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Darmkrebs-Screening

Antikörper statt Guajak?

Die erste Stufe im bevölkerungsweiten Darmkrebs-Screening ist nach wie vor der Guajak-Test auf Okkultblut. Schon lange fordern Experten seine Ablösung durch sensitivere immunologische Tests.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Patienten, die zur Darmkrebs-Vorsorge bereit sind, können beraten werden, ob sie den alten Guajak-Test oder einen der sensitiveren immunologischen Tests als IGeL machen möchten.

Patienten, die zur Darmkrebs-Vorsorge bereit sind, können beraten werden, ob sie den alten Guajak-Test oder einen der sensitiveren immunologischen Tests als IGeL machen möchten.

© photos.com PLUS

MÜNCHEN. Die Koloskopie ist zwar der Goldstandard bei der Vorsorgeuntersuchung auf Darmkrebs, den Stuhltest auf okkultes Blut macht sie jedoch nicht überflüssig.

Der Test wird GKV-Versicherten über 50 Jahren angeboten, aber auch Versicherte über 55 können ihn alle zwei Jahre in Anspruch nehmen - alternativ zur Koloskopie im 10-Jahres-Abstand.

Wie wichtig diese Wahloption ist, zeigt eine Studie aus den Niederlanden: Auch nach zweimaliger Einladung zur Koloskopie wurde nur eine Teilnahmequote von 31 Prozent erreicht.

Immerhin jeder vierte "Verweigerer" war aber bereit, sich auf okkultes Blut untersuchen zu lassen (Int J Cancer 2012; 130: 2096-2102).

Basis ist eine Peroxidase-Reaktion

Der dazu seit Jahrzehnten eingesetzte und von der GKV erstattete Test basiert auf einer chemischen Reaktion: Wenn die Stuhlprobe Hämoglobin enthält, kommt es zu einer Peroxidase-Reaktion, bei der sich das mit Guajak imprägnierte Filterpapier blau verfärbt.

In großen epidemiologischen Studien konnte durch die konsequente Anwendung dieses Testverfahrens eine Senkung der Kolonkarzinom-Mortalität um etwa 15 Prozent erreicht werden.

Als Vorteil des Guajak-Tests gilt neben den niedrigen Gesamtkosten vor allem die mit 96 Prozent hohe Spezifität des Verfahrens. Sie ist unabdingbar für ein bevölkerungsweites Screening, um die Zahl der Koloskopien, die durch falsch positive Ergebnisse verursacht werden, möglichst gering zu halten.

Der größte Mangel des Guajak-Tests liegt in seiner geringen Sensitivität: In einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) erkannte ein solcher Test bei einmaliger Durchführung nur neun Prozent aller fortgeschrittenen Adenome (Ann Intern Med 2009; 150: 162-169).

Deutlich besser schnitten in derselben Untersuchung die immunologischen Tests auf Okkultblut ab. Diese Tests weisen mithilfe von spezifischen Antikörpern ausschließlich humanes Hämoglobin oder den (stabileren) humanen Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex nach.

Deswegen müssen die Patienten vor dem Test auch nicht auf Fleisch und Wurst verzichten. In der DKFZ-Studie entdeckten sie fortgeschrittene Adenome mit einer Sensitivität von 25 bis 72 Prozent.

Teilweise hohe Rat an falsch positiven Befunden

Der Haken der immunologischen Tests ist die teilweise sehr hohe Rate an falsch positiven Befunden. Von sechs vom DKFZ untersuchten Tests hatten nur zwei eine ausreichend hohe Spezifität von über 90 Prozent (FOB advanced und Immo CARE-C).

In einer Metaanalyse mit Daten von 22.000 Personen schnitten die immunologischen Tests ebenfalls besser ab, sie detektierten etwa doppelt so viele fortgeschrittene kolorektale Neoplasien wie die herkömmliche Methode (J Dig Dis 2010; 11: 148-60).

Aber auch hier waren große Unterschiede zwischen den einzelnen Tests augenfällig. Daher können die neuen Tests auch nicht gleichberechtigt zur Darmkrebs-Früherkennung empfohlen werden.

Die Verfasser des Nationalen Krebsplan fordern: "Der Guajak-Test auf fäkales okkultes Blut (gFOBT) sollte durch neuere immunochemische Tests auf okkultes Blut im Stuhl (iFOBT) ersetzt werden, die bei gleicher Spezifität eine deutlich höhere Sensitivität, insbesondere für Darmkrebsvorstufen, aufweisen."

In vielen Ländern bereits Routine

In vielen Ländern Europas und den USA gehören die Tests bereits zur Routine. Es wird erwartet, dass auch die anstehende Aktualisierung der S3-Leitlinie eine entsprechende Empfehlung enthalten wird.

Zurzeit können die immunologischen Stuhltests auf Okkultblut nur als IGeL angeboten werden (GOÄ- Ziffer 3747). Um die Zahl falsch positiver Ergebnisse zu senken, sollten nur Tests mit hoher Spezifität verwendet werden.

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