Ärzte Zeitung online, 22.06.2017
 

Umfrage

Kinderärzte nur noch selten auf Hausbesuch

Keine Zeit, schlechte Bezahlung und der Verdacht, Eltern wollten sich nur Wartezeit ersparen: Viele Pädiater machen keine Hausbesuche mehr.

MAINZ. Laut einer Umfrage des ARD-Magazins "Report Mainz", an der sich 130 Kinderärzte beteiligt hatten, gehen nur noch 12 Prozent der Fachgruppe regelmäßig auf Hausbesuch. Rund ein Drittel gab an, gar keine Hausbesuche mehr zu machen, 59 Prozent sagten, nur in Ausnahmefällen am Krankenbett vorbeizuschauen.

Gründe für die pädiatrische Besuchs-Abstinenz sind vor allem Zeitmangel (83 Prozent), die Honorierung (35 Prozent) oder dass die Eltern den Besuch nur anforderten, um sich Wartezeit in der Praxis zu ersparen (36 Prozent).

Kinderärzte, die als Hauptgrund die schlechte Bezahlung nannten, "würden nur dann Hausbesuche durchführen, wenn es dafür mehr als 45 Euro gäbe", heißt es. Und von denjenigen Kinderärzten, die noch Hausbesuche machen, gaben nahezu alle (93 Prozent) an, dass sie üblicherweise weniger als fünf Mal pro Woche einen Besuch absolvieren.

Angesichts dieser Zahlen fordere der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, die KVen "zu Sanktionen gegen Ärzte auf, die keine Hausbesuche machen", berichtet "Report".

Laut Bundesmantelvertrag haben Versicherte "einen Anspruch auf Besuchsbehandlung, wenn ihnen das Aufsuchen des Arztes in dessen Praxisräumen wegen Krankheit nicht möglich oder nicht zumutbar ist".

"Tatsächlich versorgen die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte in der Regel ihre Patienten in der Praxis", kommentiert Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte den "Report"-Bericht. Dafür gebe es "gute Gründe".

In der Praxis lasse sich gründlicher diagnostizieren. Außerdem seien die Kinderärzte "wegen fehlgeleiteter Bedarfsplanung alle völlig überlastet", so Fischbach. Für einen Hausbesuch bekämen Pädiater mit rund 15 Euro nur etwa "ein Zehntel dessen, was der Schlüsseldienst bekommt". Die meisten kranken Kinder seien transportfähig, "der Besuch in der Praxis zumutbar". (cw)

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