Ärzte Zeitung online, 14.01.2019

Börse

Die USA werden „die Früchte ihrer disruptiven Politik ernten“

2018 sind die Aktienkurse weltweit gefallen. Für das Jahr 2019 erwarten Ökonomen trotz bislang unbewältigter Krisen einen Aufschwung an den Börsen und Schwierigkeiten für die amerikanische Wirtschaft – doch warum dann ein Aufschwung in Europa?

Von Richard Haimann

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Etliche Aktienprofis erwarten, dass es 2019 an den Börsen wieder aufwärts geht.

© imageteam / fotolia.com

NEU-ISENBURG. 2018 war kein gutes Jahr für Aktionäre: Der deutsche Leitindex DAX ist um 19 Prozent gefallen; der Euro Stoxx 50 der 50 größten europäischen Aktienwerte um 15 Prozent; der S&P 500, der Index der 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA, hat sieben Prozent verloren.

Doch 2019 werde es an den Aktienmärkten wieder aufwärts gehen, geben sich Analysten und Ökonomen zuversichtlich. Die Weltwirtschaft sei nun im Fitness-Studio, sagt Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). „Trainingserfolge werden sich im Laufe des Jahres einstellen.“

Der Optimismus überrascht auf den ersten Blick. Schließlich lasten weiterhin zwei große Krisen auf der globalen Konjunktur: Die Modalitäten des Brexits, des Austritts Großbritanniens aus der EU, sind noch immer nicht geklärt. Und die von US-Präsident Donald Trump losgetretenen Handelskriege gegen Europa und China sind nach wie vor nicht beigelegt.

Keine Angst mehr vor Trump

Allerdings ist zumindest das Brexitrisiko für Deutschlands Wirtschaft nicht gravierend. „Der Anteil der Exporte nach Großbritannien beträgt bei deutschen Unternehmen 6,6 Prozent der gesamten Ausfuhrleistung“, sagt Marc-Oliver Lux, Geschäftsführer des Münchner Vermögensverwalters Dr. Lux & Präuner.

Zwar würden die Automobilhersteller und Maschinenbauer durch einen ungeregelten Brexit kurzfristig belastet werden, weil deren Exporte nach Großbritannien dann ins Stocken gerieten, sollten Grenzkontrollen und Zölle wieder eingeführt werden. Andere Sektoren der deutschen Wirtschaft hätten jedoch nur „geringe Auswirkungen zu befürchten“, ist sich Lux sicher.

Sollten sich die Handelskonflikte verschärfen, würde die US-Wirtschaft davon am stärksten getroffen werden. Dies zeigt eine Studie des Basler Prognos-Instituts. Danach verteuerten von den USA verhängte Strafzölle auf Waren aus China und Europa die Preise von Importwaren so stark, dass das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten dadurch um 0,8 Prozent schrumpfen würde.

Das deutsche Wirtschaftswachstum hingegen würde nur um 0,3 Prozent belastet werden, das von China sogar nur um 0,1 Prozent. Die Vereinigten Staaten würden „die Früchte ihrer disruptiven Politik ernten“, erklärt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Investmentgesellschaft Solvecon.

Ökonomen erwarten daher, dass US-Präsident Trump trotz seiner scharfen Rhetorik eine Lösung am Verhandlungstisch und nicht die Eskalation suchen wird. Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone, den USA und in China „könnte sich verlangsamen“, so John Chatfeild-Roberts, Chef-Anlagestratege bei der Londoner Investmentgesellschaft Jupiter Asset Management. Aber die Konjunktur in allen drei Weltregionen werde „weiter wachsen“.

Viel Erholungspotenzial in Europa

Zudem würden viele Unternehmen weltweit massiv daran arbeiten, durch Restrukturierungen und Verfeinerung ihrer Geschäftsmodelle Kosten zu senken und damit die Gewinne nachhaltig zu steigern. Diese „Fitness-Kur“ wird nach Einschätzung vieler Ökonomen den Börsen wieder Rückwind geben.

Die Helaba-Experten prognostizieren, dass der DAX bis Ende 2019 um rund 20 Prozent auf 13.200 Zähler steigen werde. Den Euro Stoxx 50 sehen sie im Dezember bei 3650 Punkten und damit rund 18 Prozent höher als heute. Für den S&P 500 prognostizieren sie bis Jahresende einen Kursgewinn von rund zwölf Prozent.

Dass europäische Aktien in diesem Jahr höhere Kursgewinne als US-Werte verzeichnen, liege daran, dass die Börsennotierungen diesseits des Atlantiks 2018 tiefer gefallen sind – und deshalb ein größeres Erholungspotenzial aufweisen.

„Die 2018 erfolgte Korrektur an den europäischen Aktienmärkten hat zu Bewertungsniveaus geführt, die mit jenen auf dem Höhepunkt der Eurokrise von 2012 vergleichbar sind“, berichtet Solvecon-Chefökonom Hellmeyer. Demnach kostet die Aktie der Lufthansa derzeit nur das 4,9fache des Jahresgewinns, die von BMW nur das 6,6fache und sogar das Papier des Hightech-Kunststoffproduzenten Covestro lediglich das Siebenfache.

US-Werte hingegen notieren im Schnitt noch beim 15fachen des Konzerngewinns. Die niedrigen Aktienpreise in Deutschland dürften Investoren bald in die Papiere locken, meint Hellmeyer und prognostiziert dem DAX ein Plus von bis zu 15,5 Prozent im Jahresverlauf.

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