Ärzte Zeitung online, 27.12.2017

Heilpraktikerverbände

"Heilpraktikerberuf bleibt wichtiger Bestandteil des Gesundheitswesens!"

Zwei große Heilpraktikerverbände erklären die Krise der Branche für beendet. Sie sehen sich vom Damoklesschwert des Münsteraner Kreises befreit.

Münsteraner Debatte für beendet erklärt

Selten standen Heilpraktiker so wie in diesem Jahr im Kritikfeuer der Öffentlichkeit.

© photocrew / stockadobe.com

KÖLN/MÜNSTER. "Das Jahr 2017 war ein aufregendes Jahr. Insbesondere für den Heilpraktikerberuf. Selten standen wir, so wie in diesem Jahr, im Kritikfeuer der Öffentlichkeit und haben diese Krise erfolgreich überwunden" – ohne den "Münsteraner Kreis" um die Medizinethikerin Professor Bettina Schöne-Seifert wörtlich zu erwähnen, erklären mit dem Verband Unabhängiger Heilpraktiker und dem Verband Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater zwei große Branchenverbände die Auseinandersetzung für beendet.

Rückblick: Im August preschte der neu gegründete Münsteraner Kreis um Schöne-Seifert, Professorin für Medizinethik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, vor und plädierte für die Abschaffung des Heilpraktikerberufes oder alternativ die Einführung sogenannter "Fach-Heilpraktiker". Dies sind nach Ansicht der 17-köpfigen Expertengruppe die einzigen Optionen, um das "Missverhältnis von Qualifizierung und Befugnissen der Heilpraktiker zu korrigieren, ohne dabei die Selbstbestimmungsrechte der Patienten ungebührlich zu beschränken", wie es in ihrm "Münsteraner Memorandum Heilpraktiker" heißt.

Der Vorstoß rief den Dachverband Deutscher Heilpraktikerverbände (DDH), dem nicht alle Berufsverbände dder Heilpraktiker angeschlossen sind, auf den Plan – mit dem dezenten Hinweis auf den Kollateralschaden dieser Aktion für alle Ärzte, die ihren Patienten Therapieoptionen der Alternativmedizin offerieren.

Die Äußerung der beiden großen Heilpraktikerverbände zum Ende der Münsteraner Debatte findet sich in den Einführungen zu einer am Freitag veröffentlichten Umfrage zum Heilpraktikerwesen in Deutschland. "Der Heilpraktikerberuf war, ist und bleibt wesentlicher Bestandteil des deutschen Gesundheitswesens! Jetzt ist es an der Zeit, unsere Position festigen, zu sichern und Medien und Öffentlichkeit über unseren Berufsstand aufzuklären", heißt es. (maw)

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[30.12.2017, 12:26:49]
Karin Weber-Wagner 
Kritsche Auseinandersetzung
Mediziner unter sich...
Ich kann nach ungefähr 30 jähriger Erfahrung als Therapeutin und Fachschwester für Anästhesie und Intensivmedizin sagen, dass die Behandlung durch komplimentäre/heilpraktische Methoden in vielen Fällen hilfreich war und zur Heilung führte.
Meine Erfahrung mit der allgemeinen Medizin ist zunehmend folgende:
Keine Zeit zum Zuhören, wieder wird eine Tablette mehr verordnet, die Pharmaindustrie bedankt sich.
Wenig Berücksichtigung der emotionalen Befindlichkeit der Patienten und wenig Mut seitens der
Ärzteschafft, mit dem Patienten seine Eigenverantwortlichkeit zur Erhaltung seiner Gesundheit zu diskutieren.
Eine gute Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Heilpraktikern habe ich erlebt, davon wünsche ich mir aber mehr.

Liebe Ärzte, Ihr wisst viel und niemand will Euch Euren Status absprechen, jedoch lasst bitte zu, dass es viele Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensqualität und Heilung gibt. Heilpraktiker und Ärzte - unter Ihnen finden wir solche und solche und es ist wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen, damit eine gute Behandlung der Menschen, die Hilfe brauchen, geschehen kann.



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[28.12.2017, 17:52:51]
Dieter Döring 
Heilpraktikerberuf bleibt wichtiger Bestandteil des Gesundheitswesens?
Finde ich, über vierzig Jahre Arzt, nicht. Bei den Heilpraktikern gibt es für viel Geld viele Fehldiagnosen und dafür aber verspätete kunstgerechte Behandlungen.
Bei den Heilpraktikern wird völlig unnötig und sinnlos Geld, welches man besser im Gesundheitssystem stecken sollte, verbrannt.
Dieter Döring
Facharzt für Allgemeinmedizin zum Beitrag »
[27.12.2017, 11:42:48]
Tilo Freudenberger 
Sehe ich auch so...
absolut. Nur weil die damals in den 90ern von Herrn Seehofer den Raum bekommen haben und die (irren, anspruchsvollen, Betreuung fordernden) Patienten etwas meinen, heißt das lange nicht, daß es wissenschaftlich korrekt ist. Bin völlig der Meinung des Vorredners, daß die Heilpraktiker, wie jeder paramedizinische Beruf, sich nur jeden Raum und Ruhm nehmen, den sie kriegen können, ohne einen Bruchteil des Aufwands bei Qualifikation zum Studium (Abischnitt), Ausbildung (lächerlich!!) oder Betriebsführung zu haben. ERSATZLOS WEG MIT DIESEM CHICHI!! zum Beitrag »
[27.12.2017, 09:33:45]
Dipl.-Med Jens-Uwe Köhler 
kritische Auseinandersetzung beginnt doch erst
"... Kritikfeuer der Öffentlichkeit und Krise erfolgreich überwunden" ?
Mitnichten! Der Aufruf des Münsteraner Kreises zu einer längst überfälligen und kritischen Auseinandersetzung zu den oftmals wirren Thesen vieler Heilpraktiker war doch erst das Praeambulum.
Die Behauptung, dass der Heilpraktikerberuf ein "wesentlicher Bestandteil des deutschen Gesundheitswesens" sei, entspringt offenbar einer, in diesen Kreisen so häufigen Selbsttäuschung und -überschätzung und bedarf in der Tat einer öffentlich wahrnehmbaren, aufklärenden und korrigierenden Diskussion. Das wird dann die Sinfonie 2018 sein. zum Beitrag »

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