Ärzte Zeitung online, 15.06.2019

Deutsche Anleger

Gold sorgt für glänzende Augen

Die Angst vor Börsenturbulenzen zieht Privatanleger immer stärker zum Edelmetall Gold. Experten raten zu direkten Investments in das Münzmetall und warnen vor Zertifikaten und Schuldverschreibungen – sowie einem zu hohen Goldanteil im Portfolio.

Von Richard Haimann

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Immer mehr Deutsche versprechen sich von Edelmetallen wie Gold eine sichere Geldanlage.

© Filograph / Getty Images / iStock

NEU-ISENBURG. Wachsende Sorgen vor Börsenturbulenzen treiben immer mehr Anleger in Gold. Das zeigt eine neue Studie des Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule Berlin und der ReiseBank, eine auf Reisezahlungsmittel spezialisierte Tochter der DZ Bank.

Danach hat der Edelmetallbestand im Besitz deutscher Privatpersonen im April dieses Jahres mit etwas mehr als 8900 Tonnen einen neuen Rekordstand erreicht. Dies entspricht beim aktuellen Goldpreis einem Wert von knapp 470 Milliarden Euro.

Damit würden deutsche Privatanleger inzwischen „zweieinhalbmal soviel von dem Edelmetall wie die Bundesbank besitzen“, sagt Rüdiger Schmitt, Leiter Kommunikation bei der zur Genossenschaftlichen Finanzgruppe der Volks- und Raiffeisenbanken gehörenden ReiseBank.

Und sie wollen mehr: „78 Prozent von ihnen planen, noch mehr Gold zu erwerben“, sagt Schmitt. „Dies unterstreicht deutlich die Funktion des Goldes als Wertsicherungsmittel“ für diese Anlegergruppe.

Steuerfreie Kursgewinne

In den vergangenen drei Jahren sind Goldkäufer mit dem Edelmetall nicht schlecht gefahren. Nach Ausbruch der Finanzkrise in 2008 waren besorgte Investoren weltweit in Panik in das Münzmetall geflüchtet. Dies hatte den Preis in der Spitze auf den historischen Höchstwert von 1881,50 US-Dollar je Feinunze (31,103 Gramm) getrieben.

Als sich von 2011 an die globale Konjunktur und die Aktienmärkte erholten, fiel der Preis des international in US-Währung gehandelten Edelmetalls bis Anfang 2016 auf nur noch 1061,40 US-Dollar. Seither zieht die Notierung langsam wieder an.

Die durch die Verschärfung des Handelskriegs zwischen den USA und China ausgelösten Börsenturbulenzen ließen allein im Mai den Goldpreis um 4,6 Prozent auf 1344 US-Dollar Anfang Juni steigen.

Heinrich Peters, Rohstoff-Analyst der Landesbank Hessen-Thüringen, erwartet, dass die Notierung des Edelmetalls bis zum zweiten Quartal dieses Jahres um weitere zwei Prozent auf 1370 US-Dollar steigt.

Was Gold für viele Anleger zu einem idealen Wertsicherungsmittel im Krisenfall macht, ist dessen Begrenztheit. „Im Gegensatz zu staatlichen Währungen lässt sich Gold nicht endlos vermehren“, sagt Dominik Lochmann, Geschäftsführer der ESG Edelmetall Service Gesellschaft in Rheinstetten, spezialisiert auf das Recycling von Edelmetallen aus dem Scheidgut der Schmuck-, Elektronik-, Galvanik- und Dentalindustrie.

Zudem biete Gold Steuervorteile. Zum einen unterliege es, anders als Silber, beim Kauf nicht der Mehrwertsteuer. „Zum anderen sind mit Gold erzielte Kursgewinne nach einer Haltedauer von zwölf Monaten steuerfrei“, sagt Lochmann.

In das Edelmetall können Anleger über Schuldverschreibungen und Zertifikate, durch den Erwerb von Aktien von Bergwerksbetreiber und den Kauf von Goldbarren investieren.

Letztere werden in unterschiedlichen Größen und Preisen angeboten. Josef Kaesmeier, Chefvolkswirt der Bayerische Vermögen, rät zu Goldbarren. „Bei Schuldverschreibungen und Zertifikaten besteht das Risiko, dass deren Emittent insolvent geht und das investierte Kapital verloren ist.“

Sicherheit mit Grenzen

Die Aktienkurse der Goldminenbetreiber wiederum entwickeln sich häufig nicht im Einklang mit dem Goldpreis, da die Gewinne der Gesellschaften in hohem Maß durch Schürfkosten beeinflusst werden.

„Das sicherste Investment ist zweifellos der physische Besitz von Gold und dessen Verwahrung im Tresor“, sagt Kaesmeier. Wobei für Bankschließfächer je nach Größe und Institut Jahresgebühren zwischen 70 und 400 Euro anfallen.

Das Edelmetall sollte aber nur einen kleinen Anteil im Portfolio eines Anlegers ausmachen. „Gold erzeugt weder Dividenden noch Zinsen“, sagt Andreas Görler, Anlagestratege bei der Berliner Vermögensverwaltung Wellinvest – Pruschke & Kalm. Zudem bestehe für deutsche Anleger „immer ein Währungsrisiko, da Gold in US-Dollar gehandelt wird“.

Dies wurde im vergangenen Monat wieder deutlich. Während der Goldpreis in US-Dollar im Mai um 4,6 Prozent stieg, betrug der Zugewinn für deutsche Anleger auf Eurobasis nur 2,9 Prozent. Denn nicht nur Gold verteuerte sich.

Zeitgleich legte auch der Euro gegen US-Dollar zu. Sollte der Euro massiv steigen, könnten dadurch Kursgewinne beim Edelmetall auf US-Währungsbasis sogar zunichte gemacht werden.

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