Lymphknotenschwellung über einen Monat: immer invasive Diagnostik!

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Vergrößerte Lymphknoten finden sich bei den verschiedensten Erkrankungen. Ursache der Vergrößerung sind überwiegend Infektionen, immunologische Prozesse, Neoplasien oder metabolische Erkrankungen. Bei einem malignen Lymphom ist das lymphatische Gewebe selbst neoplastisch verändert.

Wie kommt man rasch zur richtigen Diagnose? Und was ist bei der differenzialdiagnostischen Abklärung zu beachten? Antworten darauf geben Dr. Wolfram Jung und Professor Lorenz Trümper, Abteilung Hämatologie und Onkologie am Zentrum Innere Medizin des Universitätsklinikums Göttingen, in ihrem zertifizierten Fortbildungsbeitrag "Große Lymphknoten - was steckt dahinter?"

Wichtige Fragen im Rahmen der Anamnese betreffen vor allem die Dauer und Dynamik der Lymphknotenvergrößerung, Begleitsymptome und die Vorgeschichte. So sind rasch größer werdende Lymphknoten häufig ein Zeichen für eine floride Erkrankung: In Frage kommen außer entzündlichen vor allem neoplastische Ursachen wie Tumoren mit hoher Proliferationsrate (z. B. aggressive Lymphome oder kleinzelliges Bronchialkarzinom). Langsam größer werdende Lymphknoten finden sich bei chronischen Leukämien, niedrig malignen Non-Hodgkin-Lymphomen und chronischen Entzündungen.

Eine Kollegin tastet bei einem Patienten die Lymphknoten ab.

Eine Kollegin tastet bei einem Patienten die Lymphknoten ab.

© Foto: Roche Pharma

Fieber als Begleitsymptom ist typisch für bakterielle oder virale Infektionen. Bei immunologischen Erkrankungen treten mit dem Fieber oft gleichzeitig Arthralgien, Muskelschwäche und Exantheme auf. Bei malignen Lymphomen kommt es häufig zu Fieber über 38° C, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust.

Bei der Abklärung einer infektiösen Genese sollte auch an sexuell übertragbare Erkrankungen wie HIV, Hepatitis B, Syphilis oder Herpes simplex gedacht werden sowie an einen intravenösen Drogenkonsum. Bei Migranten kann je nach ethnischer Herkunft auch eine parasitäre oder seltene bakterielle Infektion (etwa eine Trypanosomiasis, Leishmaniasis oder Kokzidioidomykose) die Ursache sein, ebenso bei Reisenden nach entsprechenden Aufenthalten im Ausland.

Für die Diagnostik hilfreich ist die Einteilung in lokalisierte und generalisierte Lymphadenopathien. Bei letzteren sind mindestens zwei nicht zusammenhängende anatomische Regionen betroffen; hier wird vor allem auf allgemeine Symptome geachtet. Bei einer lokalisierten Lymphadenopathie wird die zugehörige Region auf Infektionen, Haut- und Schleimhautläsionen, Erytheme und Tumoren sowie auf Schmerzen untersucht.

Für die Lymphknotengröße gibt es keinen allgemein gültigen Normwert. Bei Erwachsenen werden tastbare Lymphknoten mit bis zu 1 cm Durchmesser als normal angesehen, inguinale auch bis 1,5 cm. Eine Vergrößerung über 1,5 cm hat meist eine maligne Ursache.

Der Umfang der Labordiagnostik richtet sich nach den wahrscheinlichsten Differenzialdiagnosen. Sie sollte aber in jedem Fall Blutbild, Differenzialblutbild, Thrombozyten, Leberwerte und Laktatdehydrogenase umfassen. Grundsätzlich indiziert sind auch eine Abdomen-Sonografie und die Thorax-Röntgenaufnahme. Eine invasive Diagnostik (Biopsie oder bei Verdacht auf Lymphom eine Exzision) sollte bei jeder Lymphknotenschwellung, die länger als einen Monat anhält, erfolgen. (mar)

Zu dem Modul "Große Lymphknoten - was steckt dahinter? "

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