Ärzte Zeitung, 03.07.2014

Leber-Erkrankungen

App hilft, Leber-Krisen zu managen

Telemedizin könnte die Therapie von Leberkranken bei typischen Komplikationen optimieren.

ST. INGBERT. In einem EU-Projekt namens "d-LIVER" entwickelt das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT zusammen mit europäischen Partnern ein IT- und zellbasiertes System, mit dem Menschen mit chronischem Leberversagen in den eigenen vier Wänden medizinisch unterstützt werden können (www.d-liver.eu).

Die Technologen sind dabei für die Programmierung der IT-Plattform und die Entwicklung der Sensorik verantwortlich, mit der der Zustand der Leberzellen im zellbasierten System gemessen wird.

Am weitesten fortgeschritten sind am IBMT die Arbeiten am Patientenmanagementsystem, teilt das Institut mit. Die Wissenschaftler vereinen klassische Komponenten der Telemedizin, etwa Vor-Ort-Überwachung und Telemonitoring für Ärzte, mit einem System, das bei Entscheidungen unterstützt, der "Care Flow Engine".

Dazu haben die Wissenschaftler die IT-Applikation "Personal Health Manager" entwickelt. Patienten können sie bequem als App auf ihrem Tablet abrufen. Sie führt alle Daten von Geräten, die Blutdruck, Herzfrequenz, Gewicht, Temperatur und Leberwerte messen, sowie die Behandlungspläne aus der "Care Flow Engine" zusammen.

"Es geht insbesondere darum, typische Komplikationen, die bei Lebererkrankungen entstehen, optimal zu behandeln", wird Stephan Kiefer zitiert, Informatiker am IBMT in St. Ingbert bei Saarbrücken. Und das geschieht durch Tests, Fragen, Aufgaben oder Handlungsanweisungen.

Zum Beispiel wird der Patient regelmäßig aufgefordert, sein Gewicht und seine Leberwerte zu messen und Gedächtnisaufgaben zu lösen. Das lässt Rückschlüsse zu, wie stark er etwa an Enzephalopathie und Aszites leidet. Das System bewertet die Ergebnisse automatisch, schlägt Anpassungen von Medikamentendosen vor und gibt Handlungsempfehlungen, die dann von Arzt und Patient gemeinsam diskutiert werden.

"Die Technologie ist zwar aktuell für Lebererkrankungen angepasst, im Prinzip aber für die telemedizinische Behandlung jeder chronischen Krankheit geeignet. Das bestehende System daraufhin anzupassen, ist unser mittelfristiges Ziel", sagt Kiefer.Ein erster Prototyp der IT-Plattform wurde bereits im vergangenen Jahr von Medizinern positiv getestet. Aktuell werde eine Studie in Großbritannien mit 20 Leberpatienten vorbereitet, heißt es in der Mitteilung des IBMT. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

Engagement, das Früchte trägt

Jungen Menschen fehlt es an Gespür für ehrenamtliches Engagement? Ein Vorurteil, wie sich bei der Springer Medizin Gala gezeigt hat. Deutlich wurde auch, dass Engagement für Hilfsbedürftige auch den Sinn für das Politische schärft. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »