Diabetes mellitus

Diabetiker mit Hypothyreose drohen Unterzuckerungen

BONN (hbr). Die Stoffwechseleinstellung von Typ-1- und Typ-2-Diabetikern wird ausgesprochen schwierig, wenn ihre Schilddrüse nicht ordentlich arbeitet. Bei Therapie-Problemen sollte deshalb an diese Möglichkeit gedacht werden.

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So begünstigt eine Hypothyreose die Neigung zu Unterzuckerungen. Das zeigt die Geschichte einer Typ-1-Patientin, die Professor Petra-Maria Schumm-Draeger vom Krankenhaus München-Bogenhausen bei einem Symposium in Bonn vorgestellt hat.

Die Patientin hatte ihren HbA1c viele Jahre bei optimalen sechs Prozent gehalten, als ihr die Kontrolle zunehmend entglitt: Wiederholt traten schwere Hypoglykämien auf. Ihr Gewicht stieg trotz gleichbleibender Eßgewohnheiten; Depressionen, und ein fahl-gelbliches Hautkolorit stellten sich ein.

Das Labor ergab einen massiv erhöhten TSH von 78 mE/l und ein erniedrigtes fT4. Außerdem waren die Hashimoto-typischen Antikörper gegen die thyreoidale Peroxidase erhöht - eine Hashimoto-Erkrankung ist bei Typ-1-Diabetes häufiger die Ursache einer Hypothyreose. Zu den Unterzuckerungen kam es, weil bei Hypothyreose die Insulinresistenz sinkt, die Insulinsensitivität steigt und die gastrointestinale Glukoseaufnahme abnimmt. Dadurch sinkt der Insulinbedarf.

Diese Hypoglykämiegefahr ist zum Beispiel bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes bereits verstärkt, wenn nur eine subklinische Hypothyreose mit isolierter Erhöhung des TSH vorliegt. Also muß früh behandelt werden. Dafür spricht auch, daß die subklinische Hypothyreose ein kardiovaskulärer Risikofaktor ist. Die Kombination mit Diabetes bedeutet ein potenziertes Risiko.

Ziel ist ein TSH im Normalbereich. Ab wann er erhöht ist, wird derzeit diskutiert: Die alte Obergrenze von 4 mE/l ist wahrscheinlich zu hoch. Aktuelle Arbeiten empfehlen 2,5 bis 3 mE/l, sagt Schumm-Draeger. Sie behandelt grundsätzlich schon bei einem TSH in diesem Bereich, wenn Ultraschall und Antikörper-Check auffällig ausfallen.

Schumm-Draeger empfiehlt, bei unklaren Hypoglykämien von Typ-1- wie Typ-2-Diabetikern auch an die Schilddrüse zu denken. Immerhin beträgt die Prävalenz der Hypothyreose etwa zehn Prozent. Zu den häufigsten Ursachen gehört eine Hashimoto-Thyreoiditis.

Die Krankheit trifft meist Frauen, meist zwischen 50 und 60 Jahren. Typ-1-Patienten erkranken oft schon als junge Erwachsene und sogar als Kinder. Da Hashimoto sich über Jahre entwickelt und gehäuft bei Typ-1-Patienten auftritt, sollte ihre Schilddrüsenfunktion jährlich geprüft werden.

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