Ärzte Zeitung, 21.07.2008

Kredittilgung ist immer noch die beste Geldanlage

Flucht vor der drohenden Abgeltungssteuer versperrt manchem Anleger den Blick auf Alternativen / Positive Auswirkung auf Praxisfinanzierung  

NEU-ISENBURG (th). Noch gut fünf Monate bleiben bis zur Einführung der Abgeltungssteuer am 1. Januar nächsten Jahres. Da macht sich so mancher Anleger Gedanken, wie er sein Kapital so steuerschonend wie möglich investieren kann. Die Flucht vor der Abgeltungssteuer kann dabei aber den Blick auf manche Alternative verstellen.

Banken und Finanzvermittler sind beim - legalen - Umgehen der Abgeltungssteuer bereitwillige Helfer und verdienen an den Verkaufsprovisionen für Investmentfonds, deren Kursgewinne bei Abschluss bis Jahresende auch künftig steuerfrei bleiben, gutes Geld. Doch die allgegenwärtige Präsenz der Abgeltungsteuer sollte nicht den Blick für eine ebenso einfach wie wirkungsvolle Optimierung der Finanzen verstellen.

Die beste Kapitalanlage ist nämlich mit wenigen Ausnahmen immer noch die Tilgung bestehender Kredite. Das gilt vor allem bei Raten- und Dispokrediten, die nicht selten mehr als zehn Prozent Zins kosten und ohne Strafgebühren in Form von Vorfälligkeitsentschädigungen kurzfristig gekündigt werden können.

Banken und Finanzvermittler profitieren von der Angst vor den Neuregelungen.

Die Rechnung dabei ist einfach: Die Geldanlage parallel zum Kredit lohnt sich nur, wenn die Anlage mehr Rendite bringt als der Kredit an Zinsen kostet. Und das wiederum ist nur der Fall, wenn der Anleger hohe Risiken eingeht und beispielsweise direkt in Aktien investiert - was jedoch die Gefahr birgt, dass die Aktien Verlust bringen. Sichere Anlagen wie Bundeswertpapiere oder Bankguthaben sind jedoch mit deutlich niedrigeren Kreditzinsen verbunden.

Selbst wenn es sich um Kredite für die Praxisfinanzierung handelt, deren Zinsen steuermindernd als betrieblicher Aufwand abgesetzt werden können, ist die Ablösung aus privatem Guthaben oft empfehlenswert. Wenn beispielsweise der Kreditzins bei 9,0 Prozent und der persönliche Steuersatz bei 40 Prozent liegt, beträgt der Zins nach Steuern 5,4 Prozent. Selbst nach dem Zinsanstieg der vergangenen Wochen ist eine Kapitalanlage ohne jegliches Verlustrisiko mit vergleichbarer Rendite derzeit nicht zu finden.

Eine Ausnahme kann sich bei betrieblichen Immobiliendarlehen ergeben, wo die Zinsen niedrig sind und die Ablösung vor dem Ende der Zinsbindungsfrist im Gegensatz zum Ratenkredit mit einer Vorfälligkeitsentschädigung verbunden ist. Bei solchen Konstellationen kann es sinnvoller sein, mit sicher angelegtem Privatguthaben in Form von Sparbrief oder Festgeld die Zeit bis zur Fälligkeit zu überbrücken.

Wichtiger als die Frage nach der Abgeltungsteuer ist somit in der Finanzplanung die Vermeidung eines erzwungenen Nebeneinanders von Geldanlage und Kreditfinanzierung. Sowohl bei der Kreditaufnahme wie auch bei der Kapitalanlage sollten Ärzte daher Freiraum schaffen. Bei Immobiliendarlehen wird dies mit der Vereinbarung von Sondertilgungsmöglichkeiten erreicht, die in die außerplanmäßige Extratilgung von fünf bis zehn Prozent der Darlehenssumme ermöglichen. Bei der Geldanlage ist es ratsam, nicht zu viel Kapital fest zu binden. Mit kündbaren Geldanlageformen lässt sich die Option offenhalten, für eine kurzfristige Investition zeitnah die nötigen Eigenmittel freizubekommen und damit teure Kredite zu vermeiden.

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