Ärzte Zeitung, 14.04.2008

Vernetzung ist Zukunftsoption für Niedergelassene

Ärzte sind mit Software-Lösungen für die intersektorale Kommunikation noch nicht zufrieden / Zuweiser auf verschiedene Systeme angewiesen

BERLIN (ami). Die Zukunftschancen für niedergelassene Ärzte liegen in der vernetzten Kooperation mit Kollegen aus Klinik und Praxis. Praktikable Software-Lösungen für die neuen Kooperationsstrukturen sind jedoch noch dünn gesät.

Zu diesen Ergebnissen kamen Experten bei einer Veranstaltung auf der Gesundheits-IT-Messe conhIT in Berlin. Ärztenetze sollten sich verbindliche Strukturen geben, um als Vertragspartner für Krankenkassen interessant zu werden. Das empfahl der Leiter der Beratungsgesellschaft der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) Frank Bausch. "Ich rate zu unternehmensähnlichen Zusammenschlüssen, damit Netze vertragsfähige Organisationen werden", so Bausch. Genossenschaftsgründungen liegen seinen Beobachtungen zufolge mehr im Trend als GmbH-Gründungen. Zur Kettenbildung für Ärzte kleinerer Fachrichtungen in einer Versorgungsregion eignen sich Bausch zufolge auch die neuen überörtlichen Gemeinschaftspraxen.

Auf dem Feld der Integrationsversorgung beobachtet der Betriebswirt jedoch eine wachsende Zurückhaltung der Kassen. Dafür ausschlaggebend ist aus seiner Sicht, dass der Barmer-Hausarztvertrag von den Gerichten als IV-Vertrag nicht anerkannt wurde und dass die Anschubfinanzierung bald ausläuft. "Für interessanter halte ich populationsbezogene Verträge", so Bausch. Als Beispiel nannte er unter anderem das Prospermodell der Knappschaft. Für die abgestimmte Zusammenarbeit mit Krankenhäusern empfiehlt Bausch vor allem direkte Kooperations- oder Konsiliarverträge.

Bei all diesen Kooperationsformen spielt die elektronische Kommunikation eine immer wichtigere Rolle. "Die Netzkommunikation ist der entscheidende Erfolgsfaktor, um Prozesse zu optimieren", sagte Thomas Bahr, der Geschäftsführer des Oberpfälzer Netzes UGOM - Unternehmen Gesundheit Oberpfalz Mitte. Die Software-Lösungen dafür lassen jedoch vielfach noch zu wünschen übrig. "Wir wünschen uns IT-Lösungen, die Schnittstellen überwinden", so Bahr.

Bei Zuweiserportalen von Kliniken zum Beispiel sind Ärzte, die mit mehreren Kliniken kooperieren, meist mit etlichen verschiedenen Systemen konfrontiert.

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