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Akupunkturnadeln werden in China oft von Hand gefertigt

Von Bernd J. Kreutner Veröffentlicht:

Nicht nur die Akupunktur, sondern auch die Herstellung der dafür benötigten Nadeln hat in China eine sehr lange Tradition. Die großen Akupunkturnadel-Produzenten Chinas, die ihren Sitz im Großraum Suzhou-Wujian haben, lassen ihre Nadeln meist an Orten im Innern des Landes herstellen, wo die Lohnkosten niedriger sind als in den industriellen Ballungsräumen.

Bei den chinesischen Akupunkturnadeln handelt es sich nahezu ausschließlich um die traditionellen Nadeln mit einem gedrehten Kupfergriff, dazu zählen auch die Nadeln mit versilberten Griffen oder versilberten Kupfergriffen. Sie machen noch immer dem Löwenanteil an den weltweit verwendeten Akupunkturnadeln aus.

Daß die Nadeln in Dörfern gefertigt werden, wird von den traditionellen Herstellern geleugnet. Erst auf den Hinweis, diese Orte besucht zu haben, gibt man zu, dort Nadeln zu den selbst produzierten dazuzukaufen. Die Chennan-Provinz mit dem Dorf zhang guang miuo liefert etwa 50 Prozent der Nadeln, die Jangsu-Provinz mit su gian etwa 15 Prozent und die Anhiu-Provinz mit jiu hua shan etwa 35 Prozent.

Akupunkturnadeln werden meist in Heimarbeit gefertigt

In den Dörfern werden die Nadeln überwiegend in Heimarbeit gefertigt. Nur wenige kleine Fabriken mit einer geringen Mitarbeiterzahl arbeiten nach industriellen Vorgaben. Die Heimarbeiter stellen die Nadeln unter primitiven und chaotischen Bedingungen her, zum Teil im Innenhof ihrer Wohneinheit. Gespräche mit örtlichen Parteifunktionären ergaben, daß die Familien ihren Lebensunterhalt als Kleinstfarmer verdienen und mit der Herstellung der Nadeln ein Zubrot erwirtschaften.

Besuchen Europäer einen Nadelhersteller in China mit der Absicht, dort Nadeln einzukaufen, so wird ihnen bereitwillig die Fabrikation gezeigt. Dort sitzen dann ein Dutzend nett gekleidete Chinesinnen in einem schönen Raum, einige andere nehmen gründliche Qualitätskontrollen vor.

Die Besichtigung der Verpackungsstraße und der Blick von der Schleuse in den sehr gepflegten Reinraum bekräftigen das Gefühl, daß die Produktion perfekt und der Betrieb zu Recht ISO-zertifiziert worden ist. Erst eine Hochrechnung der Nadelfabrikation auf die vom besichtigten Unternehmen stolz angegebene Gesamtmenge läßt die Frage aufkommen, wo denn die restlichen 500 Chinesinnen sitzen, die nötig sind, um die genannte Menge zu produzieren.

Die großen Hersteller in Suzhou und Wujian liefern ihren Mitarbeitern in den Dörfern meist schon auf Länge geschnittene und gerade gerichtete Drähte. Eine vertrauenswürdige Familie verwaltet dieses Rohmaterial. Die arbeitswilligen Frauen und Männer bekommen dort das Rohmaterial ausgehändigt, spitzen die Stahlstifte nach einem traditionellen Verfahren an und wickeln die Griffe darum. Die Lieferung der erstellten Nadeln erfolgt nach Gewicht in großen Gebinden von etwa 10 000 Nadeln eines Typs an die zentrale Familie.

Angeblich kann jede Nadel zurückverfolgt werden

Familien kaufen aber auch von örtlichen Zwischenhändlern Rohmaterial wie abgelängte und gerade gerichtete Stahlstäbe der entsprechenden Durchmesser und verkaufen die daraus hergestellten Nadeln an eine zentrale Sammelstelle. Angeblich hat jede Familie eine Nummer, anhand derer die Nadeln zurückverfolgt werden können. Dies ließ sich vor Ort jedoch nicht verifizieren.

Die Arbeitserträge, dürften sehr gering sein. Pro Nadel werden etwa als reine Arbeitskosten 0,01 Chinesische Renminbi Yuan (RMB) im unteren Bereich angegeben und als Fertigprodukt 0,03 RMB. So würde etwa eine Packung mit 100 Nadeln, wie sie in Europa oder den USA verkauft wird, mit einem Anteil von zehn bis 30 Cent belastet. Zusätzlich entstehen schwer abzuschätzende Kosten für den Transport von den Dörfern in die Städte Suzhou, Wuxi und Wujian, die nicht unerheblich sind, da Straßennutzungsgebühren anfallen.

Abnehmer sind Unternehmen in Europa und den USA

Die in China hergestellten Nadeln werden auch zu einem großen Anteil in China verbraucht, wobei sich die Verwendung von Einmalnadeln noch nicht flächendeckend durchgesetzt hat. Schätzungsweise 50 Prozent werden im Ausland abgesetzt, in Europa und vor allem in den USA.

Bernd J. Kreutner ist der Geschäftsführer des Medizingeräte-Herstellers schwa-medico in Ehringshausen, der auch Akupunkturnadeln anbietet.

Lesen Sie dazu auch: Viele Produktionsschritte bis zur sterilen Nadel

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