Ärzte Zeitung online, 16.02.2018

Schleswig-Holstein

Drei Bewerber für den Vorstand der Nord-KV

Die beiden Amtsinhaber bewerben sich bei der KV Schleswig-Holstein um die Wiederwahl. Dazu kommt ein Herausforderer mit neuen Ideen.

Von Dirk Schnack

Drei Bewerber für den Vorstand der KV

Herausforderer Dr. Marcus Jünemann, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin.

© privat

BAD SEGEBERG. Drei Kandidaten werden sich um die zwei Posten für den KV-Vorstand in Schleswig-Holstein bewerben. Neben den beiden Amtsinhabern Dr. Monika Schliffke und Dr. Ralph Ennenbach geht auch Marcus Jünemann am 24. Februar ins Rennen.

Der 51-jährige Jünemann ist Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin und in Gemeinschaftspraxis in Großhansdorf bei Hamburg niedergelassen.

 Im Norden ist er standespolitisch kein Unbekannter: Er ist Kammerabgeordneter, Mitglied im Ärztenetz, war Vorstandsmitglied der Ärztegenossenschaft und wurde schon vor der Vorstandswahl vor sechs Jahren von Kollegen zur Kandidatur gedrängt. "Damals war die Zeit für mich noch nicht reif", sagt Jünemann, der zunächst weitere Erfahrungen in der Standespolitik sammeln wollte.

Jünemann bringt neben diesen inzwischen gesammelten Erfahrungen und seiner Kenntnis aus der Niederlassung auch ökonomischen Sachverstand mit, er hat berufsbegleitend ein MBA-Studium in Health Care Management absolviert.

Als Ziel nennt Jünemann unter anderem eine bessere Integration junger Kollegen in die KV. Überzeugen will er diese, indem er die Vorteile und Gestaltungsmöglichkeiten der Selbstverwaltung aufzeigt. Jünemann sagt allerdings selbst, dass an der Arbeit des amtierenden KV-Vorstands nichts auszusetzen sei.

Die 66-jährige Allgemeinmedizinerin Dr. Monika Schliffke hatte zwar nach ihrer Wahl vor sechs Jahren nur eine Amtsperiode angestrebt. Inzwischen hat sie sich anders entschieden, weil es "keine persönlichen Hinderungsgründe" gibt, wie sie sagt, und sie außerdem die Teamarbeit in Bad Segeberg schätzt.

Tatsächlich kann sie gemeinsam mit ihrem Vorstandskollegen Ennenbach auf eine Verwaltung und auf ehrenamtliche Mitstreiter in den Gremien zählen, die von der Ärzteschaft kaum offene Kritik erfährt. Ein wichtiger Grund ist die Dienstleistungsorientierung der KV im Norden. Ein weiterer, dass man sich von Entscheidungen auf Bundesebene gerne abgrenzt.

Wenig Kritik am Vorstand

Mit dem jetzigen Personal an der KBV-Spitze allerdings sieht auch Schliffke die Chance auf Gestaltungsmöglichkeiten. KBV und KVen werden aus ihrer Sicht wieder als Player wahrgenommen, die sich jenseits von Hausarzt–Facharztkonflikten um eine Weiterentwicklung des Gesundheitswesens kümmern. Das entspricht auch dem Naturell der Netzärztin aus Ratzeburg.

Diese Weiterentwicklung will sie persönlich noch begleiten, insbesondere um die ländliche Versorgung zu stabilisieren, um die intersektorale Notfallversorgung voranzutreiben und um die elektronische Kommunikation zu forcieren – drei Steckenpferde ihrer bisherigen Arbeit.

Nach den Meilensteinen ihrer Amtsperiode gefragt, nennt sie den gestoppten Trend zur Anstellung von Ärzten in Klinik-MVZ. Im Norden hat ein ganzes Bündel von Maßnahmen dafür gesorgt, dass junge Ärzte die Anstellung in Arztpraxen als attraktiv wahrnehmen.

Strategische Denkweise

Schon seit 2006 ist Ennenbach Vorstandsmitglied im Norden, nachdem er zuvor unter dem ehrenamtlichen Vorstand in der Geschäftsführung tätig war. Der 55-jährige Diplom-Physiker aus dem Rheinland ist im Norden für den Geschäftsbereich "Gewährleistung und Administration" und damitunter anderem für die Honorarverteilung verantwortlich – ein Bereich, für den er in der Abgeordnetenversammlung genauso geschätzt wird wie für seine strategische Denkweise.

Ennenbach strebt eine weitere – nach eigenen Angaben letzte – Amtszeit an. Trotz der Routine nimmt er die Arbeit noch immer als Herausforderung wahr, etwa wenn begrenzte Ressourcen und Erwartungen der Ärzte angenähert werden müssen.

Ennenbach leistet sich dabei die Freiheit, "nicht unbedingt massenkompatible Lösungen vertreten zu müssen", sondern an eigenen Überzeugungen festzuhalten. Zugleich bescheinigen ihm viele, dass er aufgeschlossen ist für neue Ideen und sich diese aufmerksam anhört.

Mit der Bewerberauswahl steht schon fest, dass auch die kommenden sechs Jahre mindestens ein Arzt im Vorstand der KV Schleswig-Holstein vertreten sein wird. Eine Ausweitung auf drei Personen wäre nur nach Satzungsänderung möglich.

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