Alte Patienten vertragen auch starke Schmerzmittel oft gut

MÜNCHEN (wst). Chronische Schmerzen sind nicht nur bei Krebspatienten, sondern auch bei anderen, alten Patienten oft eher die Regel als die Ausnahme. Bei der Suche nach geeigneten Schmerzmitteln sind altersspezifische Gegebenheiten und mögliche Interaktionen mit sonstigen Therapien zu beachten. Dabei wird ein stärkeres Schmerzmittel in adäquater Dosierung nicht selten besser vertragen als ein schwächeres.

Veröffentlicht:

Darauf hat Professor Roland Hardt von der geriatrischen Klinik des Katholischen Klinikums Mainz aufmerksam gemacht. 

Prinzipiell folgt die Schmerztherapie auch in der Geriatrie dem WHO-Stufenschema: Nicht-Opioide wie Paracetamol und NSAR auf der Stufe I, mittelstarke Opiode wie Dihydrocodein, Tramadol und Tilidin auf Stufe II und starke Opiode wie Morphin, Oxycodon, Hydromorphon, Buprenorphin und Fentanyl auf Stufe III.

Daran hat Hardt auf einem von den Unternehmen Gilead, Mundipharma, Ribosepharm und Sanofi-Aventis unterstützten Workshop in München erinnert. Die Anwendung von Substanzen mit antiinflammatorischer Wirkkomponente sei in der Schmerztherapie häufig sinnvoll. Bei alten Menschen hätten NSAR jedoch überdurchschnittlich häufig unerwünschten Wirkungen, so Hardt.

Bei den Opioiden der Stufe II sei zu beachten, daß jenseits der empfohlenen Höchstdosis keine weitere Steigerung der Wirkung zu erwarten ist. Das Risiko für unerwünschte Wirkungen nehme aber zu. Das rechtzeitige Umsteigen auf ein Opioid der Stufe III sei also ratsam, hieß es auf der Veranstaltung.

Tramadol, ein Opioid der Stufe II, ist zudem ein potenter Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Es sei deshalb kontraindiziert, wenn ein alter Patient bereits mit einem anderen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, etwa einem Antidepressivum, behandelt wird, erinnerte Hardt.

Als Beispiel für ein Opioid der Stufe III nannte Hardt retardiertes Hydromorphon (Palladon® retard), das für alte Patienten eine geeignete Alternative sei. Denn die Stoffwechselprodukte der Substanz habe keine biologische Aktivität. Außerdem könne das Präparat auch bei eingeschränkter Nierenfunktion verabreicht werden. Hydromorphon werde zudem nicht über Cytochrom-P-450 verstoffwechselt. Daher gebe es kaum Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, so Hardt.



STICHWORT

Aktion Schmerz 60plus

Um die Schmerztherapie bei Alten zu verbessern, hat Mundipharma die Aktion Schmerz 60plus ins Leben gerufen. Das Unternehmen hat dazu die Internetseite www.schmerz60plus.de eingerichtet. Dort geht es um Chancen und Defizite einer adäquaten Schmerztherapie bei alten Menschen. Besonderen Stellenwert haben Arzneimittel-Interaktionen. Anhand einer interaktiven Liste haben Ärzte die Möglichkeit, die Präparate, die sie verschreiben wollen, darauf hin zu überprüfen, welche Interaktionen es mit verschiedenen Schmerzmitteln gibt. (wst)

Mehr zum Thema

Ein Blick in den Versorgungsvertrag der AOK Sachsen-Anhalt

Rückenschmerzen: „Eine frühzeitige Intervention ist sehr wichtig“

Kooperation | In Kooperation mit: AOK-Bundesverband

Versorgungsprogramm von AOK und Klinikum Magdeburg

Ganzheitlich gegen den Rückenschmerz

Kooperation | In Kooperation mit: AOK-Bundesverband

Praxistipps

Schulterschmerzen: Die vertrackte, ärztliche Spurensuche

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Beratung in der Arztpraxis

Sicher mit Kindern verreisen: So geht‘s

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?