Ärzte Zeitung online, 17.11.2017

Fehlende Synergieeffekte

Kliniken erwarten oft zu viel bei MVZ-Gründung

Bei der MVZ-Gründung kommt es häufig zu Fehlannahmen. Synergieeffekte zum Klinikbetrieb werden etwa zu hoch eingeschätzt, so die Botschaft eines Vortrags beim Deutschen Krankenhaustag.

Kliniken erwarten oft zu viel bei MVZ-Gründung

Oft überschätzt: Die Gründung eines eigenen MVZ baut nicht nur Brücken, sondern bedeutet auch Mehraufwand – zum Beispiel beim Aufbau einer IT.

© bluedesign / Fotolia

DÜSSELDORF. Kliniken, die MVZ gründen, hegen dabei oftmals übertriebene Erwartungen. Sie sollten die Bedeutung des MVZ als Zuweiser nicht überschätzen.

"Das Thema freie Arztwahl steht für die Patienten schnell im Fokus", so Christian Schug, Vorstand im Bundesverband MVZ, bei einem Seminar anlässlich des 40. Deutschen Krankenhaustages, der parallel zur Medica in Düsseldorf stattfindet. Schug: "Wir stehen dort vor Interessenkonflikten, die müssen gelöst werden und transparent sein."

Schug leitet die Unternehmensentwicklung der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist in Frankfurt. Die Stiftung betreibt sechs MVZ mit insgesamt 15 Fachrichtungen. Zu den Gründen, die Kliniken zur Gründung eines MVZ bewegen, gehört die Entlastung der stationären Einrichtungen. Allerdings entstünden häufig doppelte Strukturen, so Schug.

Rechtzeitig Initiative ergreifen

Ähnlich sehe es bei der Auslagerung von Leistungen aus, die in der Klinik nicht abgerechnet werden können. Dieser Effekt sollte ebenfalls nicht überschätzt werden. Auch im ambulanten Bereich werde nicht alles vergütet, stellte der Manager klar. "Das Regelleistungsvolumen macht uns häufig einen Strich durch die Rechnung."

Kliniken sollten bei der MVZ-Gründung auf die rechtzeitige Kommunikation mit den niedergelassenen Ärzten achten. "Wenn sie aus der Zeitung erfahren, dass Sie als Klinik ein MVZ gründen, kann das zu Spannungen bis hin zum Boykott führen."

Bei der IT gebe es wenig Synergieeffekte. Das MVZ braucht eine eigene Software. "Wir haben es mit dem Krankenhausinformationssystem versucht und sind kläglich gescheitert", berichtete Schug. Grundsätzlich könne eine MVZ-Gründung für Kliniken aber eine gute Sache sein. "Wir würden es immer wieder machen, aber ohne die Fehler, die wir in fünf, sechs Jahren gemacht haben." (iss)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Sepsis – "häufigste vermeidbare Todesursache im Land"

Alle sechs bis sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Sepsis. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar. Ärzte, Patientenschützer und Politiker fordern jetzt: Die Blutvergiftung muss als Notfall akzeptiert werden. mehr »

"Hacker kommen wie durch eine offene Tür in Arzt-Systeme"

Nehmen niedergelassene Ärzte Gefahren durch Cyber-Angriffe ernst genug? Sie selbst glauben das mehrheitlich. Ein Sicherheitsexperte gießt Wasser in den Wein. mehr »