Interview zu Demenz

Körpersprache gibt wichtige Hinweise

In den vergangenen Jahren haben Forscher neue Erkenntnisse zur Demenz am Lebensende gesammelt. Der Gerontopsychiater Dr. Klaus Maria Perrar von der Uniklinik Köln erläutert im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung", welche.

Veröffentlicht:

Ärzte Zeitung: Was weiß die Forschung über die Betreuung von Menschen mit Demenz am Lebensende?

Dr. Klaus Maria Perrar: Die altersspezifische Sterberate bei Demenzkranken ist weltweit höher als bei Menschen, die nicht an Demenz leiden. Schmerz ist eines der am häufigsten übersehenen Symptome bei schwerer Demenz.

Ärzte und Pflegende sollten daher bei Verhaltensänderungen immer auch an Schmerzen und an die Frage denken, wie lassen sich Schmerzsymptome reduzieren.

Perrar: Die Forschung zeigt zudem, dass es keinen Beleg für den Nutzen von Magensonden gibt, wenn es bei Patienten mit schwerer Demenz Schwierigkeiten bei der Ernährung gibt. Die Lebensqualität wird dadurch nicht positiv beeinflusst.

Gibt es eine Alternative?

Perrar: Wir kommen nicht drum herum, uns den Patienten fast wie fleißige Bienchen zu nähern und ihnen ihr Essen geduldig anzureichen, wenn sie das selber nicht mehr können. Dabei empfiehlt sich hochkalorische Nahrung.

Wie erkennt der Arzt, ob ein schwer an Demenz erkrankter Patient Schmerzen hat?

Perrar: Es gibt eine Reihe von Auffälligkeiten in Körpersprache und Mimik, die bei Patienten mit fortgeschrittener Demenz auf Schmerzen hindeuten können.

Lautes, angestrengtes Atmen etwa kann ein solcher Hinweis sein - ebenso negative Lautäußerungen wie wiederholtes Rufen, lautes Stöhnen oder Ächzen und Weinen. Auch der Gesichtsausdruck kann auf Schmerzsymptome hinweisen, ständiges Grimassieren zum Beispiel kann ein Signal sein.

Wie sind Angehörige in den Prozess der Palliativbetreuung einzubinden?

Perrar: Angehörige sollten sich bewusst machen, dass auch ein Leben mit Demenz enden wird. Die Frage, was in der Sterbephase des Demenzkranken zu tun ist, geht im Alltag schnell unter. Idealerweise liegt eine Patientenverfügung vor.

Doch das ist nicht immer der Fall. Deshalb lautet der Rat, rechtzeitig über etwas nachzudenken, was wir "Advance Care Planning" nennen: Sich frühzeitig auf den Beginn der Sterbephase des Demenzkranken vorzubereiten. (hom)

Lesen Sie dazu auch: Demenz am Lebensende: Ärzte bringen Licht ins Dunkel

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Kommentare
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Ulrich Welzel

Pfleger fit in Validation?

Vielen Dank für den interessanten Beitrag.

In meiner Arbeit als Hospizbegleiter erlebe ich die meisten Pflegekräfte, im stationären wie im SAPV-Team, unsicher in der Kommunikation mit demenziell Erkrankten.
Erst Sicherheit hat mir die Ausbildung zum Demenzhelfer bei der Alzheimer Gesellschaft gebracht. Für die ehrenamtliche Arbeit reicht mir das.
Vor kurzem hatte ich das Vergnügen in einem Pflegeheim in Lindau zu sein, wo vom Hausmeister bis zur PDL alle Mitarbeiter in Validation ausgebildet sind.


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