Ärzte Zeitung, 28.09.2009

Anlagenkolumne

Bei Anleihen sollten sich Anleger nicht zu lange binden

Von Jens Ehrhardt

Sorgen bereiten in der aktuellen Börsensituation weniger die Aktienmärkte, als vielmehr die Wertentwicklung der öffentlichen und Unternehmensanleihen.

An den Aktienmärkten waren die drastischen Kursanstiege der zurückliegenden Monate meist von sehr geringen Umsätzen begleitet. Gerade vorsichtige institutionelle Anleger haben die Aufwärtsentwicklung zum Teil nicht mitgemacht. Vor diesem Hintergrund hat man bisher nicht den Eindruck, dass Anleger gefährlich in Aktien überinvestiert sind und daher ummittelbar eine Flut von Verkäufen anstünde.

In Bezug auf übermäßige Investitionen von privaten und institutionellen Anlegern muss man stattdessen eher Angst um die Wertentwicklung von Anleihen haben. In diesem Jahr wurden bis heute schon Anleihen im Volumen von mehr als 4500 Milliarden US-Dollar unter Anlegern platziert. Bis zum Jahresende dürfte der Betrag auf 6000 Milliarden anwachsen. Zum Vergleich: Der Gesamtwert aller deutschen Aktien beträgt gerade einmal umgerechnet 1300 Milliarden Dollar.

Die Beträge emittierter Anleihen wären noch höher, wenn die Flut öffentlicher Anleihen nicht teilweise durch den Bereich der Unternehmensanleihen kompensiert würde. Zum einen wurden bis zuletzt zahlreiche Investitionsvorhaben von Firmen ganz zurückgestellt, was geringeren Finanzierungsbedarf bedeutet. Andere Investitionsprojekte wurden in den vergangenen Monaten wieder mehr und mehr durch Eigenkapitalaufnahmen wie durch die Emission von Aktien finanziert.

Die starke Geldmengenausdehnung kam bisher den Anleihekursen durchaus entgegen, da zunächst zusätzliche Nachfrage nach Anleihen ausgelöst wurde. Langfristig dürften sich jedoch die Inflationsraten als Folge der Geldmengenschwemme erhöhen, womit Belastungen für die Anleihekurse programmiert sind.

In den kommenden Jahren wird es an den Finanzmärkten sicherlich darauf ankommen, das investierte Kapital überhaupt zu erhalten oder sich zumindest mit niedrigen Renditen zufriedenzugeben. Im Bereich der Anleihen dürfte dies am besten dadurch zu erreichen sein, dass man sich auf Wertpapiere mit nicht zu langen Laufzeiten von gut ausgewählten Emittenten beschränkt.

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