DEGAM-Kongress
Hausärzte im Primärversorgungssystem: Mit neuem Selbstvertrauen zur Beziehungsmedizin
Zum Auftakt des DEGAM-Kongresses in Göttingen skizzierten die Podiumsteilnehmer die Kriterien für ein erfolgreiches Primärarztsystem: Neben gut ausgebildeten Medizinern brauche es auch Patienten, die den Mehrwert der Reform erkennen.
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Proppenvoll wie selten: Der Hörsaal der Uni Göttingen bei der Eröffnungsveranstaltung.
© Rolf Schulten
Göttingen. Wenn es um die Steuerung der Patienten geht, kommt den Hausärztinnen und Hausärzten im geplanten Primärarztsystem künftig eine besondere Bedeutung zu. Ihre wichtige Rolle zeige sich auch in „einem gewachsenen Selbstvertrauen der Hausärzteschaft“, wie Nicola Buhlinger-Göpfarth, Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, bei der Eröffnungsveranstaltung zum DEGAM-Kongress in Göttingen betonte. Und auch im Veranstaltungsort des Kongressauftakts: Der Hörsaal der Universität, in dem rund 900 Menschen Platz finden, war fast bis auf den letzten Platz voll besetzt.
Das freute Professor Michael Schön, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen, natürlich ganz besonders. Er betonte in seinem Grußwort: „Wer ein Primärarztsystem fordert, muss für die notwendigen Strukturen sorgen“, es benötige ausreichend viele Allgemeinmediziner, diese ließen sich nur über attraktive akademische Perspektiven und gute Arbeitsbedingungen gewinnen.
„Steuerung ist keine Zumutung“
Der niedersächsische Gesundheitsminister, Dr. Andreas Philippi, machte deutlich, dass es für ein funktionierendes System neben Hausärzten auch genug ausgebildete andere Primärärzte brauche, ebenso wie nichtärztliches Personal. „In Niedersachsen haben wie mit allen Stakeholdern darüber gesprochen, wie man den Beruf des Allgemeinmediziners wieder spannender machen kann“. Unter anderem wurde ein Zehn-Punkte-Ärzte-Programm ins Leben gerufen, und es seien weitere Studienplätze geschaffen worden.
„Die Agenda stimmt“, betonte Nicola Buhlinger-Göpfarth. „Es braucht aber auch Patienten die verstehen, dass Steuerung keine Zumutung ist, sondern ein Angebot.“ Das System solle einen Mehrwert bieten – und das tue es nur, „wenn es nicht nur eine Überschrift ist, sondern Gelingensbedingungen erfüllt sind“ wie beispielsweise Einschreibungen und die Koordination mit den Gebietsärzten.
Hausarztmedizin ist Beziehungsmedizin
Dr. Marion Renneberg, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, brach eine Lanze für die Medizinischen Fachangestellten – und erntete dafür großen Applaus. „Sie werden in der Politik viel zu wenig genannt, viel zu wenig gesehen. Unsere VERAH und NäPA sind Gold wert.“
Große Sorgen machten sich die Teilnehmer auf dem Podium auch über den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt. „Reformen sind ein Einfallstor für antidemokratische Kräfte“, sagte die Medizinsoziologin Professor Lena Ansmann von der Deutschen Gesellschaft für Medizinsoziologie. „Damit die Reformen ein Erfolg werden, müssen sie gut kommuniziert werden.“ Antidemokraten lehnten bekanntermaßen Wissenschaft ab und seien häufig Impfgegner.
An dieser Stelle brachte ein Hausarzt aus dem Publikum wieder die besondere Rolle der Hausärztinnen und Hausärzte ins Spiel: „Hausarztmedizin ist Beziehungsmedizin. Sie können ihren Patienten genau erklären, was wichtig ist und was sie brauchen.“
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