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Bei 9 mg/dl muss die Harnsäure immer runter

Bekommen Patienten mit einem Nierentransplantat eine Gicht, ist Allopurinol nicht geeignet, die Harnsäure zu senken. Es hemmt das Enzym Xanthinoxidase, welches für den Abbau von Ciclosporin A benötigt wird.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Asymptomatischer, derber, verschieblicher, subkutaner Knoten an der linken Daumenkuppe einer älteren Patientin.

Asymptomatischer, derber, verschieblicher, subkutaner Knoten an der linken Daumenkuppe einer älteren Patientin.

© Prof. Matthias Goebeler

GIESSEN. Verminderte Nierenfunktion sowie Diuretika und niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) prädisponieren für eine Gicht. All diese Risikofaktoren lagen bei einer 71-jährigen Frau vor, die sich wegen eines seit Jahren langsam größer werdenden Knotens am Daumen beim Hautarzt vorstellte.

Vor 20 Jahren hatte die Patientin ein Nierentransplantat erhalten. Zusätzlich bestanden ein Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen, berichten Professor Matthias Goebeler von der Universitätshautklinik in Gießen und seine Kollegen (Hautarzt 2011, 62: 224). Die Dauermedikation bestand aus Mycophenolat Mofetil (MMF), Prednisolon, Metoprolol, Hydrochlorothiazid und ASS. Der derbe, subkutane und hautfarbene Knoten am Daumen hatte einen Durchmesser von inzwischen zwölf Millimetern. Die Sonografie ergab eine scharf abgegrenzte echoreiche Struktur.

Dass es sich um einen Gichttophus handelte, bestätigte einerseits der deutlich erhöhte Harnsäure-Wert mit 9,1 mg/dl. Der Normbereich für Harnsäure im Serum liegt üblicherweise bei 2,5 bis 5,7 mg/dl. Die histologische Untersuchung des Biopsats ergab schließlich im subkutanen Bindegewebe azelluläres nadelförmiges Material, umgeben von einem histiozytären Infiltrat mit Fremdkörperriesenzellen.

Sonografische Darstellung der 12 mm durchmessenden Fingerkuppenläsion mittels 7-MHz-Sonografie.

Sonografische Darstellung der 12 mm durchmessenden Fingerkuppenläsion mittels 7-MHz-Sonografie.

© Prof. Matthias Goebeler

Wenn Gichttophi bei einem Patienten sichtbar werden, besteht bereits seit Jahren eine Hyperurikämie. Weil die Löslichkeit von Uraten temperaturabhängig ist, finden sich die Knoten bevorzugt an kühleren Körperregionen, etwa an den Füßen oder am Knie, an den Handgelenken, Fingern oder Ohren. Entscheidet man sich für eine Biopsie, muss das Material in Ethanol fixiert werden, weil Urate in Formalin löslich sind.

Goebeler weist darauf hin, dass auch bei fehlenden Symptomen einer Gicht ab Harnsäure-Werten von 9 mg/dl die medikamentöse Behandlung empfohlen wird, etwa mit Urikostatitika wie Allopurinol und Febuxostat oder mit urikosurischen Medikamenten wie Benzbromaron oder Probenecid. Beim Tumorzell-Lysesyndrom ist die rekombinante Rasburicase zur intravenösen Therapie zugelassen. Gichttophi müssen in der Regel exzidiert werden, so der Dermatologe.

Die Routinehistologie zeigt azelluläres Material umgeben von einem histiozytären Infiltrat mit Fremdkörperriesenzellen.

Die Routinehistologie zeigt azelluläres Material umgeben von einem histiozytären Infiltrat mit Fremdkörperriesenzellen.

© Prof. Matthias Goebeler

Bei Patienten nach Nierentransplantation muss zusätzlich beachtet werden, dass Allopurinol das Enzym Xanthinoxidase hemmt. Dieses Enzym werde zugleich für den Abbau von Ciclosporin A benötigt. Die Kombination von Allopurinol mit Mycophenolat Mofetil erscheine hingegen unbedenklich, so Goebeler. Urikosurische Medikamente seien bei diesen Patienten darüber hinaus von nur begrenztem Nutzen, weil sie die exkretorische Funktion der Niere erforderten.

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