Ärzte Zeitung, 02.06.2010

Mehrere Fachgesellschaften verteidigen den PSA-Test

Fachgesellschaften ergreifen jetzt Partei für den PSA-Test und wenden sich gegen Kritiker.

Von Angela Speth

NEU-ISENBURG. Der Bluttest zur Früherkennung des Prostata-Ca schade mehr, als dass er nutze, kritisierte Professor Richard Ablin, der das Verfahren vor 40 Jahren entwickelt hatte, kürzlich in der "New York Times". Denn erhöhte Werte würden oft eine aufwendige Diagnostik und Therapie nach sich ziehen - und das völlig unnötig, weil die dabei entdeckten Tumoren häufig nicht lebensbedrohlich seien. Seine Befürchtung untermauerte der Pathologe an der Universität Arizona mit einer US-Studie, die nach sechs Jahren keine verringerten Sterberaten für getestete Teilnehmer ergab.

Die Studie weise methodische Mängel auf, widersprechen die Deutsche Gesellschaft für Urologie, die Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie und die Deutsche Krebsgesellschaft. So hätten wenig Männer mit hohem PSA teilgenommen und die Probanden im Kontrollarm selbstständig ihre PSA-Spiegel gemessen, sodass ein mehr oder weniger intensives Screening bei Niedrigrisikogruppen verglichen wurde. Dagegen war in einer sorgfältigeren europäischen Studie bei Männern mit regelmäßiger PSA-Bestimmung die Sterberate nach neun Jahren um ein Fünftel geringer als bei der Vergleichsgruppe ohne Tests. Über 20 bis 30 Jahre betrachtet werde sich die Schere wohl noch weiter öffnen.

Gegen den Vorwurf der Übertherapie wenden die Experten ein, dass Behandlung ja nicht zwangsläufig Operation oder Bestrahlung bedeute, sondern auch aktive Überwachung. Tatsächlich sei beim Screening doppelt so vielen Männern mit Prostata-Ca Abwarten empfohlen worden wie den Patienten der Vergleichsgruppe.

Auf diese Daten hin hat die Deutsche Gesellschaft für Urologie in ihrer S3-Leitlinie ein generelles Screening zwar nicht empfohlen, jedoch den Wert des PSA-Tests zur Früherkennung betont. Vor 20 Jahren seien Tumoren oder Metastasen erst aufgefallen, wenn sie so groß waren, dass sie ertastet werden konnten oder Symptome verursachten, heute dagegen schon, wenn sie noch auf das Organ beschränkt seien. Die von Ablin angesprochenen Störfaktoren wie Prostata-Entzündung oder Manipulation würden seit Langem berücksichtigt. So raten die Leitlinien, einen erhöhten Wert stets zu kontrollieren.

Sowieso sei ein differenziertes Vorgehen üblich. Je älter ein Mann, um so zurückhaltender erfolgten Tests. Beachtet werde auch, mit welcher Geschwindigkeit der PSA-Wert steigt. Weiterhin lege man großen Wert darauf, die Patienten zuvor über die Konsequenzen der Untersuchung aufzuklären. Und es gehe ja nicht nur darum, den Krebstod zu vermeiden, sondern auch langes Siechtum.

In Deutschland ist der Vorteil des PSA-Tests dem Papier zufolge bereits ersichtlich: Die altersentsprechende Sterberate beim Prostatakarzinom ist seit 1980 um 20 Prozent gesunken, wie das Robert-Koch-Institut mitteilt.

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