Ärzte Zeitung online, 12.08.2013
 

Klinikum Itzehoe

Erfolgsformel Harmonie

"Nichts ohne Absprache mit den Einweisern" lautet die Philosophie des Klinikums Itzehoe. So ist die Expansion in seiner 40-jährigen Geschichte nie auf Kosten der niedergelassenen Ärzte in der Region erfolgt. Jetzt ist Platz für ein Dutzend Praxen im Klinikneubau.

Von Dirk Schnack

Klinikum Itzehoe setzt auf Harmonie

Klinikum Itzehoe: Hier entsteht demnächst ein Erweiterungsbau mit Platz für zwölf Arztpraxen.

© Dirk Schnack

ITZEHOE. Genau 40 Jahre ist es her, dass der Grundstein für das Klinikum Itzehoe gelegt wurde. Es entstand ein kompakter Klinikneubau, der ein rasantes Wachstum an stationären Leistungen ermöglichte.

Längst wird auch die intersektorale Vernetzung forciert: Demnächst ziehen zwölf Praxen auf das Klinikgelände.

420 Betten waren vorgesehen, der Neubau sollte 18 Millionen DM kosten - so der Stand der Planung für das Klinikum Itzehoe in den 1960er Jahren. Es wurde ein kommunaler Zweckverband gegründet, um die Kosten zu tragen.

Am 29. Mai 1973 wurde der Grundstein gelegt, 1976 das Klinikum in Betrieb genommen. Inzwischen war man bei über 600 Betten angekommen, die Kosten bei 90 Millionen DM.

Klinik wurde schnell zur zentralen Einrichtung im Kreis Steinburg

Doch das Geld war offenbar gut angelegt. Denn das Klinikum entwickelte sich schnell zu der zentralen Gesundheitseinrichtung des Kreises Steinburg, nördlich von Hamburg.

Heute gibt es am Klinikum rund 700 Betten und Behandlungsplätze, jährlich lassen sich rund 27.500 Patienten behandeln.

Den Kern dafür bietet noch immer das kompakte Gebäude, für das vor 40 Jahren der Grundstein gelegt wurde.

Damit das Wachstum möglich war, investierte der Träger in den kommenden Jahren fast im Jahresrhythmus in Millionenhöhe in Aus- oder Umbauten. Insgesamt wurden seitdem in Itzehoe 46 Millionen Euro investiert, berichtet Verwaltungschef Bernhard Ziegler.

Zuschüsse aus öffentlicher Hand bewegten sich zwischen null und 60 Prozent für die verschiedenen Maßnahmen.

Krankenhaus erwirtschaftet fast jährlich einen Gewinn

Der kommunale Träger konnte also immer nur investieren, wenn mit dem laufenden Betrieb auch Gewinn erwirtschaftet wurde. Das ist in den vergangenen Jahren bis auf 2011 immer gelungen.

"Für 2013 traue ich mir allerdings keine Prognose zu", sagt Ziegler mit Blick auf die derzeit unsichere wirtschaftliche Lage für Krankenhäuser in Schleswig-Holstein.

Fest steht dagegen, dass das Haus mit rund 1800 Mitarbeitern längst einer der wichtigsten Arbeitgeber der ganzen Region ist. Die Expansion ist nicht auf Kosten der niedergelassenen Ärzte erfolgt.

Zwar befinden sich inzwischen 14 Kassenarztsitze in Händen von MVZ der Klinik. Ziegler legt aber Wert darauf, dass keine allgemeinmedizinischen und keine internistischen Sitze darunter sind.

"Nichts ohne Absprache mit den Einweisern" - nach dieser Formel soll auch ein Erweiterungsbau entstehen, für den noch in diesem Jahr Baubeginn sein wird. Dort entsteht Platz für insgesamt zwölf Praxen. Dreiviertel der Fläche ist bereits vergeben.

Fest steht für Ziegler, dass auch hier aus Rücksicht auf die einweisenden Ärzte nicht an Allgemeinmediziner vermietet wird, denn: "Die Hausärzte gehören in die dezentrale Versorgung, nicht in die Klinik."

Die weitere Wunschliste reicht von der Palliativstation bis zum Patientenhotel

Weitere Pläne des Klinikums liegen schon in der Schublade: eine Palliativstation und eine psychosomatische Tagesklinik sollen kommen, das MVZ im Itzehoer Stadtzentrum soll erweitert werden, ein Patientenhotel, ein Bildungszentrum und der Neubau der Psychiatrie stehen auf der Wunschliste.

Ziemlich viel für ein Haus, das im Bundesland mit dem niedrigsten Landesbasisfallwert die meisten Investitionen aus eigener Tasche stemmen muss.

Doch Ziegler weiß auch, dass er mit Gewinnen, wenn sie denn realisiert werden können, auch arbeiten kann - im Gegensatz zu vielen privaten Häusern, die Konzernumlagen leisten und Gewinne abführen müssen.

Derzeit spürt das Klinikum Itzehoe noch einen weiteren wichtigen Vorteil der kommunalen Trägerschaft: die Beschäftigten entdecken die Vorteile dieser Arbeitgeber.

Die Nähe zu Hamburg macht es möglich, dass viele zuvor in privaten Kliniken unzufriedene Beschäftigte sich für Itzehoe interessieren. Ziegler: "Wir haben noch relativ wenig Probleme bei der Personalgewinnung."

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