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Malaria

Bakterium macht Überträger-Mücken unschädlich

Malaria fordert Hunderttausende Tote jedes Jahr. Eine flächendeckende Impfung gibt es bislang nicht. Was tun? US-Wissenschaftler setzen auf ein bestimmtes Bakterium, das Überträger-Mücken unschädlich macht.

Von Stefan Parsch Veröffentlicht:
Ein Bakterium stärkt möglicherweise das Abwehrsystem der Anopheles-Mücke. Hemmt es auch die Fortpflanzung der Wirtstiere?

Ein Bakterium stärkt möglicherweise das Abwehrsystem der Anopheles-Mücke. Hemmt es auch die Fortpflanzung der Wirtstiere?

© leisuretime70 / iStock

BOSTON. Die weitverbreiteten Wolbachia-Bakterien können möglicherweise Malaria-Erreger in bestimmten Überträger-Mücken in Schach halten. Berechnungen zufolge könnte die Zahl der Malaria-Infektionen in manchen Regionen gedrückt werden, wenn mehr Mücken mit diesen Bakterien unterwegs wären, berichten US-Forscher (Nat Commun 2016; online 31. Mai).

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation gab es 2015 weltweit 214 Millionen Erkrankungsepisoden mit dem Malaria-Erreger, 438.000 Menschen sind dabei gestorben. Eine flächendeckende Impfung gibt es bislang bekanntlich nicht.

Wolbachia-Bakterien sind Biologen keine Unbekannten: Sie besiedeln nur wirbellose Tiere wie Würmer oder Spinnen und vor allem Insekten. Nach Schätzungen kommen die Bakterien in zwei Dritteln aller Insektenarten vor. Darunter sind auch Mücken, die Infektionskrankheiten wie Dengue-Fieber oder Gelbfieber übertragen.

Anopheles galten lange frei von Wolbachia

Wenn Mücken von Wolbachia-Bakterien besiedelt sind, ist die Gefahr der Übertragung der gefährlichen Krankheitserreger zum Teil erheblich reduziert. Deshalb werden die Bakterien als eine biologische Alternative im Kampf gegen tropische Infektionskrankheiten angesehen.

Allerdings galten Anopheles-Mücken, die wichtigsten Überträger des Malariaerregers Plasmodium, lange Zeit als frei von Wolbachia. In der Art Anopheles coluzzii - und auch in der Art Anopheles gambiae - entdeckte ein Team um Flaminia Catteruccia von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston jedoch vor einigen Jahren einen Wolbachia-Stamm, den sie "wAnga" nannten.

Von den mehr als 600 Anophelescoluzzii-Mücken, die die Forscher 2014 im westafrikanischen Staat Burkina Faso einsammelten, waren 46 Prozent von wAnga befallen. Mit nur einer Ausnahme unter 221 Mücken kamen Wolbachia-Bakterien und die Malaria-Erreger nicht gemeinsam in einer Mücke vor.

"wAnga" aktiviert das Immunsystem der Mücke

Mit der Ausbreitung von Wolbachia-besiedelten Mücken würde sich die Anzahl der Malaria-Infektionen in Afrika südlich der Sahara erheblich verringern, ergeben Modellrechnungen der Forscher. Wie genau die Bakterien die Plasmodien verdrängen, ist noch nicht bekannt. Aus anderen Studien ergibt sich jedoch, dass Wolbachia das Immunsystem seines Wirtstieres aktivieren kann, das dann verstärkt gegen den Malariaerreger kämpft. Auch konkurrieren Wolbachien und Plasmodien um Nährstoffe.

Aus Eiern und Larven züchteten die US-Biologen im Labor weitere Mückengenerationen und untersuchten die Auswirkungen des Bakteriums. Von anderen Insekten ist bekannt, dass Wolbachien deren Fruchtbarkeit und Fortpflanzung stören. Bei Anopheles coluzzii beobachteten die Forscher weder eine Störung des Geschlechterverhältnisses (männlich / weiblich) noch ein auffällig hohes Absterben der Nachkommen.

Allerdings legten Mückenweibchen mit Wolbachia ihre Eier deutlich früher ab als ihre Artgenossen, die nicht die Bakterien in sich trugen. Die schnellere Generationenfolge könnte dazu führen, dass Mücken mit Wolbachia diejenigen ohne Wolbachia langfristig verdrängen, schreiben die Wissenschaftler.

Stichprobe sehr gering, systematische Studie nötig

Für Professor Stefanie Becker von der Tierärztlichen Hochschule Hannover, die sich mit Malaria befasst, klingen die Studienergebnisse "insgesamt schlüssig". Allerdings sind ihr die Schlussfolgerungen, die die Autoren ziehen, zu weitreichend: "Für eine korrelative Studie ist die Stichprobe sehr gering."

Die Studie sei lediglich ein Hinweis darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen der Anwesenheit von Wolbachia-Bakterien und der Abwesenheit von Malariaerregern in der Anopheles-Mücke geben könnte. Um einen Beweis zu erhalten, müssten die Mücken im Labor gezüchtet und experimentelle Plasmodieninfektionen durchgeführt werden. (dpa)

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