Ärzte Zeitung, 23.06.2016

Infarkt

Notfall-App dirigiert Ersthelfer zum Einsatzort

Das Smartphone-App "Mobile Retter" ruft den nächsten mobilen Retter zu einem Notfall. Dieser überbrückt die Versorgung in den kritischen Minuten, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Notfall-App dirigiert Ersthelfer zum Einsatzort

Nur ein Smartphone könnte nötig sein: App-Hersteller aus Gütersloh haben ein Konzept zur Lebensrettung per Smartphone entwickelt - und sogar Google damit überzeugt.

© kantver / fotolia.com

MÜNSTER. Im Kreis Gütersloh sorgt das neue Smartphone-basierte System "Mobile Retter" dafür, dass Patienten nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand schneller versorgt werden.

Nach einem Notfall können die speziell geschulten Ersthelfer noch vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit der Herz-Druck-Massage beginnen.

Beim Herz-Kreislauf-Stillstand ist Zeit der entscheidende Faktor. "Bereits nach drei Minuten beginnen irreversible Schäden", erläuterte Bernd Strickmann, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Gütersloh, beim 9. Westfälischen Ärztetag in Münster.

Rettungswagen treffen im Schnitt nach neun Minuten beim Patienten ein. Das Intervall bis zur Erstversorgung wollen die "Mobilen Retter" mit ihrem neuen E-Health-Ansatz verkürzen.

Bei den Ersthelfern handelt es sich um Personen mit einer medizinischen Qualifikation oder Erfahrungen im Rettungsdienst - neben Ärzten etwa Sanitäter, Arzthelferinnen, Feuerwehrleute oder Krankenpfleger. Sie erhalten bei Bedarf ein Reanimationstraining sowie die Unterweisung in die Nutzung eines Defibrillators.

Nötiges Equipment: Ein Smartphone mit der App

"Wir gehen bei uns von einem Potenzial von über 3000 Menschen aus, die Herz-Druck-Massage ausüben könnten", sagte Strickmann. An technischer Ausstattung benötigen die Helfer ein Smartphone und eine spezielle App.

Bei einem Notfall alarmiert die Leitstelle den mobilen Retter, der sich am nächsten zu dem Patienten aufhält, und fragt, ob er einsatzfähig ist - möglich macht das die GPS-Ortung. Der Retter gibt sein Okay, macht sich geleitet über die App auf den Weg und beginnt mit der Erstversorgung.

Die Initiative ist im September 2013 gestartet. "Mittlerweile sind 550 mobile Retter registriert", berichtete Strickmann. Bei ihnen wurde mehr als 1000 Mal Alarm ausgelöst, es kam zu 550 Einsätzen.

Von insgesamt 190 Reanimationen wurden 37,6 Prozent durch mobile Retter eingeleitet.

Nach Angaben des Anästhesisten hat der Landkreis Germersheim das Projekt bereits übernommen, der Kreis Unna folgt im Juli. "Mehrere Dutzend Kreise aus ganz Deutschland sind interessiert", heißt es.

Bestätigung gab es auch noch von anderer Seite: Im Februar gewann "Mobile Retter" den ersten Platz bei der Google Impact Challenge in der Kategorie "Leuchtturm-Projekt" und erhielt damit ein Fördergeld von 500.000 Euro.

Die App "Mobile Retter" kann in i-Tunes und Google Play heruntergeladen werden. (iss)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

"Die Haltung der Kassen ist irrational"

Die Vertragsärzte kauen schwer am schwachen Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018. Es sei fraglich, ob der aktuelle Mechanismus auf Dauer ein geeignetes Preisfindungsinstrument sei, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »