Ärzte Zeitung online, 24.02.2017
 

Praxis-Panel

Vertragsärzte lassen sich die Stimmung nicht vermiesen

Es gibt Nachholbedarf in der vertragsärztlichen Arbeit – vor allem bei der Zusammenarbeit mit Kassen, Reha-Trägern und der PKV oder bei der Arbeitszeit. Dennoch schätzt die Mehrzahl der Vertragsärzte ihre Situation positiv ein.

Von Rebekka Höhl

Vertragsärzte lassen sich die Stimmung nicht vermiesen

In einer Umfrage zeigten sich rund die Hälfte der Ärzte mit dem Umfang ihrer Arbeitszeit eher unzufrieden

© kebox/Fotolia

BERLIN. Im Schnitt arbeiten Praxisinhaber in der vertragsärztlichen Versorgung 50 Stunden pro Woche. In vielen Fachgruppen sind es aber deutlich mehr Stunden: So kommen die Kardiologen und Nuklearmediziner auf 57 Stunden pro Woche. Das zeigen vorläufige Daten aus dem Zi-PraxisPanel-Bericht 2015. Wie gesagt, es handelt sich um Durchschnittswerte, damit liegt die wöchentliche Arbeitszeit in nicht wenigen Wochen des Jahres über diesem Wert. Da wundert es nicht, dass rund die Hälfte der Ärzte mit dem Umfang ihrer Arbeitszeit eher unzufrieden ist. Trotzdem bewerten rund 69 Prozent der Praxisinhaber ihre Gesamtsituation als Vertragsarzt als gut (64 Prozent) oder sogar sehr gut (5 Prozent).

Pneumologen an der Spitze

Neben den harten Fakten zu Einnahmen, Praxiskosten und Jahresüberschuss erfasst das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) im Praxis-Panel (ZiPP) auch regelmäßig die subjektive Stimmungslage. Die aktuellen Daten umfassen die Praxisjahre 2011 bis 2014. Dabei wurden für das Stimmungsbarometer bislang die Antworten von 4826 Praxen verschiedener Fachrichtungen ausgewertet. Spitzenreiter in Sachen Stimmung sind die Pneumologen: Rund 86 Prozent von ihnen beschreiben ihre Situation als gut oder sehr gut. Aber auch bei den Kinder- und Jugendpsychiatern geben rund 83 Prozent eine positive Wertung ab. Bei den Psychiatern sind es noch 75 Prozent.

Getrübte Stimmung herrscht hingegen bei den Nuklearmedizinern: Über 65 Prozent schätzen ihre Lage als weniger gut oder gar schlecht ein. Auch die Radiologen sind zu 56,5 Prozent eher unzufrieden, bei den Orthopäden sind es noch rund 53 Prozent. Zu den Hausärzten liegen leider noch keine detaillierten Daten vor.

Dabei kommt die insgesamt hohe Zufriedenheit der Vertragsärzte vor allem durch die Dinge zustande, die die Praxisinhaber oder ihr Personal selbst beeinflussen können, wie ein Blick in die Einzelfragen zur Stimmungserhebung zeigt. So bewerten 92 Prozent der Praxisinhaber die Qualifikation des nicht-ärztlichen Personals als gut bis sehr gut – wobei ein Viertel die Note "sehr gut" vergibt. Obwohl das Zi einen Investitionsstau in den Praxen sieht (wir berichteten), denn knapp die Hälfte der ZiPP-Praxen wendeten im Jahr 2014 weniger als 2700 Euro für Investitionen auf, schätzen 87 Prozent der Praxischefs ihre medizinisch-technische Ausstattung als gut bis sehr gut ein. Auch mit der Zusammenarbeit mit Kollegen und anderen Praxen sind 87 Prozent zufrieden. Ihr Praxisverwaltungssystem bewerten über 85 Prozent als gut bis sehr gut – auch hier scheint also die technische Ausstattung und die Unterstützung bei Arbeitsprozessen zu stimmen.

Hier drückt der Schuh

Ganz anders sieht es bei der Zusammenarbeit mit den Krankenkassen, Reha-Trägern oder Privatversicherern aus. Über die Hälfte der Vertragsärzte bezeichnet diese als weniger gut (45 Prozent) oder gar schlecht (8 Prozent). Auch bei der Zusammenarbeit mit Kliniken sieht ein Viertel noch Nachbesserungsbedarf. Mit den geltenden Regeln des Bereitschaftsdienstes sind über 35 Prozent unzufrieden. Die wirtschaftliche Planungssicherheit für die nächsten zwölf Monate sehen zudem 36,5 Prozent der Praxisinhaber kritisch.

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