Ärzte Zeitung online, 14.06.2019

Medizinstudium

Thüringen zaudert mit Erhöhung der Studienplätze

KV, Kammer, Krankenhäuser dringen auf eine Aufstockung der Studienkapazitäten. Die Gesundheitsministerin hat dafür Sympathie, der Wissenschaftsminister verweist auf die Kosten.

Von Katrin Zeiß

ERFURT. Ärzteverbände und Krankenhausvertreter in Thüringen haben die rot-rot-grüne Landesregierung zur Schaffung von mehr Medizinstudienplätzen aufgefordert.

Nötig seien mindestens zehn Prozent mehr Studienplätze in der Humanmedizin, erklärten Landesärztekammer, KV, Landeskrankenhausgesellschaft und Landesverband der leitenden Krankenhausärzte zum Auftakt der diesjährigen medizinischen Fortbildungstage Thüringen in Erfurt.

Dies würde 20 bis 30 zusätzliche Plätze bedeuten, sagte Kammerpräsidentin Ellen Lundershausen. In Thüringen nehmen derzeit jährlich 260 junge Leute ein Medizin-Studium an der Medizinischen Fakultät der Universität Jena auf, die einziger Anbieter dieses Studiengangs in dem Bundesland ist.

Andere Länder rüsten bei Medizin-Studienplätzen auf

Kombiniert werden solle eine Aufstockung mit einer Landeskinderquote bei der Zulassung zum Studium, so Lundershausen. Auch ein erneutes Nachdenken über eine Landarztquote nach dem Vorbild von Nordrhein-Westfalen sei sinnvoll.

Andere Länder rüsteten bei Medizin-Studienplätzen auf, verwies die Kammer-Chefin etwa auf geplante Aufstockungen in Sachsen. „Thüringen braucht die Studienplätze jetzt.“

Ihre Forderung begründen die Verbände nicht nur mit steigenden Patientenzahlen in Praxen und Kliniken, sondern auch mit einem Trend zur Teilzeitarbeit vor allem in der jungen Ärztegeneration.

Möglicherweise führe auch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur zwingenden Dokumentation der Arbeitszeit zu einem größeren Personalbedarf. Zudem müsse Thüringen personell auf die erwarteten 265 zusätzlichen Vertragsarztsitze als Folge der neuen Bedarfsplanungsrichtlinie reagieren.

Die Landesregierung ist in der Frage zusätzlicher Medizin-Studienplätze gespalten. Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) bekundete, die Forderung nachvollziehen zu können. Mehr Studienplätze könnten einem möglichen Ärztemangel vorbeugen, sagte sie.

Dagegen ist für Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) nicht ausgemacht, dass mehr Studienplätze in Thüringen automatisch zu mehr Ärzten im Freistaat führen. Schließlich sei jeder Absolvent frei in der Wahl des Arbeits- und Wohnortes. „Eine solche Garantie kann keiner geben“, räumte auch die Kammerpräsidentin ein.

Aufstockung kostet mehrere Millionen Euro jährlich

Laut Tiefensee bildet Thüringen schon überdurchschnittlich viele Ärzte aus. 3,9 Prozent der Studienplätze in Thüringen seien Medizin-Studienplätze, der Bundesdurchschnitt liege bei 3,3 Prozent. Während in Thüringen ein Studienplatz auf 8100 Einwohner komme, liege das Verhältnis in Bayern bei 1:9100, in Niedersachsen bei 1:25.800.

Zehn Prozent mehr Medizinstudienplätze würden Thüringen jährlich mindestens rund 5,2 Millionen Euro kosten, so das Wissenschaftsministerium. Die Medizinische Fakultät Jena geht sogar von langfristig weit über sechs Millionen Euro pro Jahr aus.

Für Tiefensee stellt sich die Frage, ob eine bundes- oder europaweite Ärzte-Anwerbungskampagne nicht besser und vor allem kostengünstiger sei. Bereits jetzt kommt laut Kammer jeder vierte der knapp 10.000 in Thüringer Kliniken, Praxen und Behörden tätigen Ärzte aus dem Ausland.

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