Ärzte Zeitung online, 15.04.2019

Schleswig-Holstein

Pfleger pflegen gerne, aber brauchen Hilfe

76.000 Schleswig-Holsteiner pflegen laut Zahlen der Barmer einen Familienangehörigen.

KIEL. Pflegende Angehörige im Norden stellen ihre Leistungen nicht infrage und sind zu einem Drittel sogar bereit, ihre Dienste an Angehörigen noch auszuweiten. Aber: 60 Prozent wünschen sich mehr Unterstützung und eine kleine Minderheit steht kurz davor, ihre Dienste einzustellen.

Diese Zahlen nennt die Barmer Landesvertretung Schleswig-Holstein. Ihren Angaben zufolge pflegen 76.000 Schleswig-Holsteiner einen Familienangehörigen, die Hälfte davon einen Partner, rund 30 Prozent einen Elternteil.

Fast die Hälfte (46 Prozent) von ihnen stellt diese Leistung auch nicht infrage, solange sich die pflegerische Situation nicht ändert. 35 Prozent können sich außerdem vorstellen, den Umfang ihrer pflegerischen Leistungen noch zu erhöhen. 6,6 Prozent wollen dagegen nur mit mehr Unterstützung weiter helfen und ein Prozent steht kurz davor, auf keinen Fall weiter zu pflegen.

"An der Grenze der Belastbarkeit"

Der hohe Umfang an pflegerischer Leistung ist nur möglich, weil zwei Drittel der Angehörigen nicht arbeitet. Jeder Vierte hat seine Arbeit wegen der zu Hause erforderlichen Pflege reduziert oder ganz aufgegeben.

Bei 85 Prozent der Pflegenden bestimmt dies täglich ihr Leben. Die Hälfte von ihnen kümmert sich laut Barmer sogar mehr als zwölf Stunden täglich um die pflegebedürftige Person.

Barmer-Chef Dr. Bernd Hillebrandt sieht diese Pflegenden „an der Grenze der Belastbarkeit angekommen“. Denn: 40 Prozent fehlt nach eigenen Angaben Schlaf, 30 Prozent fühlen sich in ihrer Rolle als Pflegende gefangen und 20 Prozent ist die Pflege zu anstrengend.

Die Folge: 51 Prozent haben Rückenschmerzen, 23 Prozent Depressionen und 12 Prozent Belastungsstörungen. Diese Werte sind durchweg höher als bei nicht pflegenden Menschen.

Allerdings nutzen viele Pflegende auch nicht die zur Entlastung bestehenden Alternativen wie Kurzzeitpflege, Tagespflege sowie Betreuungs- und Haushaltshilfen, weil sie Zweifel an der Qualität und an den Kosten haben. (di)

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