Ärzte Zeitung, 26.10.2016

Medikationsplan

ARMIN greift weiter als Arzneiplan

Der zum 1. Oktober eingeführte Medikationsplan wird teilweise mit Lösungen zum Medikationsmanagement verglichen. Doch gehen Projekte wie die Initiative ARMIN in Sachsen und Thüringen deutlich weiter.

NEU-ISENBURG. Die Erwartungen der Ärzte an den Medikationsplan waren hoch – gerade angesichts des Aufwands, der vorab für die Erstellung eines vollständigen Plans geschätzt wurde. Doch darf der Medikationsplan für Patienten, die drei oder mehr systemisch wirksame verordnete Arzneimittel anwenden, nicht mit einem echten Medikationsmanagement verwechselt werden.

So haben die Beteiligten an der Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) vor kurzem einen Vergleich von Medikationsplan und dem im Juli gestarteten ARMIN vorgelegt – mit dem Ergebnis, dass das Medikationsmanagement für Patienten, die in ARMIN eingeschrieben sind, weit über die Vorgaben des E-Health-Gesetzes an den Medikationsplan hinausgehen. Die interessantesten Unterschiede:

Der Medikationsplan gilt ab drei Medikamenten, bei ARMIN können nur Patienten teilnehmen, die mindestens fünf Medikamente einnehmen.

Beide Medikationspläne gehen zwar auf den Aktionsplan des Bundesministeriums für Gesundheit zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) in Deutschland zurück. Der bundeseinheitliche Medikationsplan wird allein vom Arzt erstellt, Apotheker ergänzen nur auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten. Bei ARMIN arbeiten Apotheker und Ärzte gleichberechtigt mit.

Der Medikationsplan liegt nur als Papierausdruck vor. Bei ARMIN gibt es eine echte elektronische Vernetzung. Hier werden die Daten auf einem Medikationsplanserver im Sicheren Netz der KV hinterlegt und sind jederzeit von dem Arzt oder Apotheker, bei dem sich der Patient eingeschrieben hat, einsehbar – auch dann, wenn der Patient nicht anwesend ist.

Der erwartete zeitliche Aufwand für das Medikationsmanagement je Patient liegt bei 1,5 Stunden im Quartal. Daher bekommen Ärzte für das Erstgespräch 97,30 Euro vergütet und 22 Euro je Quartal und Patient in den Folgequartalen. Für den Medikationsplan bekommen Ärzte dagegen maximal rund vier Euro Honorar im Jahr. (ger)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Zwei Gläser Wein? Das lass lieber sein!

Wer täglich mehr als zwei Gläser Wein leert, hat ein erhöhtes Risiko, an Magenkrebs zu erkranken. Ob ein Komplettverzicht ratsam ist, bereitet Forschern noch Kopfzerbrechen. mehr »

Warum der Brexit körperlich krank macht

Übelkeit und Kurzatmig: Blogger Arndt Striegler hat mit seiner Hausärztin über seinen Gesundheitszustand und den Austritt aus der EU geredet – und einen Zusammenhang am eigenen Leib festgestellt. mehr »

Nach der Wahl muss Vernetzung auf die Agenda!

Gesundheitsminister Gröhe gibt einen Ausblick auf die nächste Legislaturperiode: Die stärkere Vernetzung der Akteure müsse dann höchste Priorität haben. Der Innovationsfonds soll zur Dauereinrichtung werden. mehr »