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Befreiung von Migräne - auch per Herzkatheter?

LOS ANGELES/SEATTLE (ob). Befreiung von Migräne per Herzkatheter? Was verblüffend klingt, könnte zumindest bei einer Subgruppe von Migräne-Geplagten Wirklichkeit werden. Zwei Arbeitsgruppen berichten jetzt über Erfahrungen, wonach der kathetergestützte Verschluß eines offenen Foramen ovale in vielen Fällen die Migräne-Kopfschmerzen zum Verschwinden brachte.

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Beide Studien sind im Februar im "Journal of the American College of Cardiology" veröffentlicht worden. Ein Forscherteam um Dr. Babak Azarbal in Los Angeles hat 89 Patienten mit offenem Foramen ovale oder Vorhofseptumdefekt danach befragt, welche Auswirkung bei ihnen der Verschluß der interatrialen Verbindung auf eventuell bestehende Migräne-Kopfschmerzen gehabt hatte.

    Mehr als die Hälfte aller Patienten nach Eingriff ohne Beschwerden.
   

Unter Migräne-Beschwerden litten vor dem Eingriff 42 Prozent der behandelten Patienten (Zum Vergleich: Die Migräne-Prävalenz in der erwachsenen Allgemeinbevölkerung beträgt 12 Prozent). Drei Monate nach dem Kathetereingriff waren 60 Prozent der Patienten nach eigenen Angaben völlig beschwerdefrei; von den übrigen berichteten 40 Prozent über eine deutliche Besserung der Kopfschmerz-Attacken.

In einer ähnlich angelegten Studie hat eine Forschergruppe um Dr. Mark Reisman in Seattle 162 Patienten mit paradoxen zerebralen Embolien untersucht, bei denen zur Prävention "kryptogener" Schlaganfälle ein offenes Foramen ovale per Katheter verschlossen worden war. Davon klagten 35 Prozent vor dem Eingriff über Migräne.

Von den nach einem Jahren befragten Patienten mit Migräne berichteten 56 Prozent über ein völliges Verschwinden der Symptome und 14 Prozent über eine signifikante Verringerung der Kopfschmerz-Attacken.

Ebenso wie die Studienautoren warnt allerdings auch Dr. Sotirios Tsimikas aus San Diego in einem begleitenden Editorial davor, angesichts dieser Daten schon jetzt in Jubel auszubrechen. Aufgrund methodischer Schwächen beider Studien ist nicht auszuschließen, daß unerkannte Einflußfaktoren die Ergebnisse in eine positive Richtung verzerrt haben könnten. Schlußfolgerungen für die Praxis können deshalb aus den Ergebnissen noch nicht gezogen werden. Zuvor bedarf es randomisierter kontrollierter Studien, die bereits in Planung sind.

Darüber, welche Mechanismen der beobachteten Wirkung zugrunde liegen könnten, läßt sich momentan nur spekulieren. Eine Hypothese lautet, daß etwa bestimmte Blutbestandteile vor ihrer Entgiftung während der Lungenpassage durch den Vorhofshunt direkt in das zerebrale Gefäßsystem gelangen könnten.

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