Ärzte Zeitung online, 13.07.2018

Staatsanwaltschaft ermittelt

Illegaler Handel mit gestohlenen Krebsarzneien?

Erst kürzlich wurde ein Bottroper Apotheker wegen des Panschens von Krebsmitteln verurteilt, nun droht ein neuer Zyto-Skandal: Aus griechischen Kliniken entwendete Medikamente sollen unter Beteiligung eines deutschen Pharmaunternehmens hierzulande weiterverkauft worden sein.

BERLIN. Ein Netzwerk international tätiger Pharmahändler soll laut dem ARD-Politikmagazin "Kontraste" in Deutschland illegal mit Onkologika im Wert von mehreren Millionen Euro gehandelt haben. Insgesamt 21 Mitglieder der Bande seien bereits Anfang Mai in Griechenland verhaftet worden. Ihnen werde unter anderem vorgeworfen, hochsensible Krebsmedikamente aus griechischen Kliniken entwendet und nach Deutschland geschmuggelt zu haben.

Gegenüber dem Magazin habe der stellvertretende Gesundheitsminister Pavlos Polakis gesagt, man wisse, dass der Transport dieser Medikamente "nicht ordnungsgemäß verlaufen" und sogar die Kühlkette unterbrochen worden sei: "Wir sprechen hier von einer illegalen Bande, die sich offensichtlich nicht um medizinische Anforderungen gekümmert hat." Den Recherchen zufolge sollen die Präparate sogar auf einem Athener Fischmarkt zwischengelagert worden sein.

In Deutschland hatte das Netzwerk Geschäftspartner in Hessen und Brandenburg. Im Beitrag bestätigte die Staatsanwaltschaft Potsdam Ermittlungen gegen eine Firma in Mahlow wegen des Tatvorwurfs der "Hehlerei und Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz". Es habe bereits eine Hausdurchsuchung gegeben.

Das betroffene Unternehmen bestreite, an dem Handel mit möglicherweise unwirksamen Medikamenten beteiligt zu sein. Das Brandenburger Gesundheitsministerium untersagte der Firma laut Bericht den Handel mit den betroffenen Onkologika griechischer Provenienz, entzog dem Pharmahändler aber nicht die Großhandelserlaubnis. Das Ministerium teilte mit, es lägen "keine Hinweise vor, dass mit Arzneimitteln, die Gegenstand von Straftaten geworden sind oder die in ihrer Qualität beeinträchtigt sind, gehandelt wurde."

Der Onkologe Professor Wolf-Dieter Ludwig von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft kritisierte im Beitrag das Verhalten des Brandenburger Gesundheitsministeriums als "verantwortungslos". Die Behörde hätte nach ersten Hinweisen eine Warnung an Ärzte und Patienten herausgeben müssen und dafür sorgen müssen, "dass diese Medikamente so rasch wie möglich aus dem deutschen Markt verschwinden."

Auch die oberste griechische Arzneimittelaufsicht EOF äußerte sich verwundert, dass der Skandal in Deutschland nie bekannt geworden sei. Im Augenblick, als man die deutschen Behörden informiert habe, dass illegale Medikamente im Umlauf seien, "hätte man die Öffentlichkeit informieren können", sagte Ioannis Malemis von der EOF. (maw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Nicht immer geht's sofort zum Arzt

20- bis 50-jährige Patienten in Deutschland sind offenbar leidensfähig. Denn sie verschieben den Arztbesuch oft um Wochen oder Jahre, obwohl sie Beschwerden haben. mehr »

Bei Meniskusriss nicht vorschnell operieren

Ärzte sollten bei Meniskusrissen nicht gleich eine arthroskopische Operation einleiten. Oft kommen Betroffene auch mit Gymnastik und Physiotherapie zum Ziel. mehr »

Sinken die Konnektor-Preise?

Wie werden sich die Preise für den Anschluss an die Telematikinfrastruktur entwickeln, wenn dann vier Konnektoren auf dem Markt sind? Die Selbstverwaltung hofft auf sinkende Preise - doch ob das so kommt, ist fraglich. mehr »