Ärzte Zeitung, 18.11.2016
 

Kliniken

So funktioniert fairer Wettbewerb

Wer bei der Vergütung Chancengleichheit an der Schnittstelle von Praxis und Klinik erreichen will, muss die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen berücksichtigen, warnt Westfalen-Lippes KV-Chef Dryden.

Von Ilse Schlingensiepen

So funktioniert fairer Wettbewerb

© Stefan Yang / fotolia.com

KÖLN. Um bei der Vergütung Chancengleichheit zwischen dem ambulanten und dem stationären Leistungsbereich zu erreichen, greift das Prinzip "gleicher Preis für gleiche Leistung" zu kurz. "Was wirklich nötig ist, ist der gleiche Arztlohn bei gleicher Qualifikation", sagt der Vorstandsvorsitzende der KV Westfalen-Lippe (KVWL) Dr. Wolfgang-Axel Dryden der "Ärzte Zeitung".

Er reagiert damit auf die Initiative von Barmer GEK-Chef Dr. Christoph Straub, der für ein neues Vergütungssystem plädiert, um die sektorübergreifende Versorgung voranzubringen. Eine Bedingung für Straub ist, dass gleiche Leistungen in der Vertragsarztpraxis und im Krankenhaus gleich hoch vergütet werden (die "Ärzte Zeitung" berichtete).

Quersubventionen in den Kliniken

"Aus Sicht der Vertragsärzte ist nicht nur die unterschiedliche Vergütungshöhe zwischen den beiden Versorgungssektoren problematisch, sondern noch stärker das betriebswirtschaftliche Ergebnis", betont Dryden.

Die niedergelassenen Ärzte müssten ihre Praxisausstattung selbst finanzieren, wohingegen die ambulant erbrachten Leistungen im Krankenhaus durch stationäre Behandlungen quersubventioniert würden und die Kliniken zudem Investitionszuschüsse erhalten.

Ein von den Kostenträgern gezahlter gleicher Preis führe bei der Gewinnermittlung zwingend zu einem Delta zu Lasten des Vertragsarztes. Die logische Folge für ihn: "Nicht der Preis muss gleich sein, sondern der Arztlohn." Der erzielbare Gewinn aus der gleichen Leistung muss unabhängig vom Leistungserbringer und dem Versorgungssektor, in dem er handelt, gleich sein.

Überwunden werden müssen nach Drydens Vorstellung auch die unterschiedlichen Qualitätsanforderungen. Während im organisierten Notfalldienst im ambulanten Bereich der Facharztstatus gewährt sei, gelte bei ambulanten Notfallleistungen im Krankenhaus nur der Facharztstandard.

Auch wenn in der Klinik der sich in Ausbildung befindende Assistenzarzt die Leistungen erbringt, werden sie genauso abgerechnet wie diejenigen des ausgebildeten Facharztes. Die vergleichbare Vergütung muss an die vergleichbare Qualifikation gekoppelt werden.

Drei Bedingungen für den Erfolg

Grundsätzlich unterstützt der KVWL-Chef die Forderung Straubs nach einem neuen Vergütungssystem. "Eine Vergütungs-Reform, die alle Versorgungsbereiche erfasst, ist unabdingbar." Sie kann aus seiner Sicht aber nur erfolgreich sein, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:

Die Reform muss ehrlich bewertet sein. Dryden verweist auf Probleme durch die Zeitvorgaben des aktuellen EBM, die bei einigen Positionen offensichtlich nicht sachgerecht sind und den niedergelassenen Ärzten von den Krankenkassen den Vorwurf der implausiblen Abrechnung einbringen.

Die Reform darf nicht unter Vorbedingungen stehen. Hier verweist der KVWL-Chef auf die Vorgabe der Punktsummenstabilität.

Zudem sollte eine Vergütungsreform auf "missbrauchsanfällige Anreizsysteme" verzichten. Ein Beispiel sei das Upcoding, das sowohl in Kliniken bei den DRG als auch im niedergelassenen Bereich eine Rolle spielt.

Dryden stellt auch klar, dass die Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung keine Einbahnstraße sein darf. Er macht sich für die Erweiterung praxisklinischer Strukturen stark. In ihnen sieht er eine Möglichkeit, wegbrechende stationäre Kapazitäten gerade auf dem Land durch ambulante Angebote zu kompensieren.

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