichern.

Viele Experten halten jedoch wenig von diesem Instrument. „In typischen Sägezahnmärkten, wie in diesem Jahr, bei denen die Kurse an einem Tag steigen und am anderen fallen, ergeben Stopp-Loss-Orders keinen Sinn“, meint Frank Wiesner, Geschäftsführer der Düsseldorfer PMP Vermögensmanagement. „Die Anleger werden nur permanent ausgestoppt, wenn sie nach einem automatischen Verkauf ihrer Aktien wieder in den Markt einsteigen.“

Schwächephasen aushalten

Die sinnvollste Absicherungsstrategie bestehe immer noch darin, sein Kapital breit über mehrere Aktien von Konzernen aus unterschiedlichen Branchen zu streuen, sagt Wiesner. „Dabei sollten Anleger Papiere von Unternehmen wählen, deren Geschäftsmodell sie verstehen und die eine hohe Stabilität bei Umsatz- und Gewinnentwicklung aufweisen.“ Ähnlich würden auch Profiinvestoren verfahren, weiß Andreas Görler, Stratege bei der Berliner Vermögensverwaltung Wellinvest – Pruschke & Kalm. „Sie halten Werte, von denen sie überzeugt sind, auch in Schwächephasen im Portfolio.“

Selbst Aktien von Top-Unternehmen könnten zwischenzeitlich „mal prozentual zweistellige Kursverluste erleiden“, erklärt Adrian Roestel, Leiter Portfoliomanagement bei der Münchner Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen. „Dies gilt es dann auszuhalten.“

Trennen sollten sich Anleger nur von einem Papier, „wenn sich der Markt für die Produkte des Unternehmens eintrübt oder das Geschäftsmodell nicht mehr aufgeht“.

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