Hormonstörungen

Bei Unfruchtbarkeit stets an Endometriose denken!

Mindestens zwei Millionen Frauen in Deutschland sind von Endometriose betroffen - und damit oft auch von Unfruchtbarkeit. "Auch viele Ärzte wissen noch zu wenig darüber und behandeln dann nur die Symptome", sagt Professor Andreas Ebert. Die Internationale Endometriose-Woche vom 5. bis 11. März soll auf Endometriose aufmerksam machen.

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BERLIN. Mehr als die Hälfte aller unfruchtbaren Frauen hat Endometriose - oft, ohne davon zu wissen. Viele leiden lange vor sich hin, bis die Bauchschmerzen zu heftig oder der unerfüllte Kinderwunsch zu stark wird.

Sechs bis acht Jahre dauert es meist immer noch, bis das chronische Leiden, bei dem Gebärmutterzellen außerhalb der Gebärmutter wuchern, von einem Spezialisten behandelt wird, sagt Ebert vom Endometriosezentrum am Berliner Vivantes Humboldt-Klinikum im Interview mit dpa.

Professor Andreas Ebert, Berlin

Professor Andreas Ebert, Berlin

© dpa

Wie kann den betroffenen Frauen heute geholfen werden?

Professor Andreas Ebert: Die Therapie hängt davon ab, ob es um Schmerzbehandlung oder Kinderwunsch geht. In beiden Fällen wird zunächst eine Bauchspiegelung gemacht, um eine genaue Diagnose zu ermöglichen und bei dem Eingriff die vorhandenen Wucherungen zu beseitigen.

Wenn es nur um den Schmerz geht, gibt es danach verschiedene Möglichkeiten hormoneller Behandlung, die die Bildung von Östrogen auf Dauer unterdrücken: Etwa die durchgehende Einnahme bestimmter Antibaby-Pillen. Oder die "Wechseljahresspritze", die den Östrogenhaushalt der Frau herunterregelt. Ohne Östrogen haben die Endometriosezellen praktisch kein Benzin mehr.

Geht es um Kinderwunsch, muss nach der Downregulation wieder eine hormonelle Stimulation erfolgen. Je nach Stadium der Erkrankung sind die Erfolgsaussichten für eine Schwangerschaft unterschiedlich. Wird die Endometriose früh erkannt, sind die Chancen sehr gut.

Aber im fortgeschrittenen Stadium 3 oder 4 liegt auch nach künstlicher Befruchtung die Schwangerschaftsrate bei höchstens 30 bis 40 Prozent. Und dann gibt es auch noch häufig Fehlgeburten.

Wann soll eine Behandlung denn beginnen?

Ebert: So früh wie möglich. Unsere jüngste Patientin war tatsächlich erst acht Jahre alt. Wenn es schon früh zu schmerzhaften Regelblutungen kommt, vielleicht sogar mit Ohnmachtsanfällen, sollte man das abklären.

Viele beißen hier ewig auf die Zähne, auch weil ihnen stets gesagt wird: "Nun hab dich nicht so." Je länger die Krankheit aber fortschreitet, umso wahrscheinlicher wird es, dass auch andere Organe von den Wucherungen befallen werden. Das können neben dem Bauchfell auch die Gebärmutter, Eierstöcke, der Darm oder die Blase sein.

Aber in seltenen Fällen wandern die Zellen sogar in die Knochen oder die Lunge. Nach heutigem Kenntnisstand bleiben die Wucherungen aber gutartig, bösartige Entwicklungen sind extrem selten.

Welche neuen Ansätze der Therapie gibt es?

Ebert: Man kann Endometriose auch kausal bekämpfen, durch sogenannte Aromatasehemmer etwa, die die Bildung von Östrogenen schon in der Zelle blockieren. Sie werden heute schon gegen Brustkrebs eingesetzt, sind aber sehr teuer.

Auch COX2-Hemmer, bestimmte Entzündungshemmer, werden erforscht. Für Endometriose sind die Substanzen jedoch noch nicht zugelassen. Aber perspektivisch dürften sie sich durchsetzen.

Die Fragen stellte Andrea Barthélémy, dpa

Das Endometriosezentrum am Berliner Humboldt-Klinikum bietet am Montag, 5. März von 12 bis 18 Uhr und am Donnerstag, 8. März von 8 bis 19 Uhr eine Endometriosehotline an: Tel: 030 / 130-123007

Informationen zu Endometriose auch bei der Stiftung Endometrioseforschung )

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