Ärzte Zeitung online, 18.08.2017

Beamte in der PKV

WIdO-Chef zweifelt an Besserstellung

Sind Beamte in der GKV schlechter gestellt? Nein, so der Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

KÖLN. Wenn Beamte Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung würden, muss das nicht automatisch eine schlechtere Versorgung für sie bedeuten, findet Professor Klaus Jacobs, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Gerade im großen Bereich der beihilfeberechtigten Beamten könne von einer Besserstellung durch den Privatpatientenstatus keine Rede sein.

"In Wirklichkeit ist es so, dass sich die Beihilfestellen fast eins zu eins am GKV-Leistungskatalog orientieren", sagt Jacobs der "Ärzte Zeitung". Das betreffe immerhin einen großen Teil der Privatversicherten. 2016 waren laut PKV-Verband 49 Prozent aller PKV-Vollversicherten beihilfeberechtigt.

Die weitgehende Deckungsgleichheit von Beihilfe- und GKV-Leistungen relativiert nach seiner Einschätzung die Empörung seitens der PKV und des Beamtenbundes nach der Ankündigung des Hamburger Senats, frisch gebackenen Beamten künftig ein Wahlrecht zwischen GKV und PKV einräumen zu wollen. Eine mögliche Schlechterstellung der Beamten führen die Gegner als ein Argument gegen einen solchen Schritt an.

Gerade bei der Arzneimittelversorgung könne davon keine Rede sein, betont der WIdO-Chef. Er verweist auf das Beispiel der Generika. So würden manche Beihilfestellen bei generikafähigen Arzneimitteln grundsätzlich nur den für die GKV ausgehandelten Festbetrag erstatten, auch wenn das vom Arzt verordnete Medikament teurer ist.

In Berlin stünden beihilfeberechtigte Beamtinnen und Beamte sogar schlechter da als gesetzlich Versicherte, berichtet Jacobs. Während Ärzte bei GKV-Patienten über die "aut idem"-Regelung den Ersatz des Originalpräparats durch ein Generikum ausschließen können, übernimmt die Berliner Beihilfe grundsätzlich nur die Kosten für das Generikum. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat diese Praxis bestätigt (Az.: OVG 7 B 13.15) "Das ist ein Beispiel dafür, dass es in der GKV eine bessere Versorgung geben kann."

Solche Fakten sollten seiner Meinung nach in der Debatte über das Verhältnis von GKV und PKV eine größere Rolle spielen. Was die Beihilfe angelangt, hält Jacobs vor allem eine größere Transparenz für notwendig. Ihn ärgert, dass keine konsolidierte Statistik über die Gesamtausgaben der verschiedenen Beihilfestellen gibt. "Als Steuerzahler wissen wir nichts darüber, wie das Geld verwendet wird."

Mehr Transparenz wünscht sich Jacobs nicht nur bei der Höhe der Ausgaben in der Beihilfe, sondern auch bei der Qualität. "Wird das Geld wirklich für sinnvolle Leistungen ausgegeben?"

Nach seiner Einschätzung wäre schon etwas erreicht, wenn die Debatte über den Hamburger Vorschlag dazu beitragen würde, mehr Licht ins Dunkel zu bringen.(iss)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »