Ärzte Zeitung online, 27.12.2013

Spritze intrathekal

Toter Patient beschäftigt Ermittler

Intrathekal statt in die Vene: Diese Verwechslung musste ein Krebspatient in Österreich mit dem Leben bezahlen.

Toter Patient beschäftigt Ermittler

Eine Spitze in den Rücken (hier ein Archivbild einer PDA) wurde einem Patienten in Österreich zum Verhängnis.

© Stefan Morrosch / fotolia.com

GRAZ. Am Universitätsklinikum Graz ist am Montag ein Patient gestorben, dem irrtümlich Arzneimittel intrathekal gespritzt wurden, die für eine i.v.-Infusion vorgesehen waren. Der Fehler war bereits Anfang Dezember passiert, berichten österreichische Medien. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen und eine Obduktion angeordnet.

Der Mann soll an einer nicht näher bezeichneten Leukämieerkrankung gelitten haben und war Anfang des Monats offenbar zu einer ambulanten Chemotherapie in das LKH Graz gekommen. Dort soll die behandelnde Ärztin ein für die i.v.-Injektion vorgesehenes Medikament intrathekal appliziert haben.

Der Mann erlitt daraufhin den Berichten zufolge zerebrale Läsionen und musste intensivmedizinisch behandelt werden. Die Ärztin sei kurz darauf beurlaubt worden. Die Klinik sprach von einem "beklagenswerten Individualfehler" und verschärfte das Sicherheitssystem.

Künftig muss demnach bei Injektionen dieser Art ein weiterer Arzt die korrekte Verabreichung der Arzneien überwachen. Bislang waren für das Vieraugenprinzip ein Arzt und eine Pflegekraft ausreichend.

Injektionen sollen zudem rote Warnhinweise erhalten, Chemotherapeutika sollen nicht mehr als Spritze, sondern als Kurzinfusionen aufbereitet werden. (nös)

[27.12.2013, 13:31:27]
Dr. Andreas Petri 
Vermutlich verbotene intrathekale Gabe von Vincristin anstelle von "erlaubten Methotrexat"
Aus England wird in dem Buch "Avoiding Errors in Paediatrics" von einem tödlichen Fall bei einem Kind mit Leukämie berichtet, wo ein ignoranter Arzt gegen die Einwände der Mutter das farblose Vincristin intrathekal anstelle von dem gelben Methotrexat verabreichte. Vielleicht handelte es sich hier um eine ähnliche Medikamentenverwechslung. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »